Peter Sagan schlägt gleich doppelt zu

Der Weltmeister aus der Slowakei holt sich den Tagessieg und übernimmt die Gesamtführung.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit seinem neunten Tagessieg an der Tour de France liess sich Peter Sagan im Westen Frankreichs das gelbe Leadertrikot überstreifen. Der Weltmeister aus der Slowakei profitierte im Finale der 2. Etappe auch von einem Sturz, der Fernando Gaviria zum Verhängnis wurde.

Gaviria hatte am Samstag zum Auftakt der 105. Frankreich-Rundfahrt als erster Kolumbianer in der Tour-Geschichte einen Massensprint gewonnen. Der erst 23 Jahre alte Tour-Debütant, im Vorjahr bereits vierfacher Etappensieger am Giro d'Italia, tat es damit Fabian Cancellara gleich, der 2004 bei seiner Tour-Premiere den Prolog in Lüttich gewonnen hatte.

Anders als der Berner, der das Maillot jaune danach noch einen Tag verteidigen konnte, war es Gaviria bei nächster Gelegenheit wieder los. Nach einem Sturz im vorderen Teil des Feldes rund 1,5 km vor dem Ziel konnte er in der 2. Etappe nicht mehr um den Tagessieg mitspurten. Es blieb ihm nur der enttäuschende 28. Rang.

Sagan widmet den Sieg seinem Sohn

Sagan und rund ein Dutzend andere Fahrer wurden durch den Sturz nicht behindert und machten den Tagessieg unter sich aus. Der Slowake setzte sich nach vorwiegend flachen 182,5 km in La Roche-sur-Yon letztlich vor dem Italiener Sonny Colbrelli und dem Franzosen Arnaud Démare durch. «Am Ende war es knapp und ich hatte etwas Glück, das Colbrelli nicht mehr vorbeigekommen ist. Ich bin unglaublich stolz, das Gelbe Trikot zu tragen», sagte Sagan. Den Sieg widmete er seinem neunmonatigem Sohn Marlon.

Aufgrund der gewonnen zehn Sekunden Bonifikation zog er in der Gesamtwertung um sechs Sekunden an Gaviria vorbei. Schon 2016 hatte Sagan das Maillot jaune getragen. Nun feierte der 28-Jährige aus dem deutschen Team Bora-Hansgrohe eine gelungene Rückkehr bei der «Grande Boucle». Im Vorjahr war Sagan nach einer Kollision mit Mark Cavendish nach der 4. Etappe von der Jury ausgeschlossen worden.

Froome und Co. am Montag gefordert

Die Favoriten auf den Gesamtsieg erlebten nach der chaotischen Startetappe einen vergleichsweise ruhigen Tag. Weder schwere Stürze noch zeitraubende Defekte brachten sie am Sonntag in grössere Schwierigkeiten. Tags zuvor hatten sich Vorjahressieger Chris Froome und drei seiner Herausforderer im hektischen Etappenfinale beachtliche Zeitrückstände eingehandelt. Froome, Richie Porte und Adam Yates verloren nach Stürzen auf den letzten 10 km jeweils 51 Sekunden auf das Feld, Nairo Quintana wegen eines doppelten Raddefekts 3,4 km vor dem Ziel sogar noch eine halbe Minute mehr.

Dem gebeutelten Quartett winkt bereits am Montag die Chance auf Wiedergutmachung. Nachdem zu Beginn der Rundfahrt die Sprinter im Fokus standen, wartet mit der 3. Etappe die erste grosse Prüfung auf die Anwärter auf den Gesamtsieg. Beim 35,5 km langen Mannschaftszeitfahren rund um Cholet können die Favoriten mit Hilfe ihrer Teamkollegen wertvolle Sekunden auf die Konkurrenz gewinnen - oder auch verlieren.

