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Ein Eritreer im Bergtrikot

Daniel Teklehaimanotist eine der Entdeckungen dieser Tour de France. Die besondere Geschichte eines besonderen Radprofis.

«Es war ein langer Weg für mich bis hierhin»: Daniel Teklehaimanot.
«Es war ein langer Weg für mich bis hierhin»: Daniel Teklehaimanot.

Erst zwei Radprofis aus Afrika machten in der Geschichte der Tour de France bis zu diesem Jahr von sich reden: der Brite Chris Froome, der vor seinem Nationenwechsel für sein Geburtsland Kenia fuhr, und der südafrikanische Sprinter Robert Hunter. Beides Weisse, beides Nachfahren von Kolonialisten aus Europa. Schwarzafrikaner traten an der Frankreich-Rundfahrt lange nicht ins Rampenlicht.

Das hat sich nun geändert. In diesen Tagen zieht nämlich ein gewisser Daniel Teklehaimanot die Blicke auf sich. Der 26-jährige Eritreer eroberte auf der 6. Etappe das Bergtrikot. «Radsport ist in Eritrea Volkssport Nummer 1. Überall gibt es Rennen. Die Leute lieben den Sport. Und es gibt gute Athleten bei uns, sogar bessere als ich», sagte er der deutschen Tageszeitung «taz».

Für ihn sei mit dem weissen Trikot mit den roten Punkten ein Traum in Erfüllung gegangen, so der Kletterspezialist, der im Juni an der Dauphiné-Rundfahrt das Bergklassement gewonnen hatte. Jens Zemke, der Sportliche Leiter von Teklehaimanots Rennstall MTN Qhubeka, glaubt, dass sein Schützling auch an der Tour lange an der Spitze der Spezialwertung bleiben kann: «Er hat das Talent und auch den Kopf dafür. Er ist ein Fahrer mit sehr viel Potenzial.»

Zum Klassefahrer reifte Teklehaimanot in der Schweiz, im Trainingszentrum des Radsport-Weltverbands UCI im waadtländischen Aigle. Michel Theze, sein erster Coach dort, gefiel von Anfang an, wie der Mann aus Eritrea auf dem Rad sass. Die gute Technik ist kein Zufall: Vielmehr hat Eritrea eine lange Radsport-Tradition. Die italienischen Kolonialherren brachten den Sport einst ins Land.

Teklehaimanots erstes Team war 2008 Amore & Vita-Selle SMP, ein ukrainischer Rennstall mit Sitz in Italien. Über die Stationen Cervelo und Orica GreenEdge gelangte er 2014 schliesslich zu MTN Qhubeka. Der Name der südafrikanischen Equipe bedeutet auf Zulu so viel wie Fortschritt. Die Macher des Teams verhelfen Kindern aus ländlichen Regionen zu Mobilität, indem sie ihnen Velos zur Verfügung stellen. «Beim Team herrscht ein Bewusstsein, dass man nicht für irgendeinen Sponsor fährt, sondern mit der eigenen Beinarbeit auch noch Gutes tut. Das motiviert», schreibt die «taz».

«Unser Fokus liegt darauf, Kinder in die Schule zu bekommen», erklärte Qhubeka-Gründer Anthony Fitzhenry gegenüber der ARD. «In Südafrika gibt es 500'000 Kinder, die zu Fuss zwei Stunden in die Schule gehen müssen.» 60'000 Velos hat Qhubeka seit 2004 verteilt, bis 2030 sollen es 50'000 pro Jahr werden. Auf dem Teambus steht in grossen Lettern: «Fahrräder verändern Leben.»

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