Poupou ist tot

Raymond Poulidor war viel mehr als der «ewige Zweite» im Radsport. Ein Nachruf.

1961: Raymond Poulidor bei einem Zeitfahren in Lugano. (Bild: Getty Images)

1961: Raymond Poulidor bei einem Zeitfahren in Lugano. (Bild: Getty Images)

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Vor ihm gab es Cricri, den Helden, der die Tour de France zweimal verlor, weil an seinem Rad die Gabel brach; nach ihm gab es Jaja, den Sprinter, der nach einem schweren Sturz zum Alleinunterhalter in den Bergen und Bergkönig wurde.

Raymond Poulidor war Poupou. Und noch populärer als die beiden, der populärste Sportler in der Geschichte des französischen Sports. Erfolgreich, 1964 als Gewinner der Jahreswertung sogar der Beste der Welt, Vuelta-Sieger, Mailand–Sanremo-Sieger, aber nie überheblich. Immer kämpferisch, immer freundlich, immer bescheiden, gross auch in der Niederlage. Ein in einfachen Verhältnissen aufgewachsener Limousin (Region Limoges), der bis zuletzt diese Bodenständigkeit verkörperte.

Erst nach der Karriere in Gelb

Mit 40 bestritt er seine 14. und letzte Tour de France, doch auch danach gehörte er dazu. Man fand ihn vor jeder Etappe im «Village», ohne lange zu suchen: Sein Maillot jaune, das er als Rennfahrer nie hatte tragen dürfen, machte ihn unübersehbar. Als Botschafter des Hauptsponsors war er allzeit bereit, Auskunft zu geben: Wie es wirklich war, als er 1964 am Puy de Dôme viel zu spät merkte, dass Jacques Anquetil, der unnahbare Seriensieger, angeschlagen war, er deshalb den entscheidenden Angriff verpasste und die Tour de France als Zweiter beendete. Oder ein Jahr später, als er sich vom Profineuling Felice Gimondi überraschen liess. Oder 1974, als er der Beste der von Eddy Merckx deklassierten Fahrer war. Wie es dazu kam, dass er zum «ewigen Zweiten» und sein Name zum Synonym für Pechvogel wurde.

Nur auf dem zweitobersten Treppchen: Poulidor an der Tour de France 1964. Rivale Jacques Abquetil gewann die Frankreich-Rundfahrt, Federico Bahamontes wurde Dritter. (Bild: Getty Images)

«Ewiger Zweiter». Joop Zoetemelk kam in der Tour auf doppelt so viele zweite Plätze wie Poulidor, bei dem fünf dritte Plätze den drei zweiten gegenüberstehen. Und doch blieb der Titel an ihm hängen. Eine Statistik aller ernsthafter Rennen – nicht mitgezählt sind die Nach-Tour-Kriterien –, die er gewinnen «musste», zeigt ein eindrückliches Bild: 74 Siege, 85 zweite und 66 dritte Plätze. «Monsieur Podium» wäre wohl besser gewesen.

Kurz vor seinem Tod rief der an Krebs erkrankte Anquetil seinen alten Rivalen an und sagte ihm: «Du wirst auch diesmal nur Zweiter.» Das war vor 32 Jahren. Am Mittwoch ist Poulidor im Alter von 83 Jahren dem stolzen Normannen, der das Leben genoss und zum Doping stand, gefolgt. Sein Name wird weiterleben im Radsport: Bis auf weiteres wird wohl bei jedem Sieg des Niederländers Mathieu van der Poel erwähnt, dass sein Grossvater Poupou war.

Erstellt: 13.11.2019, 21:29 Uhr

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