Stress und Genuss bei der Derniere

Franco Marvulli fährt ab heute bei den Zürcher Sixdays zum letzten Mal im Hallenstadion.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Plan war klar: In der Wärme von Andalusien wollte sich Franco Marvulli in Form fahren, um bei seiner Zürcher Sixjours-Derniere so richtig aufdrehen zu können und das Rennen ein letztes Mal zu gewinnen. Der Plan hörte sich gut an, wurde aber in den vergangenen Tagen ziemlich durcheinandergewirbelt.

Bereits als der Bahnradprofi vorige Woche nach Gent fuhr, wo er bei den dortigen Sixjours die perfekte Form für Zürich hätte finden wollen, spürte er, dass mit seinem Körper etwas nicht in Ordnung war. Eine Erkältung plagte ihn, das Rennen fuhr er nicht zu Ende.

Zwar fühlt er sich nun, einen Tag vor dem Start zu den Sixday-Nights, ein wenig besser. Aber bei weitem nicht so gut, dass er auf die Idee käme, vom Sieg zu sprechen. Er sagt: «Ich bin nicht der Gejagte. Wir werden schauen, was passiert.»

Klar hatte er sich vor Wochen oder Monaten zu Hause das Szenario vorgestellt, wie er zusammen mit WG-Partner Tristan Marguet dem Rennen den Stempel aufdrückt. Nun sagt er: «Ich verliere lieber, als zu stürzen.» Die Aussage macht er im Zusammenhang mit einem Vorfall in Gent. Am ersten Abend stürzte nach einer Ablöse sein Teampartner Luke Roberts heftig, erlitt einen Hüft- und einen Schlüsselbeinbruch.

«Ich bin in einem Alter, wo einem solche Sachen mehr berühren», sagt Marvulli. «Du sagst dir: ‹Das hätte mir genauso gut passieren können.›» Der Australier Roberts war nicht das einzige Opfer in Gent. Der Ostschweizer Claudio Imhof stürzte heftig auf den Kopf und erlitt eine Hirnerschütterung. So muss er in seiner Comeback-Saison aufs Heimspiel verzichten, um sich Chancen auf die WM-Teilnahme zu bewahren.

«Alle wollen etwas von mir»

Marvulli hingegen geht heute mit einem klaren Ziel ins Hallenstadion: «Ich will meine letzten Sixjours in Zürich geniessen.» Gut möglich, dass es – trotz der bei weitem nicht optimalen Vorbereitung – genau jene Momente auf der Bahn sein werden, in denen er das wird tun können. Sitzt der 35-Jährige nicht auf dem Rad, dann heisst es die nächsten vier Tage: Könntest du noch ? «Alle wollen etwas von mir, Tickets, ein Gewinnspiel. Das ist Stress pur.»

Doch wegen der durchzogenen Vorbereitung des Publikumslieblings rücken plötzlich auch andere Fahrer und Teams in den Vordergrund. Eigentlich wollten die Veranstalter die Sixday-Nights heuer zu einem Duell Jung gegen Alt hochstilisieren. Mit dem angeschlagenen Hauptdarsteller klappt das jedoch nicht so richtig, die Losung dürfte deshalb eher lauten: alle gegen die Belgier!

Diese dominierten zuletzt bei ihrem Heimspiel in Gent, zeigten, dass sie in Hochform sind, und bilden nun auch in Zürich gefährliche Duos. Nicht zuletzt Titelverteidiger De Ketele, der mit Gent-Sieger und Jungtalent De Buyst antritt. Von den beiden sagt Marvulli: «Das sind meine Topfavoriten.» Am Start stehen auch Schweizer Jungtalente, allen voran Küng/Schir. Für die Profidebütanten hat Marvulli aber eher mahnende als lobende Worte, er kritisiert vor allem ihre Risikobereitschaft: «Die fahren in Lücken, wo es keine hat.»

Das Länderduell allein böte genug Zündstoff für spannende Jagden auf der 200-Meter-Holzbahn. Es hat jedoch einen Schönheitsfehler. Als Herausforderer von Marvulli/Marguet war das Duo Dillier/Keisse auserkoren worden: Schweizer der Erste, Belgier der Zweite. Doch im Sixjours-Zirkus dürfte man das mit den Landesgrenzen nicht ganz so eng sehen. Und Keisse auch jubeln, wenn am frühen Sonntagmorgen der Schweizer Psalm für ihn als Sieger gespielt würde.

Erstellt: 27.11.2013, 09:47 Uhr

Artikel zum Thema

Marvulli gibt letztes Mal Gas im Hallenstadion

Rad Bahn Die Sixday-Nights Hallenstadion stehen ab heute Abend ganz im Zeichen von Franco Marvulli. Der 35-jährige Zürcher hat auf Ende Saison seinen Rücktritt angekündigt und strebt seinen 5. Heimsieg an. Mehr...

Marvulli tritt zurück

Der Zürcher Radfahrer wird am Ende der Saison seine Laufbahn beenden. Franco Marvulli ist einer der erfolgreichsten Schweizer Bahn-Spezialisten. Mehr...

Rücktritt von Franco Marvulli

Rad Bahn Franco Marvulli tritt am Ende der Saison zurück. Der Zürcher ist einer der erfolgreichsten Schweizer Bahn-Spezialisten. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Blogs

History Reloaded Die erste Frau im britischen Parlament

Mamablog Wem nützen Hausaufgaben eigentlich?

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Zum Anbeissen: Dieser Eisfischer in Peking versucht sein Glück mit mehreren Angeln. (7. Dezember 2019)
(Bild: Ma Wenxiao (VCG/Getty Images)) Mehr...