Für Cancellara ist privat basta mit Pasta

Was Profi-Radportler konsumieren müssen: Noch schwieriger als die Kalorienaufnahme ist das Kompensieren des Flüssigkeitsverlusts.

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Drei Stunden Aerobic am Stück. So viel muss unsereins absolvieren, um in etwa so viele Kalorien zu verlieren, wie Spitzensportler Fabian Cancellara in einer Stunde verbrennt. Über tausend Kalorien gingen locker weg, wenn einer wie er beim Rennen in die Pedale trete, sagt Bernhard Hug, Sportwissenschaftler und Nachwuchsförderer beim Schweizer Radsportverband Swiss Cycling.

Das ist auch der Grund, weshalb Radrennfahrer vor dem Rennen ein sogenanntes Carbo-Loading praktizieren: Sie bauen einen Kohlehydratspeicher auf, damit sie unter Höchstleistung davon zehren können. Ein solches Ladeprogramm, bestehend aus sechs kohlehydratreichen und ballaststoffarmen Mahlzeiten täglich, sieht schon zum Frühstück drei Schalen faserarme Frühstückszerealien mit je 1½ Tassen fettreduzierter Milch, 1 Banane und 2,5 dl Orangensaft vor.

Bolognesesauce hat Cancellara gesehen

Zum Lunch werden 2 grosse Sandwiches mit verschiedenen Füllungen, 200 Gramm fettarmes Fruchtjoghurt und 4 dl Süssgetränk empfohlen. Und zum Znacht gibt es erneut 3 Scheiben Brot, 2 Gläser Regenerationsgetränk und 2 Teller Pasta mit Sauce, was irgendwann zu einer Teigwaren-Überdosis führt. Eine besonders gute Pasta oder feine Ravioli könne er zwar immer essen, sagte Fabian Cancellara in einem Interview. Doch Spaghetti, ob mit Tomaten- oder Bolognesesauce, habe er gesehen.

Noch schwieriger als die Kalorienaufnahme ist das Kompensieren des Flüssigkeitsverlusts. Wie auf der Website des Swiss Forum of Sport Nutrition nachzulesen ist, verliert ein Leistungssportler unter extremen Bedingungen über zwei Liter Flüssigkeit pro Stunde, was ihn zwangsläufig in ein Defizit bringt. Einen Liter Wasser pro Stunde – mehr kann der Körper nicht absorbieren, sonst bereitet ihm der Magen Probleme. Zudem ist Wasser allein nicht genug. «Es braucht mineralstoffreiche Getränke, um das herausgeschwitzte Kochsalz zurückzuführen», sagt Bernhard Hug. Beim Leistungssport sei selten der Mangel an Magnesium für Wadenkrämpfe und Schwächeanfälle verantwortlich, sondern vor allem das Manko an Salz.

Appetit vor dem Fernseher

Der Spitzensportler ist also nicht einer, der all das essen darf, wovon unsereins träumt. Er ist einer, der essen und trinken muss, kontrolliert und oftmals gegen jede Lust. Gerade nach Höchstleistungen hat man am wenigsten Appetit, nicht einmal genügend Durst, sodass Essen und Trinken zur Qual werden können.

Nur wir, vor dem Fernseher, entwickeln einen unglaublichen Appetit, wenn wir den anderen beim Radeln zusehen.

Erstellt: 27.07.2011, 16:41 Uhr

Muss oftmals ohne jegliche Lust essen: Fabian Cancellara. (Bild: Reuters )

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