Fall Armstrong: Ein Deal und mehrere Morddrohungen

Die US-Anti-Doping-Agentur Usada stellt Lance Armstrong eine Reduzierung der lebenslangen Sperre in Aussicht. Dafür erwartet sie ein lückenloses Geständnis des Texaners.

Immer noch ein Held: Lance Armstrong entzweit die amerikanische Bevölkerung.

Immer noch ein Held: Lance Armstrong entzweit die amerikanische Bevölkerung. Bild: Keystone

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Die Usada hatte am vergangenen Freitag Lance Armstrong wegen angeblicher Dopingvergehen und Handels mit verbotenen Substanzen lebenslang gesperrt und fordert auch die Aberkennung seiner sieben Triumphe an der Tour de France. Gegenüber der Zeitung «USA Today» meinte Usada-Chef Travis Tygart über das Verhalten des ehemaligen Radsport-Stars: «Wenn er ehrlich und bereit ist, den Sport im Guten voranzubringen, ist dies möglich. Wir stehen ihm offen gegenüber. Auch wenn es wehtut: Die Wahrheit ist der beste Weg nach vorn.»

Tygart zeigte ein gewisses Verständnis dafür, dass im Fall Armstrong die Emotionen in der Öffentlichkeit gerade in den USA hohe Wellen werfen. «Wir sind alle niedergeschlagen, wenn uns unsere Sporthelden enttäuschen», führte der Usada-Chef weiter aus. Aber gerade die Usada hätte für ihr Urteil viel Zustimmung von aktuellen und ehemaligen Athleten erhalten. «Und auch Eltern und andere Personen, welche die Rechte der sauberen Athleten und die Integrität des Sports schätzen, haben uns per E-Mail die Wertschätzung für unsere Arbeit bekundet.»

Weitere Details kommen an die Öffentlichkeit

Der Boss der Usada wies auch darauf hin, dass die Usada einige beunruhigende E-Mails und Morddrohungen erhalten habe. «Wir tun unseren Job – nicht mehr und nicht weniger. Tygart wies nochmals darauf hin, dass sich die Usada bezüglich ihres Urteils gegen Armstrong auf Zeugenaussagen und Hinweise aus Blutproben verlasse. Darunter hätten sich Proben mit verbotenen Substanzen befunden, die nicht in den Drogentests nachweisbar waren. Tygart kündigte in der «USA Today» zudem an, dass in absehbarer Zeit weitere Details und die Konsequenzen für jene Fahrer publik gemacht würden, die gegen Armstrong ausgesagt hatten. Armstrong behauptet allderdings nach wie vor, dass er offiziell nie durch positive A- und B-Proben überführt worden sei.

Bisher haben sich die Sponsoren noch nicht vom ehemaligen Radprofi abgewandt. Im Gegenteil: Seine Krebsstiftung verbuchte seit dem Wochenende Einzahlungen von über 180'000 US Dollar. Deshalb glauben viele Beobachter und Experten, dass sich der heute 40-jährige Texaner kaum zu einem umfangreichen Geständnis durchringen wird – er hätte viel zu viel zu verlieren.

Das Lob des scharfen Anti-Doping-Experten

Der Rad-Weltverband (UCI) hat sich wie die Tour-Organisation (ASO) bisher noch nicht zu den jüngsten Ereignissen um Armstrong geäussert. Für Armstrongs Anwälte ist klar, dass die Usada gar nicht berechtigt sei, Sanktionen gegen ihren Mandanten auszusprechen. Das könne nur die UCI. Noch immer kann die UCI mit Sitz in Aigle VD die Entscheidung der Usada ablehnen und den Fall vor den Internationalen Sportsgerichshof (CAS) in Lausanne bringen.

Der deutsche Anti-Doping-Experte Werner Franke sprach der Usada ein Lob für ihren konsequenten Kampf im Fall Armstrong aus. «Das sind Leute, die einfach nicht aufgeben. Auch wenn um sie herum alles korrupt ist», erklärte Franke gegenüber deutschen Medien. Dafür griff der Heidelberger die UCI einmal mehr scharf an. Der Verband werde von zwielichtigen Figuren geleitet und sei ein total korrupter Haufen, der sich sogar von Armstrong habe bezahlen lassen. Was die UCI jetzt in Sachen Armstrong unternehme, könne man einfach vergessen. Frankes Fazit: «Der Radweltverband ist völlig bedeutungslos, was Ehrlichkeit angeht.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.08.2012, 10:37 Uhr

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Lance Armstrong – Bilder einer Karriere

Lance Armstrong – Bilder einer Karriere Vom jungen Weltmeister zum Geächteten.

Unterschiedliche Feedbacks: Usada-Chef Travis Tygart erhält Lob und Morddrohungen. (Bild: Reuters )

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