Der Tour-Sieger probiert sein Kostüm an

Geraint Thomas ist der Topfavorit der Tour de Suisse. Dahinter ist das Feld der Anwärter auf Spitzenplätze gross.

Topfavorit an der Tour de Suisse: Geraint Thomas.

Topfavorit an der Tour de Suisse: Geraint Thomas. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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Es ist eine Tatsache: Mit der Tour de Suisse in den Beinen gewinnt man keine Tour de France. Unangenehm ist das primär für die Organisatoren der Schweizer Rundfahrt, hoffen sie doch Jahr für Jahr, die allerbesten Rundfahrer anzulocken.

Meistens vergebens. Das Problem der Tour de Suisse ist der Rennkalender. Sie findet eine Woche nach dem Critérium du Dauphiné statt. Am übernächsten Sonntag, wenn die Schlussetappe stattfindet, sind es nur noch zwei Wochen, bis in Frankreich der Saisonhöhepunkt folgt. Das ist zu wenig Zeit, so die allgemeine Meinung, weshalb die Tour-Favoriten für gewöhnlich am Dauphiné ihre Form testen.

Das beweist der Blick in die Tour-Siegerliste: In den vergangenen 20 Jahren fuhren nur gerade zwei Tour-Sieger vorab durch die Schweiz – und beide sind in der Liste mit einem Sternchen versehen. 2010 wird Andy Schleck als Tour-Sieger geführt, er rutschte für den nachträglich gesperrten Alberto Contador nach. 2001 gewann Lance Armstrong erst in der Schweiz und dann in Frankreich. Warum diese Leistung mit einem Sternchen versehen ist, ist bekannt.

Doch in Langnau im Emmental macht sich heute nicht irgendwer daran, diese Gesetzmässigkeit zu widerlegen. Mit Geraint Thomas tritt der letztjährige Tour-Sieger an. Der 33-jährige Waliser hat mit der Schweizer Rundfahrt noch eine Rechnung offen: Bei seiner letzten Teilnahme 2015 verpasste er den Gesamtsieg um die Nichtigkeit von fünf Sekunden.

Thomas muss sich auch nach Froomes Aus beweisen

Damals galt er noch als Rundfahrer in spe. Jetzt ist er derjenige, den es zu schlagen gilt. Entsprechend genau wird die Konkurrenz Thomas’ Leistungen verfolgen. Es ist seine Hauptprobe, und die soll gelingen. Im Englischen wird diese als «Dress Rehearsal» bezeichnet, was man auch mit Kostümprobe übersetzen könnte – und bei Thomas ebenfalls zutrifft: Es ist sein erstes Rennen im schwarz-roten Dress des Team Ineos – der Hauptsponsor wechselte im Mai von Sky zu Ineos. Die Tour de Romandie Ende April (Rang 3) war Thomas’ letztes Rennen, seither hat er sich im Höhentrainingslager auf Teneriffa auf das Saisonziel Tour de France vorbereitet.

Der starke Fokus der britischen Equipe auf die Tour bringt es auch mit sich, dass sie die Tour de Suisse noch nie gewonnen hat.

Für Thomas ist die gute Hauptprobe auch teamintern wichtig. Selbst nach dem Ausfall von Chris Froome, der nach seinem schweren Sturz am Mittwoch die Tour verpassen wird, und trotz seines Status’ als Titelverteidiger gibt es bei Ineos ernsthafte Konkurrenz in Person von Egan Bernal, der Froome und Thomas einst als Leader beerben soll, leistungsmässig vielleicht aber schon jetzt bereit ist.

Das «Problem Bernal» hatte man bei Ineos eigentlich gelöst, indem man den Kolumbianer als Leader für den Giro d’Italia vorgesehen hatte. Doch der Plan ging nicht auf, weil dem 22-Jährigen kurz vor dem Giro bei einem Trainingssturz das Schlüsselbein brach.

Bernal steht im Emmental ebenfalls am Start – und ist der erste Name, der fällt, sollte Thomas seiner Favoritenrolle nicht gerecht werden. Zusammen mit Rui Costa, der als dreifacher Sieger weiss, was es braucht, um diese Rundfahrt zu gewinnen.

Dahinter sticht kein grosser Name mehr heraus, was für ein spannendes Rennen um das Schlusspodium spricht. Zumal niemand dieses im Vorbeigehen besteigen wird, dafür ist der Parcours zu anspruchsvoll. In der zweiten Rennhälfte hat der Sportliche Direktor David Loosli drei schwere Etappen ausgeheckt mit der Bergankunft in Flumserberg, tags darauf jener auf dem Gotthard via Tremola und schliesslich zum Finale die Pässetrilogie mit Furka, Susten und Grimsel, wo das Rennen am übernächsten Sonntag entschieden werden wird. Dazu kommen die Zeitfahren heute in Langnau und in einer Woche im Goms.

Küng wird heute von zwei Ex-Bahnkollegen gefordert

Zum grossen Kreis der Anwärter auf einen Podestplatz gehört auch Mathias Frank. Der Luzerner hat an der Heimrundfahrt schon Hochs und Tiefs erlebt, er trug das Leadertrikot – und brach damit schwer ein. Er beendete das Rennen bereits auf den Rängen 2, 5, 6 und 7.

Doch vor Frank steht heute ein anderer im Fokus: Stefan Küng will sich zum dritten Mal in Folge das erste Leadertrikot des Rennens schnappen. Dabei wird er auch von zwei Schweizern gefordert: Mit Tom Bohli und Claudio Imhof geben zwei Fahrer ihr Renndebüt, deren Stärke in solch kurzen Zeitfahren liegt – beide brillierten wie Küng einst auch im Schweizer Bahnvierer.

Erstellt: 15.06.2019, 08:15 Uhr

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