«Ich fahre voraus und treffe solo im Ziel ein»

Morgen ruft die Flandern-Rundfahrt, und Fabian Cancellara ist bereit. Zusammen mit Tom Boonen ist der Berner der grosse Favorit im Klassiker, den er vor zwei Jahren für sich entschieden hat.

«Ich will dieses Rennen gewinnen» - Fabian Cancellara macht eine klare Ansage.

«Ich will dieses Rennen gewinnen» - Fabian Cancellara macht eine klare Ansage. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Defekte und Stürze des E3-Preises von Harelbeke sind Vergangenheit. «Ich bin glücklich, im Gegensatz zu anderen Fahrern ohne grosse Verletzungen davongekommen zu sein», sagt Fabian Cancellara. Der Schweizer steht vor den Rennen Flandern-Rundfahrt und dem Kopfsteinpflaster-Klassiker Paris–Roubaix. Nach Mailand–San Remo bilden diese beiden Monumente des Radsports die Höhepunkte des ersten Saisonteils des Olympiasiegers im Zeitfahren.

Ob die Rennen Cancellara eine angenehme Überraschung bescheren oder eine Enttäuschung, zeichnet sich am Sonntagabend ab. Das beste Szenario beschreibt der Berner so: «Ich fahre alleine voraus und treffe solo im Ziel ein.» Das schlechteste Szenario: «Ich habe zwei Begleiter an meiner Seite, die nicht mitarbeiten.» Dies war zuletzt in San Remo der Fall, und prompt schaffte es Cancellara zwar aufs Podest, aber nur auf die zweitoberste Stufe. Er wurde im Spurt vom Australier Simon Gerrans im Spurt abgefangen. Der 31-Jährige Cancellara verdankt seine immense Popularität nicht nur seiner Bescheidenheit und seiner Vielsprachigkeit, sondern auch seiner Einstellung zu seinem Beruf: «Lieber kämpfe ich bis zum Umfallen und werde dann halt noch im Spurt geschlagen, als dass ich resigniere und in 20. oder 30. Position ins Ziel trudle.»

Boonen ist der grosse Gegenspieler

Cancellara sagt es klar und deutlich: «Ich will dieses Rennen gewinnen.» Doch das wollen andere Fahrer auch. Allen voran Tom Boonen. Der Belgier, 2005 Strassenweltmeister und im gleichen Jahr sowie 2006 Sieger in Flandern, hat nach einer längeren Durststrecke die neue Saison mit Schwung in Angriff genommen. Der Belgier hat im vergleichsweise kleinen Kreis jener Radprofis Aufnahme gefunden, die es in ihrer Karriere auf über 100 Siege gebracht haben. Und er hat wesentlich dazu beigetragen, dass seine Sportgruppe Omega Pharma-Lotto in den vergangenen Wochen über 20 Erfolge verbuchen konnte.

In Sylvain Chavanel hat Boonen einen Co-Leader zur Seite, der eben die 3 Tage von De Panne für sich entschieden hat. Der letztjährige Zweite der Flandern-Rundfahrt hat seine Ambitionen auf das Rennen, das gegen eine Million Zuschauer an den Strassenrand locken wird, klar und deutlich angemeldet. Dass die belgische Formation mit einer Doppelspitze an den Start geht, kümmert Cancellara nicht gross: «Wir fahren unser Rennen, und ich spiele meine Karte. Es gibt noch andere Fahrer als Boonen und Chavanel, die am Sonntag den Jackpot holen wollen. Ich denke an Peter Sagan, an Filippo Pozzato oder an Sep Vanmarcke, wenn ich denn schon Namen nennen soll.»

Giftige Steigungen im Schlussteil

Einen ganz starken Satz gab Cancellara an der Pressekonferenz vor der Flandern-Rundfahrt von sich: «Das Glück befindet sich an der Spitze des Rennens und nicht am Ende des Feldes.» Dies gilt insbesondere für den Schlussteil des über 256,9 Kilometer führenden Klassikers, in dem in den flämischen Ardennen 16 der sogenannten Hellinge, der kurzen, aber giftigen Steigungen, anstehen.

Aus vorwiegend finanziellen Gründen sind die Veranstalter von der traditionellen Strecke abgewichen. Der Start befindet sich unverändert in Brügge, das Ziel aber nicht mehr in Meerbeke, sondern in Oudenaarde. Damit figurieren der Bosberg und die Mauer von Geraardsbergen nicht mehr im Streckenplan. Dafür wird wieder der berühmt-berüchtigte Koppenberg befahren, der alte Kwaremont drei- und der Paterberg zweimal. Mit der Elimination der Mauer von Geraardsbergen war in Flandern eine heftige Diskussion über die neue Streckenführung entbrannt. Cancellara äusserte sich zurückhaltend: «Alle Fahrer unseres Teams haben den neuen Schlussteil inspiziert, und alle sind glücklich. Die Strecke scheint eher schwieriger geworden zu sein. Aber letztlich sind es wir Fahrer, die ein Rennen gestalten.» (si)

Erstellt: 31.03.2012, 09:40 Uhr

Artikel zum Thema

Boonen zeigt es allen – auch Cancellara

Fabian Cancellara hat auch beim belgischen Halbklassiker Gent–Wevelgem kein Wettkampfglück. Der Sieg geht zum dritten Mal an den Einheimischen Tom Boonen. Mehr...

Riesiges Pech für Cancellara bei Boonens Triumph

Rad Fabian Cancellara verpasst beim E3-Prijs mit Start und Ziel in Harelbeke die zweite erfolgreiche Titelverteidigung de suite. Den Sieg sichert sich der belgische Lokalmatador Tom Boonen. Mehr...

Blogs

Sweet Home Kleine Wohnung – grosse Kunst

Geldblog Stimmung bei Novartis hellt sich auf

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...