Der Radsport als PR-Instrument

Der Giro d’Italia startet am Freitag in Jerusalem.

Mitglieder des Saxo Bank-Team fahren an den alten Stadtmauern von Jerusalem vorbei, 2011. Bild: Keystone

Mitglieder des Saxo Bank-Team fahren an den alten Stadtmauern von Jerusalem vorbei, 2011. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Jerusalem. Richtig, Jerusalem heisst der Startort des Giro d’Italia, des zweitgrössten Radrennens der Welt. Jerusalem. So verrückt das klingt, der Ausflug ins Gelobte Land ist nur ein weiterer Schritt in der Kommerzialisierung des Radsports: Die Tour de France ging schon nach England und Irland, der Giro nach Holland und Nordirland.

Ziel der ausländischen Startorte ist stets das gleiche: der Welt das Land zu zeigen, dieses touristisch zu vermarkten. Hunderte Millionen schauen am TV zu, wie die Radprofis durch alte Städte und schöne Landschaften fahren. Das kostet: Die israelischen Organisatoren zahlen 4,8 Millionen Euro für die dreietappige PR-Veloreise durch ihr Land.

Dabei gibt es auch eine politische Komponente. Initiant Sylvan Adams ist Milliardär und nennt den Giro-Start «ein zionistisches Projekt». Adams ist Zionist, sagt er selber und setzt sich für ein starkes Israel ein. Als Startort war lange «Westjerusalem» angegeben gewesen, jener Teil der Stadt, der seit 1948 zu Israel gehört und mehrheitlich von Juden bewohnt ist. Nach öffentlichem Druck heisst der Startort nun «Stadt Jerusalem». Überhaupt der öffentliche Druck: Über hundert Organisationen beschwerten sich, dass die Veranstalter die militärische Besetzung palästinensischer Gebiete verschleiern würden. Was denn sonst? Welches PR-Projekt bewirbt sich schon mit umstrittenen Punkten?

Die Frage ist nur: Will (oder soll) man als Giro solche politischen PR-Projekte unterstützen? Unbedingt, sagen die Organisatoren und sprechen von einer «metaphorischen Brücke» zwischen den beiden Ländern. Dabei verstärken sie vor allem die Politisierung des Radsports, die längst begonnen hat. Weil immer weniger europäische Firmen Radsportequipen unterstützen, hat das Raum für neue Investoren gegeben. Heute tragen das Team Bahrain-Merida und das UAE Team Emirates die Farben ihrer Länder in die Welt hinaus. Softe Imagepflege nennt man das.

Milliardär Adams hat auch in dieser Hinsicht Spuren hinterlassen. Beim diesjährigen Giro fährt ein neues Team mit. Adams’ Team. Es heisst: Israel Cycling Academy.

Erstellt: 01.05.2018, 19:17 Uhr

Artikel zum Thema

Lance Armstrongs kontroverser Abschied vom Leben als Betrüger

Der frühere Radstar verdiente auch dank Doping über 100 Millionen Dollar. Nun kaufte er sich vergleichsweise günstig frei. Mehr...

«Da rufe ich aus: ‹Spinned die!?› – Im Radsport passiert das kaum»

Video Der Schweizer Sport verliert einen seiner charismatischsten Förderer. Andy Rihs war mit jedem per Du – und konnte sich furchtbar aufregen. Mehr...

Dunkle Wolken am Sky

Das britische Radteam und sein Leader Chris Froome stehen wegen unterschiedlicher Fälle im Brennpunkt. In beiden scheinen sie den Spielraum des Erlaubten ausgereizt zu haben. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Geldblog Vorsicht beim Verrechnungsverzicht!

Mamablog Nehmt euch Zeit fürs Kranksein!

Die Welt in Bildern

Zum Wiehern: Ein Pferd scheint sich in Feldberg im Schwarzwald über die weisse Pracht zu freuen. (18. November 2019)
(Bild: Patrick Seeger) Mehr...