Die Tour de France kommt in die Schweiz

Für das grösste Radrennen der Welt muss ein Millionenbudget gestemmt werden.

Der Berner Cancellara soll die Chance haben, in seiner letzten Saison im Gelben Trikot in seine Heimatstadt zu radeln.

Der Berner Cancellara soll die Chance haben, in seiner letzten Saison im Gelben Trikot in seine Heimatstadt zu radeln. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist ein veritabler Coup, der den Bernern gelungen ist: Sie schafften es, die Organisatoren der ASO zu überzeugen, dass Tour de France 2016 die Bundeshauptstadt besuchen wird. Nicht nur für eine Etappe, sondern gleich für drei Tage: Das Rennen wird vom 18.–20. Juli in Bern gastieren, am Montag der dritten Tour-Woche mit einer Etappenankunft, am Dienstag mit dem Ruhetag und am Mittwoch mit dem Start der 17. Etappe. Danach wird sich der Tross wieder in die französischen Alpen bewegen, wo in den Skistationen Avoriaz und Morzine die Entscheidung des Rennens fallen soll. Es ist für Bern der mit Abstand grösste Sportevent seit der Fussball-EM 2008. Stadtpräsident Alexander Tschäppät mochte gegenüber der «Berner Zeitung» die Ankunft nicht definitiv bestätigen, was wohl primär rechtliche Gründe hat – ASO präsentiert die Strecke der Tour 2016 erst am 20. Oktober in Paris. De facto ist der Schweizer Besuch längst definitiv, wie verschiedene Personen aus der Berner Hotellerie und aus Radsportkreisen bestätigten.

Für den Besuch der Tour in Bern dürften mehrere Faktoren ausschlaggebend gewesen sein. So hatte die Kandidatur mit BMC-Chef und YB-Besitzer Andy Rihs von Anfang an einen so prominenten wie potenten Fürsprecher. Der Velofan stellte einst den Kontakt zu Tour-Chef Christian Prudhomme her, und bestätigte bereits an der Tour de Suisse im Juni gegenüber der «SonntagsZeitung», dass die Finanzen für ein solches Abenteuer kein Hindernis sein dürften, sprich, dass er dafür geradestehen wird. Denn gratis besucht die Tour keine ausländischen Destinationen. Von einer Grundgebühr von 300000 Franken ist die Rede bei einer normalen Etappenankunft, mit den drei Tour-Tagen und den ganzen zusätzlichen Aufwand werden die Berner ein Millionenbudget stemmen müssen, grosszügig unterstützt von Rihs. Komplett dürfte sein Traum allerdings nicht wahr werden: Er hatte von einem Zeitfahren geträumt, das vom BMC-Hauptsitz in Grenchen zum Stade de Suisse geführt hätte. Die Zeitfahren sind in der kommenden Tour anderswo geplant.

Cancellara eine Fahrt durch Bern ermöglichen

Ein Kampf gegen die Uhr wäre auch dem prominentesten Schweizer Radprofi gelegen gekommen. Fabian Cancellara dürfte auch so ein Faktor für die Tour-Ankunft gewesen sein. Der 34-Jährige bestreitet nächstes Jahr seine letzte Saison. Der Ittiger hat eine enger Verbindung mit dem Rennen, fuhr 29 Tage im gelben Leadertrikot der Tour und liegt damit auf Rang 12 in der ewigen Statistik. Zudem gewann er acht Etappen. Das passt alles wunderbar ins Bild der Tour de France, die sich gerne pathetisch gibt. Weniger freudig dürfte die Nachricht im Wallis aufgenommen werden. Sowohl Verbier (erneut nach 2009) wie auch Crans Montana hatten sich um eine Tour-Ankunft 2016 bemüht und sich auch optimistisch gezeigt.

Während sich Tout Berne auf den hohen Radsportbesuch freut, gibt es in der Schweizer Radwelt auch Verlierer: Den Organisatoren der Tour de Suisse wird 2016 die Rad-Exklusivität genommen. Zudem dürfte die Finanzierung der Ankunft der Landesrundfahrt nicht einfacher werden: Bereits in diesem Jahr musste im Vorfeld das OK ausgewechselt und das Programm des Schlusswochenendes wegen finanzieller Probleme deutlich entschlackt werden. Für ihre Idee von Etappenorten beim Westside-Einkaufscenter und in Cancellaras Wohnort Ittigen erhielten die Organisatoren jüngst eine negative Antwort – mit Hinweis auf die Tour de France.

Erstellt: 17.09.2015, 13:46 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...