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Ein Brite und ein Australier kämpfen um den Toursieg

An der 99. Tour de France, die morgen in Lüttich beginnt, läuft alles auf ein Duell zwischen Vorjahressieger Cadel Evans und Bradley Wiggins hinaus.

Das ist die Tour de France 2012, die anders konzipiert ist als auch schon. Der Westen des Landes wird für einmal links liegen gelassen. Cadel Evans, der Gewinner der letztjährigen Frankreich-Rundfahrt, steht bei der Präsentation des Etappenplans am 18. Oktober 2011 Pate. Die Grande Boucle beginnt morgen Samstag im Nachbarland Belgien.
Das ist die Tour de France 2012, die anders konzipiert ist als auch schon. Der Westen des Landes wird für einmal links liegen gelassen. Cadel Evans, der Gewinner der letztjährigen Frankreich-Rundfahrt, steht bei der Präsentation des Etappenplans am 18. Oktober 2011 Pate. Die Grande Boucle beginnt morgen Samstag im Nachbarland Belgien.
Keystone
Evans will seinen Triumph vom Vorjahr wiederholen. Der Leader des BMC-Teams hat gute Chancen, dass dies auch gelingt. Mit Michael Schär fährt auch ein Schweizer im starken Team von BMC Racing mit.
Evans will seinen Triumph vom Vorjahr wiederholen. Der Leader des BMC-Teams hat gute Chancen, dass dies auch gelingt. Mit Michael Schär fährt auch ein Schweizer im starken Team von BMC Racing mit.
Keystone
Ein Mann, der im Kampf gegen die Uhr Cancellara & Co einheizen wird, ist Omegas Tony Martin. Der Deutsche ist ja bekanntlich Weltmeister im Einzelzeitfahren.
Ein Mann, der im Kampf gegen die Uhr Cancellara & Co einheizen wird, ist Omegas Tony Martin. Der Deutsche ist ja bekanntlich Weltmeister im Einzelzeitfahren.
Keystone
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Der Australier Cadel Evans und der Brite Bradley Wiggins sind unter den Anwärtern auf den Tour-de-France-Triumph die besten Zeitfahrer. Neben dem Prolog über 6,4 Kilometer stehen zwei weitere Prüfungen gegen die Uhr auf dem Programm: am 9. Juli über 41,5 Kilometer in Besançon und am zweitletzten Tag, dem 21. Juli, sogar über 53,5 Kilometer in Chartres. Den Zeitfahren über 100 Kilometer haben die Veranstalter im Vergleich mit den Vorjahren weniger anspruchsvolle Etappen in den Alpen und in den Pyrenäen gegenübergestellt. Es kommt nur zu drei Bergankünften. Die Kletterer müssten also bedingungslos angreifen – sofern sie dazu überhaupt in der Lage sind.

Kommt hinzu, dass sowohl Evans als auch Wiggins von ausserordentlich starken Helfern umgeben sind. Evans kann auf ein Team zählen, das weiss, wie man den Teamleader zum Tour-de-France-Sieg führt. Letztes Jahr brachten die Wasserträger den Australier sicher durch die ersten hektischen Flachetappen. Evans wurde in den Bergen in guter Position bis an die letzten Steigungen herangeführt. Dort musste er die restliche Arbeit aber zumeist alleine verrichten. Das soll sich diesmal ändern. Mit Tejay van Garderen hat Evans in den Bergen einen neuen Helfer, und die Nomination von Philippe Gilbert sollte eine Verstärkung darstellen, sofern der Belgier auf eigene Ambitionen verzichtet.

Verschiedene Wege der Favoriten

Evans musste im Frühjahr wegen Problemen mit den Stirnhöhlen eine Pause einschalten und auf die Ardennen-Klassiker verzichten. Der im Tessin wohnhafte Australier und frühere Mountainbiker sieht darin sogar einen Vorteil: «Ich bin frischer, was sich in der dritten Tour-Woche als Vorteil erweisen kann.»

Einen völlig anderen Weg als Evans beschritt in dieser Saison Wiggins. Der Brite entschied Paris–Nizza, Tour de Romandie und Dauphiné Libéré für sich, was zuvor noch keinem Radprofi gelungen war. Der frühere Bahnspezialist widerlegt die Theorie, dass ein Fahrer gewisse Etappenrennen lediglich zur Vorbereitung bestreiten soll: «Ich hatte genügend Erholungszeit. Aus körperlicher Sicht stellt es überhaupt kein Problem dar, über längere Zeit auf einem hohen Niveau zu fahren.» Als im Juni eine Regenphase über sein Heimatland hereinbrach, setzte sich Wiggins zusammen mit seiner Familie nach Mallorca ab, um bei ansprechenden Verhältnissen zielgerichtet trainieren zu können.

Der erste Brite ganz zuoberst in Paris?

In Chris Froome, Michael Rogers und Richi Porte verfügt Wiggins über eine Garde, die ebenfalls Anspruch auf eine Podiumsklassierung erheben könnte. Sie setzen sich aber vollumfänglich dafür ein, dass ihr Teamleader als erster Brite in der Geschichte der Tour de France Gesamtsieger werden kann. Die Dominanz von Wiggins und Co. zeigte sich explizit in der Tour de Romandie, wo die Gegner wie das Kaninchen vor der Schlange in Angst erstarrten. Das Team Sky verfolgt aber in der Frankreich-Rundfahrt im Gegensatz zum BMC Racing Team von Cadel Evans noch ein Ziel. Das Sprint-Ass Mark Cavendish soll zum zweiten Mal nach letzter Saison das grüne Trikot des punktebesten Fahrers nach Paris bringen.

Im Schatten des grossen Duells zwischen Evans und Herausforderer Wiggins ist die Frage nebensächlich, wer es noch aufs Podest schafft. Samuel Sanchez, Alejandro Valverde, Levi Leipheimer, Vincenzo Nibali, Ryder Hesjedal – ohne Rennkilometer seit seinem Giro-Triumph –, Fränk Schleck und Robert Gesink kommen dafür infrage.

Starke Konkurrenz für Cancellara

Am Samstag fällt zum Tour-Auftakt die Entscheidung, ob Fabian Cancellara zum 23. Mal in seiner Karriere ins gelbe Trikot eingekleidet wird. Befahren wird in Lüttich die gleiche Strecke, auf welcher der Berner vor acht Jahren mit zwei Sekunden Vorsprung auf Lance Armstrong siegte. Mit Tony Martin, Wiggins und anderen starken Gegnern ist die Konkurrenz für Cancellara gross. Angesichts der Olympia-Vorbereitungen käme es ihm und seinem Team vielleicht zupass, wenn es in der ersten Woche nicht ein Leadertrikot zu verteidigen gäbe.

Erst nach einer Woche kommt es zur ersten Bergankunft. In den Vogesen geht es hinauf nach La Planche de Belles Filles, wozu auf dem letzten Kilometer ein befestigtes Strässchen erbaut werden musste. Schon anderntags kommt es zu einem Höhepunkt aus Schweizer Sicht. Die 8. Etappe führt am 8. Juli von Belfort grösstenteils über helvetische Strassen und Jura-Pässe nach Pruntrut. In den Alpen figuriert für einmal der legendäre Anstieg nach Alpe-d'Huez nicht im Programm. Nach lediglich zwei schweren Tagespensen in den Bergen führt die Strecke südwärts Richtung Pyrenäen, wo die Fahrer ebenfalls zwei anspruchsvolle Etappen zu meistern haben.

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