Cancellara: Vorwürfe wegen Antriebs-Doping

Ein ehemaliger Radprofi bezichtigt in seiner Autobiografie den zweimaligen Schweizer Olympiasieger des Betrugs bei der Mechanik.

Die Vorwürfe sind nicht neu, der Ton schon eher: Fabian Cancellara und der seltsame Verdacht des Antrieb-Dopings.

Die Vorwürfe sind nicht neu, der Ton schon eher: Fabian Cancellara und der seltsame Verdacht des Antrieb-Dopings. Bild: Keystone

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Die Vorwürfe sind nicht neu, der scharfe Ton aber erstaunt. Der frühere Radprofi Phil Gaimon hat vor einigen Wochen seine Autobiografie «Draft Animals: Der Traum des Profi-Radfahrers» veröffentlicht. Darin schreibt er über seine Zeit im Peloton, über Rückschläge und Erfolge in den sieben verschiedenen Teams, für die er gefahren ist. Und er behauptet, der vierfache Weltmeister und zweimalige Olympiasieger Fabian Cancellara habe betrogen.

«Wenn man sich heute Aufnahmen von ihm anschaut, merkt man, wie unnatürlich die Beschleunigung aussieht. Er hat Probleme, mit den Füssen an den Pedalen zu bleiben», schreibt Gaimon weiter und schliesst die Passage mit der weder charmanten noch übersetzungswürdigen Zeile: «That fucker probably did have a motor.»

In der Szene gebe es den einen oder anderen Fahrer, der denke, Cancellara habe eine Zeit lang ein manipuliertes Rad gefahren, sagte Gaimon in einem daran anknüpfenden Artikel des Fachportals «Cyclist». Namen könne und dürfe er aber keine nennen.

Unlautere Hilfe bei Mailand-San Remo 2008

Gaimon beruft sich auf Informationen von früheren Teamkollegen Cancellaras, welche rund um dessen Rad bei Rennen immer wieder eine «seltsame Handhabung festgestellt hätten». So sei Cancellaras Velo separat gewartet und aufbewahrt worden.

Gerade bei Cancellaras Sieg im Klassiker Mailand-San Remo von 2008 sei der Betrug sichtbar geworden, behauptet Gaimon. «Einige der Jungs, die ihm hinterherfuhren, sind nicht eben als die saubersten in der Szene bekannt. Und sie hatten keine Chance.»

Gaimon denkt nicht an Betrug im grossen Stil

Die Vorwürfe, wonach Cancellara sich mit mechanischen Kniffen einen Vorteil verschafft haben soll, sind in der Art nicht neu, erhärtet hat sich aber nie etwas. Gaimon räumt ein, dass das Thema schon zur Genüge diskutiert worden sei. «Mein Ziel war es auch nicht, Neuigkeiten in die Welt zu setzen», schreibt der 31-Jährige weiter in seinem Buch, «das Ziel war nur, einige alte Helden durch neue zu ersetzen.»

Im aktuellen Profiradsport hält Gaimon das Antriebs-Doping überdies nicht für sehr verbreitet. «Da müssen auch viel zu viele Leute eingeweiht sein. Die Mechaniker machen da nie alle mit.» Das sei damals in ein, zwei Saison ein Thema gewesen, «und heute spielt sich der Verband auf, als würde er da etwas Grossem auf den Grund gehen». Tatsächlich hat der Präsident des Welt-Radverbandes (UCI), David Lappartient, zuletzt strengere Kontrollen der Fahrräder angeordnet.

Gaimon hat schon etliche Bücher zu Radsport-Themen veröffentlicht, in denen er Tabu-Themen der Szene anspricht. Sportlich hat er abgesehen von einigen Etappensiegen bei kleineren Rundfahrten kaum Erfolge vorzuweisen.

Das Management von Fabian Cancellara war am Donnerstagnachmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. (mrm)

Erstellt: 09.11.2017, 16:23 Uhr

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