Zürich kehrt in die Radwelt zurück

Die Zürcher Kandidatur für die Rad-WM 2024 sticht knapp jene von Bern aus. Der Anlass soll 600'000 Zuschauer anziehen und das Velo als Alltags- und Sportgerät noch populärer machen.

Als die Radprofis letztmals in Zürich waren: Tour de Suisse 2013. Foto: Keystone

Als die Radprofis letztmals in Zürich waren: Tour de Suisse 2013. Foto: Keystone

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Trister als am Donnerstagmittag kann der Sechseläutenplatz nicht sein. Verregnet, kalt, menschenleer. Und trotzdem strahlen die Leute, die in einem Nebensaal des Opernhauses stehen und auf den Platz blicken. Sie sehen nicht die Gegenwart, sondern stellen sich die Herbsttage in fünf Jahren vor. Der Sechseläutenplatz wird dann die Rad-WM empfangen, täglich das Ziel der Wettkämpfe sein. Er wird zum Schauplatz eines grossen Sportfestes. Und eines der Diversität. Erstmals werden die Paracycling-­Titelkämpfe in eine Rad-WM ­integriert.

Entsprechend könnten die Worte salbungsvoller nicht sein, die Stadtrat Filippo Leutenegger und Regierungsrat Mario Fehr verwenden. Leutenegger sagt: «Zürich ist begeistert – und der Kanton ebenfalls.» Fehr spricht von der Vorfreude «auf ein riesiges Velofest», die er an diesem Vormittag der WM-Zusage auch bei zahlreichen Gemeindepräsidenten entlang der geplanten WM-Strecken erfahren hat.

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Das Zürcher Dossier hatte am Mittwochabend den siebenköpfigen Vorstand von Swiss Cycling noch etwas mehr überzeugt als jenes der Stadt Bern. Es war kein Bauchentscheid der Vorstandsmitglieder, die Bewerbungen wurden nach 16 Gesichtspunkten beurteilt und benotet. «Am Schluss war Zürich um eine halbe Radbreite vorn», sagt Swiss-Cycling-Geschäftsführer Markus Pfisterer.

«Nun muss Zürich liefern!»

Wo die Berner Kandidatur nüchtern und schon bis ins Detail sehr konkret daherkam, war jene aus Zürich etwas luftiger – was auch mehr Raum für Träume, für grosse Ideen lässt. Ein Faktor dürfte zudem gewesen sein, dass der Radsport in der Region Bern schon sehr stark verbreitet und verankert ist. Zürich dagegen hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr zur Radsportbrache entwickelt, einmal abgesehen von der Offenen Rennbahn in Oerlikon. «Zürich hat ein riesiges Potenzial, sagt der Co-Präsident des Radverbands, Patrick Hunger, der sein Votum so abschliesst: «Jetzt muss Zürich liefern!»

Bildstrecke: Die Strecken der Rad-WM 2024

Das tut das WM-Projekt bislang: Politisch war es ohne Gegenwind, die Abstimmung im Gemeinderat über knapp 8 Millionen Franken Unterstützung blieb ohne Gegenstimme, das 19-Millionen-Budget (12,7 von Stadt, Kanton und Bund) wirkt solide.

1,5 Millionen extra fürs Velo

Und die Begeisterung der Exekutivmitglieder Leutenegger und Fehr ist eine gute Basis für die nun anstehende Umsetzung. Enthusiasmus ist auch in der Verwaltung zu spüren. Im Bewerbungsdossier sind ganze Kataloge an Initiativen aufgeführt, die fürs Velo ganz generell und den Radsport im Speziellen angedacht sind. Für solche Initiativen stellt die Stadt 1,5 Millionen Franken zusätzlich zur Verfügung, ausserhalb des WM-Budgets.

Denn die Rad-WM 2024 soll viel mehr werden als eine tolle Sportwoche mit total 600000 Zuschauern vor Ort und 300 Millionen am TV. Sondern ein Vehikel, welches das Velo als Alltags- und Sportgerät noch deutlich populärer macht.

Bildstrecke: Rad-WM 2024 in Zürich

Bei Swiss Cycling hält man sich da gerne an den Leichtathletik-Verband, der bis heute stark von den Initiativen vor der Heim-EM 2014 in Zürich profitiert. Generell soll bei der Jugend die Freude am Velofahren gefördert werden. Kinder, die dann mehr wollen, nämlich Velorennen fahren, sind die logische Folge.

«Das ist eine Riesenchance für den Schweizer Radsport. Ich hoffe, die WM 2024 gibt uns einen Boost. Auch für die generelle Akzeptanz der Radfahrer auf den Strassen», sagt Radprofi Stefan Küng, der den Zürchern auch mit Rat zur Seite stand.

Wie geht es weiter? Noch in diesem Jahr soll die Trägergesellschaft für die WM 2024 gegründet werden, ein Verein oder eine GmbH, in der Stadt, Kanton und Swiss Cycling Einsitz haben werden. Ein nächster Schritt wird der Brückenschlag der beiden Schweizer Strassen-Weltmeisterschaften sein, 2020 wird diese in der Westschweiz in Aigle und Martigny ausgerichtet. Und dann sind es auch nur noch vier Jahre bis Zürich 2024.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.03.2019, 06:17 Uhr

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