Kolumbianer in Gelb, die Favoriten stürzen

Der erste Leader der Tour heisst Fernando Gaviria. Chris Froome ist vier Kilometer vor Schluss in einen Sturz verwickelt und verliert 50 Sekunden.

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Gewinnen kann man eine Tour de France in der ersten Rennwoche nicht, verlieren aber schon. Mit Vorjahressieger Chris Froome und den drei Herausforderern Richie Porte, Adam Yates und Nairo Quintana erlitten am Samstag zum Auftakt der Frankreich-Rundfahrt gleich vier Favoriten zumindest einen Rückschlag im Kampf um den Gesamtsieg.

Dabei hatte es lange nach einem verhältnismässig ruhigen Arbeitstag ausgesehen. Denn der gefürchtete Wind an der Atlantikküste, der das Feld in mehrere Gruppen teilen kann und in der Vergangenheit schon manchem Topfahrer zum Verhängnis geworden ist, zeigte sich für einmal von seiner freundlichen Seite.

Porte und Yates stürzen 8 km vor dem Ziel

Auch als 28 km vor dem Ziel Kevin Ledanois die einzige Bergpreis-Wertung des Tages gewann und sich damit das gepunktete Trikot sicherte, schien alles auf den erwarteten Massensprint hinauszulaufen. Der Franzose vom Wildcard-Team Fortuneo-Samsic war kurz nach dem Start auf der Atlantikinsel Noirmoutier zusammen mit zwei anderen einheimischen Fahrern ausgerissen. Das Trio konnte unter der Kontrolle der Sprintermannschaften aber nie mehr als vier Minuten Vorsprung herausfahren.

Kurz bevor die Ausreisser 8 km vor dem Ziel gestellt wurden, kam im Feld plötzlich Hektik auf. Im mittleren Teil des Feldes hatte sich ein erster (grosser) Sturz ereignet. Neben der französischen Sprinterhoffnung Arnaud Démare kamen auch der australische BMC-Captain Richie Porte und der Brite Adam Yates zu Fall. «Das ist die Tour», meinte Porte knapp. Der Sieger der diesjährigen Tour de Suisse hatte sich im letzten Jahr nach einem schweren Sturz in der 9. Etappe einen Becken- und Schlüsselbeinbruch zugezogen und musste die Rundfahrt aufgeben. Diesmal kam er mit dem Schrecken davon.

Mir ist nichts Gravierendes passiert

4,3 km vor dem Ziel lag plötzlich auch Chris Froome auf dem Boden. Für den wegen seines umstrittenen Doping-Freispruchs angefeindeten Briten, der in Frankreich seinen fünften Triumph anstrebt, hätte die Rundfahrt damit nicht schlechter beginnen können. Schon bei der Team-Präsentation hatte der Sky-Captain gellende Pfiffe des Publikums erhalten. Bis ins Ziel verlor Froome wie Porte und Yates 51 Sekunden auf das Feld. «Es ist schlecht, so in eine Tour zu starten, aber wenigstens ist mir nichts Gravierendes passiert», gab der Kronfavorit Entwarnung. Er verletzte sich nur leicht an der Schulter.


Froome stürzt 4,3 Kilometer vor dem Ziel:


Grosses Pech bekundete auch Nairo Quintana. Der kolumbianische Kletterspezialist, der die Tour schon dreimal auf dem Podest beendet hatte, bekundete 3,4 km vor dem Ziel einen Hinter- und Vorderraddefekt. Besonders bitter: Wäre das Malheur 400 m später passiert, wäre für ihn das Rennen nach Reglement neutralisiert gewesen und Quintana wäre mit der Siegerzeit gewertet worden. So aber verlor er 1:15 Minuten auf den Tagessieger.

Gaviria vor Sagan und Kittel

Dieser kam aus Kolumbien und heisst Fernando Gaviria. Der erst 23 Jahre alte Profi vom belgischen Team QuickStep Floors liess im Sprint in Fonteney-le-Comte sowohl den slowakischen Weltmeister Peter Sagan wie auch den 14-fachen Tour-Etappensieger Marcel Kittel aus Deutschland hinter sich und eroberte gleich bei seiner ersten Teilnahme an der Tour de France einen Etappensieg. «Das Gelbe Trikot möchte jeder auf der Welt tragen, und ich habe es gleich am ersten Tag meiner Tour-Teilnahme erobert», freute er sich über das Maillot jaune.

Damit machte es Gaviria Fabian Cancellara gleich. Der Berner gewann 2004 bei seiner Tour-Premiere den Prolog in Lüttich. Danach verteidigte Cancellara das gelbe Leadertrikot einen weiteren Tag. Das hat nun auch Gaviria vor. «Vielleicht werde ich es (das Leadertrikot) nicht allzu lange behalten. Aber ich werde versuchen, es möglichst lange tragen zu können», sagte der Neuling mit Blick auf die 2. Etappe vom Sonntag, die über 182,5 km von Mouilleron-Saint-Germain nach La Roche-sur-Yon führt und erneut sehr flach ist.

Der Erfolg von Gaviria kommt nicht von ungefähr. Der Kolumbianer hatte im letzten Jahr mit vier Tagessiegen am Giro d'Italia erstmals an einer grossen Rundfahrt für Furore gesorgt. In dieser Saison gewann er im Mai drei Etappen der Kalifornien-Rundfahrt. Zuletzt bekundete Gaviria allerdings weniger Glück, als ihm an der Tour de Suisse hinter Sagan, Démare und Sonny Colbrelli gleich dreimal nur der 2. Rang blieb. Es scheint, als hätte er sich die Siege für die Tour de France aufgespart. (sda)

Erstellt: 07.07.2018, 17:06 Uhr

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