Schweizer für Schweizer

IAM startet mit sieben Einheimischen zur Tour de Romandie, Mathias Frank ist ihr Leader.

Nasse Präsentation in Ascona: Mathias Frank, der mit schweren Beinen aus Lüttich angekommen ist.

Nasse Präsentation in Ascona: Mathias Frank, der mit schweren Beinen aus Lüttich angekommen ist. Bild: Keystone

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Mondän wäre anders. Das Hotel, in dem IAM Cycling zum Tessiner Start der Tour de Romandie in Locarno einquartiert worden ist, steht nicht vorn an der Seepromenade, sondern an einer anonymen Durchgangsstrasse. Immerhin passt der Name: Hotel Elvetico. ­Sieben der acht Fahrer im Aufgebot sind Schweizer, dazu kommt der Österreicher Matthias Brändle, der zumindest Schweizerdeutsch versteht.

Teammanager Serge Beucherie stellt aber in Abrede, die Schweizer nur ihrer Nationalität wegen nominiert zu haben. «Hören Sie, wir sind eine internationale Equipe», sagt er und lächelt, im Wissen um die Qualität des Aufgebots. Im Zentrum stehen zwei, die gar das ­Zimmer teilen: Mathias Frank und Marcel Wyss. Der Luzerner Frank wechselte auf diese ­Saison vom grossen Team BMC zu den Schweizern, machte dafür bezüglich seiner Rolle einen Schritt in die entgegengesetzte Richtung: vom Helfer zum Leader.

Voriges Jahr führte er die Tour de Suisse bis zur letzten Etappe an, brach dort aber noch ein. Trotzdem war das Rennen für ihn ein Knackpunkt, «ein ­Augenöffner», wie er sagt. «Ich merkte: Wenn ich gut in Form bin, muss ich mich vor niemandem verstecken.»

Mit diesem Selbstvertrauen gewann er wenig später zwei Bergetappen der Österreich-Rundfahrt. Und für IAM in ­diesem Jahr die Bergankunft beim Critérium International. Damit sei der Siegdruck weg, Form und Moral stimmten, sagt der 27-Jährige. Nur die schweren Beine, die er sich bei Lüttich–Bastogne–Lüttich am Sonntag einhandelte, sollten noch etwas leichter werden bis heute Abend, wenn in Ascona der Prolog ansteht.

Zimmerkollege als Edelhelfer

Dann sei vieles möglich, Weltklassefeld hin oder her, sagt Franks Sportlicher Leiter Marcello Albasini. «Wir wollen hier mitfahren. Entweder sind wir dazu fähig oder nicht – und müssen uns danach den harten Fragen stellen.» Albasini gibt sich aber sehr überzeugt von der Qualität seiner Leader: Er weiss um Franks Qualitäten – und die von dessen Zimmerkollegen. Beide erlebten in der Romandie schon ihre grossen Momente. Für Frank war der 12. Gesamtrang 2009 als 22-Jähriger das erste wichtige Resultat. Der Berner Wyss fuhr schon zweimal in die Top 10, zuletzt im Vorjahr. Trotzdem ist es für ihn klar, dass er für Frank den Edelhelfer geben wird.

Wie minutiös er sich dafür vorbereitet hat, ist ihm anzusehen. Wyss, von schmaler Statur, ist noch schlanker als üblich. Ein, zwei Kilo leichter, gibt er zu. ­Zuletzt absolvierte er ein fast drei­wöchiges ­Höhentraining. Teils schlief er in einem Zelt, das die Höhe simuliert, teils auf dem Berninapass: «Dort kochen sie währschaft. Es war hart, immer zu ­sagen: ‹Für mich bitte ohne Butter!›»

All das, um in «seinem» Rennen zu brillieren. «Ich finde es sehr toll, für Mathias den Edelhelfer zu geben», sagt Wyss. Im Winter trainierten die beiden zusammen in Spanien. Die Romandie-Königsetappe vom Freitag besichtigten sie ebenfalls gemeinsam. Wyss sagt über den gleichaltrigen Frank: «Er ist mir zwei Jahre voraus, in jeder Hinsicht.»

Nur bei den Romandie-Resultaten nicht. Dass das Team trotzdem für Frank fährt, hat mit dessen grösseren Qualitäten im Zeitfahren zu tun, wo das Rennen am Sonntag entschieden wird.

Bis dahin müssen die beiden nicht nur den anforderungsreichen Parcours, sondern auch die Kälte und Nässe der kommenden Tage überstehen. Die Teamverantwortlichen haben das antizipiert. Im Elvetico steht für jeden Fahrer ein Paket bereit. Darin: die neu entwickelte Regenjacke.

Erstellt: 29.04.2014, 07:47 Uhr

68. Tour de Romandie

Dienstag bis Sonntag

Ein Vorgeschmack auf Juli?
Der Italiener Vincenzo Nibali entschied sich kurzfristig zum Start. Es ist nach der Tour of Oman im Februar die zweite Rundfahrt, in der der Herausforderer von Christopher Froome im Juli gegen den Briten antritt. Allerdings bekundeten zuletzt beide Mühe mit ihrem Formaufbau. Anders Van Garderen, Péraud oder Kwiatkowski, die ihre gute Verfassung bereits demonstriert haben – was eine spannende Rennwoche verspricht. (ebi.)

Walliser Königsetappe.
Der Parcours führt die Fahrer am Mittwoch via Simplon nach Sitten und dann weiter nach Montreux, ehe sie am Freitag für die Königsetappe mit vier ­weniger bekannten, aber steilen Anstiegen ins Wallis zurückkehren (Ziel Aigle). Diese dürfte für die Vorselektion im Kampf um den Gesamtsieg sorgen, die Entscheidung fällt dann am Sonntag beim Einzelzeitfahren in Neuenburg, das mitten im lokalen Fussballstadion endet. (ebi.)

Die Favoriten
***** Froome (Gb)
**** Van Garderen (USA), Peraud (Fr)
*** Kwiatkowski (Pol), Nibali (It), Spilak (Sln)
** Costa (Por), Talansky (USA), Majka (Pol), Porte (Au)
* Martin (De), Frank (Sz), Fuglsang (Dä), Uran (Kol), Wyss (Sz)

Die Schweizer
Dillier, Kohler, D. Wyss (BMC), Albasini, Schurter (Orica), Frank, Fumeaux, Hollenstein, Tschopp, Reichenbach, Lang, M. Wyss (IAM), Zaugg (Tinkoff)

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