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Ein Rennen statt einer Flugshow

Die letzte Alpenetappe endet in Alpe d’Huez spektakulär. Sky dominiert, kann die Konkurrenz aber nicht erdrücken wie in den vergangenen Jahren. Und doch gewinnt Leader Thomas erneut.

Schier unbändige Begeisterung, ein zurzeit unbändiger Mann in Gelb: Leader Geraint Thomas (vor Chris Froome) war auch auf Alpe d’Huez der Stärkste. Bild: Peter Dejong (Keystone)
Schier unbändige Begeisterung, ein zurzeit unbändiger Mann in Gelb: Leader Geraint Thomas (vor Chris Froome) war auch auf Alpe d’Huez der Stärkste. Bild: Peter Dejong (Keystone)

Radsport kann langweilig sein. Wehe aber, die Fahrer haben Lust. Lust, einander zu fordern, einander ans Limit zu bringen, zu schauen, ob sie noch etwas mehr in den Beinen haben als ihre Konkurrenten. Der Mythos von L’Alpe d’Huez schafft es, dieses letzte bisschen aus den Besten herauszukitzeln.

Da ist zuallererst Steven Kruijswijk. Auf dieser schweren Alpenetappe fährt er fast 70 Kilometer allein voraus – und macht damit sogar den Sky-Zug nervös. Mit über vier Minuten Vorsprung erreicht er den Fuss der Schlusssteigung. Bis gut drei Kilometer vor dem Ziel kann er träumen vom Coup. Er wird aber eingeholt, im Ziel gibt das noch die rote Nummer für den kämpferischsten Fahrer des Tages.

Die 7-Kilometer-Talentprobe

Es gäbe noch andere Kandidaten für diese Wertung. Etwa den jüngsten Fahrer der Tour, den 21-jährigen Egan Bernal. Das nächste Klettertalent aus Kolumbien fährt seine erste Profisaison für Sky, und dass er es trotzdem zur Tour schaffte, sagt alles über seine Qualitäten. Dieser Bernal setzt sich zu Beginn der Schlusssteigung vor die Favoritengruppe und schlägt ein Tempo an, bei dem den Gegnern die Lust aufs Angreifen fast vergeht.

Ein Youngster bestimmt also an der bekanntesten Tour-Steigung die Gangart, ganze sieben Kilometer lang. Dann ist auch er am Ende seiner Kräfte, es beginnt eines der aufregendsten Finale der jüngeren Tour-Geschichte. Was folgt, überrascht kaum: der Angriff der Nummer 1 im Team Sky, Chris Froome.

Nun überschlagen sich die Ereignisse. Hinter dem Titelverteidiger liegt plötzlich Vincenzo Nibali am Boden, hält sich den Bauch. Fuhr er in einen Zuschauer? Später sagt er, es sei ein abrupt stoppendes Motorrad gewesen, das ihn zu Fall gebracht habe, als er Froome folgen wollte. Er erleidet einen Wirbelbruch und muss am späten Abend aufgeben.

Ein Zuschauer wird verhaftet

Überhaupt die Zuschauer: Obwohl sie nicht ganz so zahlreich am Berg stehen wie auch schon, gibt es wieder unglaublich viele, die das Rennen stören: indem sie nahe neben den Fahrern herlaufen, Fahnen in deren Gesichter schwenken, Rauchpetarden zünden – wie vor Nibalis Sturz. Einer versucht gar, Froome zu schubsen, er wird später von der Polizei verhaftet. «Wenn ihr uns nicht mögt, dann buht, so fest ihr könnt. Aber lasst uns in Ruhe, behaltet etwas Anstand», sagt Leader Thomas später. Auch er hört auf dem Podest viele Buhrufe.

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Bilder: Die 12. Etappe der Tour de France

Sprintet vor seinen Konkurrenten dem Ziel entgegen: Leader Geraint Thomas setzt sich in der Königsetappe der Frankreich-Rundfahrt durch.
Sprintet vor seinen Konkurrenten dem Ziel entgegen: Leader Geraint Thomas setzt sich in der Königsetappe der Frankreich-Rundfahrt durch.
Marco Bertorello, AFP
Beim Briten ist die Erleichterung nach seinem Triumph auf der legendären Alpe d'Huez entsprechend gross. Am Mittwoch hatte er in der 11. Etappe mit einen Solosieg das Maillot Jaune übernommen.
Beim Briten ist die Erleichterung nach seinem Triumph auf der legendären Alpe d'Huez entsprechend gross. Am Mittwoch hatte er in der 11. Etappe mit einen Solosieg das Maillot Jaune übernommen.
Christophe Ena, Keystone
Am 20. Juli 1982 feierte Beat Breu als einziger Schweizer auf der Alpe d'Huez einen Etappensieg, der ihm den Übernamen «Bergfloh» einbringt.
Am 20. Juli 1982 feierte Beat Breu als einziger Schweizer auf der Alpe d'Huez einen Etappensieg, der ihm den Übernamen «Bergfloh» einbringt.
Archiv, Keystone
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Der angreifende Froome kriegt natürlich nichts von Nibalis Malheur mit. Er stellt Kruijswijk, aber die aus den vergangenen Jahren bekannte Flugshow mit dem davonschwebenden Briten setzt nicht ein, auch er kommt nicht richtig weg. Dumoulin schliesst innert 500 Meter die Lücke wieder. Es ist eine Situation, mit der wohl keiner der verbliebenen vier Fahrer gerechnet hätte. Einen Moment lang fahren sie alle vier auf einer Höhe, Froome, Dumoulin, Thomas und Bardet, schwer atmend.

Zwei in Folge – zuletzt 1993

Vor allem Dumoulins Präsenz überrascht, er hing die ganze Steigung am Ende der Favoritengruppe, liess sich aber nicht abschütteln – im Gegensatz zu Quintana oder Martin. Er versucht es nun selber, nach Bardet, und die beiden Sky-Captains müssen die Löcher schliessen. Gemeinsam kommen die vier auf den letzten Kilometer, wo auch Landa aufschliesst. Dessen Zielkurve ist aber so schlecht, dass Thomas mühelos vorbeifährt und seine zweite Bergetappe in Folge gewinnt. Das gelang zuletzt Tony Rominger vor 25 Jahren.

1:39 Minuten hat er nun Vorsprung auf Kollege Froome. Holt der das noch auf? Und was ist, wenn der Dritte Dumoulin, der Zeitfahrweltmeister, irgendwo doch ein paar Sekunden auf das Duo gutmacht? Am vorletzten Tag locken 31 Zeitfahrkilometer. Die Sky-Fahrer mögen komfortabel in Führung liegen – und doch ist das Rennen nach den Alpen nicht entschieden.

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