Elmigers zweiter Frühling

Die Zuger fuhren stark bei Paris–Roubaix. Der IAM-Fahrer wurde Fünfter, Rast fuhr 190 Kilometer voraus.

Mit 36 in der Form seines Lebens: Martin Elmiger, hier noch vor dem Tschechen Stybar, der am Ende Zweiter wurde. Foto: Imago

Mit 36 in der Form seines Lebens: Martin Elmiger, hier noch vor dem Tschechen Stybar, der am Ende Zweiter wurde. Foto: Imago

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Es war ein gutes Omen. Je näher das Ziel von Paris–Roubaix rückte, desto öfter und prominenter erschien das rote Trikot des Schweizer Meisters ganz zuvorderst in der Gruppe der Favoriten. 2010 war Fabian Cancellara im Trikot mit dem weissen Kreuz der grosse Coup geglückt, hatte er so gekleidet seinen Solosieg bejubelt.

Dieses Jahr heisst der Schweizer Meister Martin Elmiger. Der 36-Jährige machte dem Trikot alle Ehre, kurz vor der Einfahrt ins Vélodrome schaffte er mit zwei Konkurrenten den Anschluss an die nun sechsköpfige Spitzengruppe und sprintete um den Sieg.

Für den finalen Coup fehlte ihm dann die Kraft, der Fahrer der Schweizer Equipe IAM Cycling wurde Fünfter und klassierte sich damit innert Wochenfrist bei zwei Radmonumenten in den Top 10 (nach Rang 9 an der Flandernrundfahrt). «Viel mehr ging nicht, glaube ich. Ich war schon ziemlich leer», sagte er in seiner nüchternen Art, fügte dann aber doch noch an: «Klar bin ich nah am ­Podium. Aber die Leute vor mir sprinten alle deutlich besser. Ich bin megahappy.»

Erstmals konnte er in jenem Rennen, das seinen Qualitäten mit am besten entspricht, sein Potenzial abrufen. Zuvor war sein Karrierehöhepunkt gewesen, 2011 als Erster des Pelotons durch den berühmten Wald von Arenberg gefahren zu sein. «In den Klassikern genoss ich in der Vergangenheit oft nicht so das Vertrauen meines Teams. Bei IAM ist das ­anders: Wir haben einen Plan – und ein Team», lobte er seine Mannschaft.

Inspiriert von neuen Trainings

Dabei strich Elmiger nicht nur die Arbeit aller Teammitglieder vor Ort heraus, sondern auch diejenige von Marcello Albasini, der seit diesem Jahr die Trainings der Fahrer überwacht. Seither trainiert der Zuger ganz anders. Er profitierte vor allem von den unzähligen Intervalltrainings, die er in den vergangenen Wochen absolvierte. «Der alte Diesel musste offensichtlich wieder einmal ‹durchgerusst› werden!» Mit 36 glaubt er sich in der besten Verfassung seiner Karriere und hofft, auch nächsten Sonntag beim Amstel Gold Race noch einmal davon profitieren zu können.

Elmigers Spitzenplätze dürfte zu Hause auch Cancellara zufrieden zur Kenntnis genommen haben. Sie bringen Punkte für die Nationenwertung, die darüber entscheidet, mit wie vielen Fahrern die Schweizer im Herbst an der WM antreten dürfen.

Punkte waren auch das Ziel des zweiten Zugers im Rennen. Doch Gregory Rast wählte einen ganz anderen Ansatz. Ihm glückte der Sprung in die Fluchtgruppe, während rund 190 Kilometern fuhr er an der Spitze des Rennens, ehe diese 20 Kilometer vor dem Ziel gestellt wurde. Mit den Besten konnte der Cancellara-Teamkollege dann nicht ganz mithalten, kam in der ersten Verfolgergruppe als Zwanzigster ins Ziel, 31 Sekunden nach Sieger Degenkolb.

«Dass ich da vorne mitfuhr, war ein schwerer Unfall», sagte Rast schmunzelnd. In der nervösen ersten Rennstunde wollte er seine Kollegen entlasten, indem er eine Attacke mitfuhr, auf dass diese sich einen Moment länger ausruhen konnten – doch ausgerechnet Rasts Gruppe wurde vom Feld fahren ­gelassen. «Damit hätte ich niemals gerechnet.»

Krämpfe beim Debütanten

Ereignisreich war schliesslich auch der Tag von Roubaix-Debütant Stefan Küng. Aus dem Wald von Arenberg kam er ganz vorne im Feld heraus, das Unglück geschah wenige Kilometer später. Vor ihm stürzte Sky-Fahrer Geraint Thomas, Küng musste ausweichen, aus dem Pedal ausklinken und abstehen. Dabei verschob sich die Schuhplatte. «Fortan hatte ich auf dem Pavé im rechten Bein Krampferscheinungen», sagte der 21-Jährige. Das Vélodrome erreichte er dennoch als 63. «Das war das härteste Rennen, das ich je gefahren bin. Ich bin da klassiert, wo ich momentan hin­gehöre. Aber ich hoffe, noch ein paarmal hier einfahren zu können.»

Seinem Teamkollegen Michael Schär war dies nicht vergönnt. An den Folgen eines Sturzes vor zwei Wochen leidend, verrichtete er in der ersten Rennhälfte Helferdienste und stieg dann aus. «Mit solchen Schmerzen macht Velofahren keinen Spass. Ich bin froh, mich nun ­erholen zu können», sagte der Luzerner. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.04.2015, 22:01 Uhr

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