«Als ob dies alles nur für mich war. Gewaltig»

Die Stimmung auf dem Weg zu seinem siebten Weltmeistertitel beeindruckt auch Nino Schurter.

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Der Sonntag ist kein Ruhetag. Um 11 Uhr wird der alte und neue Weltmeister Nino Schurter auf dem Gelände der Mountainbike-WM erwartet. Fünf Stunden lang wird er an den Ständen seiner Sponsoren im Akkord Autogramme schreiben und für Selfies lächeln. «Vielleicht wird das anstrengender als der Renntag», scherzt Schurter. Auch das gehört zu den Pflichten eines gut bezahlten Profisportlers.

Ein solcher ist er, weil er zu Leistungen wie jener am Samstag fähig ist. Ohne auch nur den Hauch eines Zögerns liefert er ab, prägt das ganze Rennen von der Spitze, gemeinsam mit dem Südtiroler Gerhard Kerschbaumer. Zuletzt muss auch dieser Schurters Überlegenheit Tribut zollen. So kann sich Schurter bei der Zieleinfahrt feiern lassen. Wirkt sein Jubel im Weltcup manchmal routiniert, sind seine Emotionen auf der Lenzerheide spürbar. Vor der Zuschauerwand initiiert er die Welle, schickt Jubelfäuste in alle Richtungen. Es ist zwar kein Sieg, der ihn durchschüttelt wie jener bei Olympia. Aber der ihm fast gleich viel bedeutet. In der Heimat, vor diesem 24'000-köpfigen Rekordpublikum.

Gibt es einen Moment, der für Sie für die Aussergewöhnlichkeit dieses Samstags steht?
In Erinnerung wird mir bleiben, wie ich angefeuert wurde, die «Nino, Nino»-Sprechchöre. Diese folgten mir entlang der ganzen Strecke, sie hörten nicht auf. So hatte ich das noch nie erlebt, dass alle auf meiner Seite sind. Es fühlte sich ein wenig an, als ob dies alles nur für mich war. Gewaltig.

Von aussen wirkte es, als ob Sie dieses Rennen gar nicht verlieren können. Ging diese Überzeugung auf Sie über?
Nein, ich zweifelte mehr als auch schon. Ich hatte mich nicht so gut von der Staffel am Mittwoch erholt, war nicht ganz so frisch, wie ich mir das gewünscht hätte. Entsprechend passte ich meine Renntaktik an.


Video: Die Zieleinfahrt

Schurter gewinnt schlussendlich doch klar. Video: SRF


Sie haben innert zehn Jahren sieben WM-Titel gewonnen, dazu zwei Silbermedaillen. Können Sie das einordnen?
Für andere wirkt das wahrscheinlich krasser als für mich selber. Ich habe in den vergangenen zehn Jahren alles dafür gegeben, so gut zu sein wie möglich. Letztlich liefere ich einfach ab, was ich zuvor erarbeitet habe. Die Resultate sind nur die Umsetzung.

Im Vergleich zu anderen erfolgreichen Sportlern gab es in Ihrer Karriere noch nie eine Baisse – abgesehen vom kleinen Makel, dass es erst im dritten Anlauf mit dem Olympiasieg klappte. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Es ist schon gewaltig, wie immer alles klappt am Tag X. Aber ich habe auch ein super Team um mich, das mir hilft. Mittlerweile sind wir so eingespielt, perfektioniert, dass ich viele Sachen abgeben kann: Ich weiss, mein Velo ist das bestmögliche für den jeweiligen Tag. Das Team musste ich auch nicht aufbauen, weil das Thomas Frischknecht schon für sich aufgebaut hatte. Ich konnte seinen Platz einnehmen – und hatte so vom ersten Tag an ein funktionierendes Team um mich. Zudem sind die Erfahrungen von solchen Titelkämpfen auch ein grosser Vorteil.

Im Ausdauersport besteht stets die Gefahr, dass man zu viel macht, zu viel oder zu hart trainiert. Gab es Momente in Ihrer Karriere, in denen Sie gebremst werden mussten?
Die gibt es immer wieder. Du bewegst dich auf einem schmalen Grat. Da gehört es dazu, dass du mal zu viel und mal zu wenig machst. Auch da: Mit meinem Trainer Nicolas Siegenthaler arbeite ich nun seit 16 Jahren zusammen. Er weiss genau, wie viel ich brauche, was drinliegt und was nicht. Zusammen finden wir jeweils eine gute Lösung.

Die Tagesform ist selbst bei Ihnen nicht immer top. Können Sie sich an eine Phase erinnern, wo sie bei wichtigen Rennen mal nicht stimmte?
Nur krankheitsbedingt, wenn ich zuvor nicht hatte trainieren können. Das finde ich etwas vom Schwierigsten: Wenn ich angeschlagen bin, zu akzeptieren, dass ich eine Woche nicht richtig trainieren kann. Das braucht extrem viele Nerven. Ein wichtiger Teil als Athlet ist, dass du gesund bist. Es sind die Details: dass du nie kalt hast, nach einem Training immer gleich isst und dich warm anziehst. Aber sie sind gerade so wichtig wie das Training selber. Wenn du dich erkältest, verpufft sehr viel Trainingsaufwand.

Sie fahren relativ wenige Rennen, nur in Ausnahmefällen mehr als eines in einer Woche. Ein bewusster Entscheid?
Ich habe früh gemerkt, dass ich nicht zu viele Rennen fahren kann. Ich brauche Zeit dazwischen. Ich schaue, dass ich maximal drei Wochenende in Folge Rennen fahre, danach ein oder besser zwei Wochenende für einen Trainingsblock habe.

Erstellt: 10.09.2018, 11:55 Uhr

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