Gute Chancen auf den Tagessieg im kollektiven Kampf gegen die Uhr dürfen sich neben Froome mit seinem britischen Team Sky auch Tom Dumoulin mit Sunweb oder Porte mit BMC machen. Anders als Froome und Porte, die nach ihren Stürzen in der Defensive sind, befindet sich Zeitfahr-Weltmeister Dumoulin in einer komfortablen Situation. Der Giro-Sieger des Vorjahres kann auf dem technisch anspruchsvollen Parcours seinen Vorsprung weiter ausbauen. Sein Team sicherte sich im letzten Herbst im norwegischen Bergen den Weltmeistertitel in dieser Disziplin.

Im Mannschaftszeitfahren der Tour de Suisse überzeugte zuletzt auch BMC (Zweiter an der WM 2017) mit einer starken Vorstellung. Unter der Regie von Stefan Küng fuhr der amerikanisch-schweizerische Rennstall auf einer 18 km langen Strecke einen Vorsprung von 20 Sekunden und mehr auf die Konkurrenz heraus. Mit dem Thurgauer als «Lokomotive» möchte BMC im Interesse von Porte in Frankreich nachlegen.

2. Etappe, Mouilleron-Saint-Germain - La Roche-sur-Yon (182,5 km): 1. Peter Sagan (SVK) 4:06:37. 2. Sonny Colbrelli (ITA). 3. Arnaud Démare (FRA). 4. André Greipel (GER). 5. Alexander Kristoff (NOR). 6. Timothy Dupont (BEL). 7. Alejandro Valverde (ESP). 8. Andrea Pasqualon (ITA). 9. John Degenkolb (GER). 10. Philippe Gilbert (BEL).

Ferner: 16. Tom Dumoulin (NED). 18. Richie Porte (AUS). 22. Adam Yates (GBR). 26. Romain Bardet (FRA). 28. Fernando Gaviria (COL). 30. Stefan Küng (SUI). 31. Chris Froome (GBR). 36. Nairo Quintana (COL). 40. Vincenzo Nibali (ITA). 91. Mathias Frank (SUI), alle gleiche Zeit. 138. Michael Schär (SUI) 1:47 zurück. 158. Silvan Dillier (SUI) 3:03. 162. Marcel Kittel (GER), gl. Zeit. - 176 Fahrer gestartet, 174 klassiert. - Aufgegeben u.a.: Luis Leon Sanchez (ESP).

Gesamtklassement: 1. Sagan 8:29:53. 2. Gaviria 0:06. 3. Colbrelli 0:10. 4. Kittel 0:12. 5. Sylvain Chavanel (FRA) 0:13. 6. Philippe Gilbert (BEL) 0:14. 7. Geraint Thomas (GBR) 0:15. 8. Oliver Naesen (BEL), gl. Zeit. 9. Kristoff 0:16. 10. Degenkolb. Ferner: 20. Dumoulin. 21. Valverde. 22. Nibali. 23. Bardet, alle gl. Zeit. 79. Porte 1:07. 81. Adam Yates. 84. Froome, beide gl. Zeit. 103. Frank 1:20. 108. Quintana 1:31. 118. Schär 1:43. 133. Küng 2:40. 150. Dillier 3:04.

(sda)

Erstellt: 08.07.2018, 17:55 Uhr

Artikel zum Thema

Kolumbianer in Gelb, die Favoriten stürzen

Der erste Leader der Tour heisst Fernando Gaviria. Chris Froome ist vier Kilometer vor Schluss in einen Sturz verwickelt und verliert 50 Sekunden. Mehr...

Froome startet an der Tour de France

Das Verfahren gegen den viermaligen Tour-Sieger wurde eingestellt. Die Rennleitung akzeptiert den Entscheid des Weltverbandes UCI. Mehr...

Juristen entscheiden über Froomes Start

Paukenschlag für Chris Froome sechs Tage vor der Tour de France: Die Organisatoren wollen ihn gemäss Medienberichten von der diesjährigen Austragung ausschliessen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Best of Homestory: Zu Besuch bei zwei Ästheten

Tingler Wir brauchen mehr Steuern!

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Dürre: Ein Teich in der Nähe der texanischen Ortschaft Commerce ist vollständig ausgetrocknet. Für die nächsten zehn Tage werden in der Region Temperaturen von mehr als 37.7 Grad erwartet. (16.Juli 2018)
(Bild: Larry W.Smith/EPA) Mehr...