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Ein ungeplanter Sieg

Nino Schurter und Matthias Stirnemann gewinnen das Cape Epic – weil sie Vollgas fahren wie immer.

Sieg in wunderschöner Landschaft: Nino Schurter und Matthias Stirnemann unterwegs am südafrikanischen Westkap. Video: Tamedia/AFP

Die Gesamtleader hatten es ruhig angehen lassen wollen. Sie hatten den Vorsprung verwalten und sich auf die härtesten Konkurrenten konzentrieren wollen. Wie es sich für Gesamtleader in einem Etappenradrennen gehört. Doch das Verhalten war gegen das Naturell von Mountainbike-Olympiasieger Nino Schurter und Teamkollege Matthias Stirnemann. Als Crosscountry-Spezialisten sind sie es sich gewöhnt, im Rennen so schnell zu fahren, wie es ihre Körper zulassen – vom Start bis ins Ziel, eineinhalb bis zwei Stunden Vollgas.

Doch die Etappen am Cape Epic, dem Bikerennen in Südafrika, dauern doppelt so lang. Von Zurückhaltung war bei den beiden aber trotz den Vorsätzen nichts zu sehen. Sie konnten gar nicht anders als angreifen. Auf der Königsetappe am Samstag hatte ihr Landsmann Christoph Sauser, mit dem Tschechen Jaroslav Kulhavy als Topfavorit angetreten, schon früh Defekt erlitten. Schurter/Stirnemann reagierten mit einem Angriff – sie konnten ja schlecht warten –, gewannen ihre zweite Etappe in Folge und fuhren fast sechs Minuten auf Sauser/Kulhavy heraus.

Im Finale erwarteten sie gestern dann deren Grossangriff. Doch der kam nicht. «Ich fühlte mich gut, im Kopf ebenso. Aber das nützt wenig, wenn die Beine nicht wollen», merkte Sauser schon am ersten Aufstieg.

Fast unmöglich: Keine Defekte

Schurter und Stirnemann fuhren abermals davon, weg war damit Sausers Traum vom sechsten Sieg und Rekord – nun tritt der 40-Jährige endgültig zurück. Er analysierte: «Diese Ausgabe hat gezeigt: Die Dynamik des Cape Epic hat sich gewandelt.» Er sprach von der Startphase, in der viel intensiver gefahren wurde als je zuvor bei Marathonrennen. «Heuer war es Vollgas vom Startschuss weg.» Sieger Schurter sah es ähnlich: «Wir haben den Charakter dieses Rennens verändert, und gezeigt, dass hier auch Crosscountry-Fahrer gewinnen können.»

Ein Jahr zu früh, muss man anmerken. Denn den Sieg hatte er erst 2018 an­peilen wollen – nicht zuletzt, weil Stirne­mann das Rennen noch nie bestritten hatte. Aber das Duo erlebte eine ideale Woche, blieb komplett von Defekten verschont, was am Cape Epic mit seinen unzähligen Schlaglöchern und Dornenästen eigentlich gar nicht möglich ist.

Dazu kamen die jungen Teamkollegen, welche weit über ihren Verhältnissen fuhren. Einerseits unterstützten Andri Frischknecht (22) und Michiel van der Heijden (25) so die Teamleader, andererseits schauten für die beiden ebenfalls zwei Etappensiege heraus – was fast noch die grössere Überraschung war als der Gesamtsieg von Schurter/Stir­ne­mann. Vielleicht hatte den Scott-Sram-Fahrern die Hauptprobe vergangenen Herbst geholfen, als sie am Swiss Epic im Wallis, so etwas wie dem kleinen Bruder des Rennens in Südafrika, erstmals in diesen Zweierteams gefahren waren. Für Scott-Sram waren das noch nicht alle Erfolge der Woche: Teamchef Thomas Frischknecht gewann mit der schwedischen Olympiasiegerin Jenny Rissveds hoch überlegen die Mixed-Kategorie.

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Cape Epic (Bike-Etappenrennen in Südafrika). Männer. 6. Etappe (85 km/1350 HD). 1. Van der Heijden/Frischknecht (NED/SUI) 2:57:14. 2. Ferraro/Rabensteiner (ITA) 0:17. 3. Schurter/Stirnemann (SUI) 0:38. 6.Sauser/Kulhavy (SUI/CZE) 1:56. 5. Etappe (103km /2750 HD): 1. Schurter/Stirnemann 4:26:39. – 4. Sauser/Kulhavy 5:58. – Gesamt: 1. Schurter/Stirnemann 26:35:06. 2. Sauser/Kulhavy 8:07. 3.Rohrbach/Geismayr (SUI/AUT) 19:34. Frauen. Gesamt: 1. Süss/Stenerhag (SUI/SWE) 31:39:43.

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