«Jedes Jahr leide ich ausgiebig»

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France – nicht ohne eigene Zweifel.

«Es waren von mir drei konservative Wochen, doch sie waren effizient»: Chris Froome konnte keine Etappe, dafür aber die Rundfahrt für sich entscheiden.

«Es waren von mir drei konservative Wochen, doch sie waren effizient»: Chris Froome konnte keine Etappe, dafür aber die Rundfahrt für sich entscheiden. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Welcher Moment war der beste an dieser Tour?
Vielleicht heute, als ich in das Vélodrome einfuhr. Ich wusste, dass ich es geschafft habe.

Sie wurden ausgepfiffen.
Das ist völlig normal, vor mir fuhr Romain Bardet, der Zweite, der Liebling der Franzosen. Darum nehme ich das auch nicht persönlich. Ich habe dieses Jahr den besten Support aller meiner Siege erfahren, es waren unglaublich viele Leute am Strassenrand.

Wird sich seinen vierten Gesamtsieg bei der Tour de France holen: Chris Froome. (Video: Tamedia/Reuters)

Sie haben zum vierten Mal die Tour gewonnen, es fehlt noch ein Sieg auf Namen wie Merckx, Indurain oder Anquetil. Denken Sie daran?
Es ist eine grosse Ehre, zusammen mit diesen Namen genannt zu werden. Doch ich will Schritt für Schritt nehmen, ich muss erst heil nach Paris kommen. Dann können wir weiterdenken. Aber ich habe gemerkt, wie schwierig es ist, die Tour viermal zu gewinnen, darum schätze ich umso mehr, was sie geleistet haben.

Indurain, Merckx oder Anquetil – welche dieser Fahrer haben Sie inspiriert?
Eigentlich keiner von ihnen, ich habe auch nie bewusst ein Vorbild gewählt. Jeder würde sagen, ich habe einen etwas eigenwilligen Stil auf dem Rad, den habe ich nicht von ihnen. Meine ersten Erinnerungen an die Tour sind, wie Lance Armstrong und Ivan Basso gegeneinander gekämpft haben, Indurain oder Merckx hingegen sah ich nie.

Wie haben Sie sich seit dem ersten Sieg verändert?
Ich bin älter geworden, zugleich lerne ich jedes Jahr dazu und werde kompletter. Ich kann nun besser abfahren. Ich weiss auch, wie ich mich besser im Feld bewegen und welche Taktik ich wann anwenden muss.

Wie unterscheiden sich die vier Triumphe?
Ich schaue nicht so gern zurück. Aber ja, das erste Mal war gewaltig. Zurückzukehren und es ein zweites Mal zu tun, war wiederum fantastisch. Beim dritten Mal habe ich erstmals den Sieg verteidigt, das war auch besonders. Ich habe nie geträumt, so gut zu sein.

Gab es einen Moment in diesem Jahr, in dem Sie zweifelten?
Ich würde es so sagen: Es gab nie einen Moment, in dem ich sicher war, dass ich gewinnen würde. Darum war ich jeden Morgen dankbar, wenn sich meine Beine auf dem Velo gut anfühlten.

Doch in den Pyrenäen litten Sie.
Oh ja, da war ich im roten Bereich, ich hatte nicht genug Sprit im Tank. Fabio Aru war mit seiner Attacke der Sprengmeister, ich konnte nicht folgen und verlor 20 Sekunden. Doch es hätte viel schlimmer kommen können, normalerweise verlierst du in solchen Momenten Minuten.

Sie haben keine Etappe gewonnen, schmälert das den Sieg?
Nein, keineswegs. Wir haben das Rennen immer als Dreiwochenübung angeschaut. Der Toursieg war das Ziel, nicht eine einzelne Etappe. Es waren von mir vielleicht drei konservative Wochen, doch sie waren effizient.

Sie waren weniger dominant als auch schon.
Ich habe bereits am Start in Düsseldorf gewusst, dass es eng werden wird, denn die Streckenführung verhinderte, dass grosse Abstände entstehen. Und tatsächlich, alles wurde am zweitletzten Tag entschieden. Ja, es war die engste Tour, die ich gewonnen habe.

War es auch die härteste?
Schwierig zu sagen, jedes Jahr leide ich ausgiebig, darum: Es war einfach hart.

Sie mussten sich an der Tour auch Kritik gefallen lassen. Etwa als Sie am Ruhetag keine Interviews gaben. Fürchten Sie kritische Fragen?
Ich gebe immer gerne Antworten, doch ich habe mit meinem Team entschieden, dass ich nicht grosse Sachen machen werde am Ruhetag. Ich wollte mich erholen, und Pressekonferenzen helfen da nicht. Es heisst ja schliesslich auch Ruhetag und nicht Medientag.

Ein anderer Kritikpunkt sind die finanziellen Mittel Ihres Teams Sky. Mit 30 Millionen Euro Jahresbudget können Sie sich eine Mannschaft zusammenstellen, die stärker ist als alle anderen. Was halten Sie von Gehaltsobergrenzen?
Nicht allzu viel. Im Fussball ist es ähnlich, die besten Mannschaften gewinnen am meisten und können sich dann die besten Spieler leisten. Es ist ein Zyklus, den es auch im Radsport gibt. Wir haben gezeigt, dass wir das stärkste Team der Tour sind. Ist das Budget der Grund dafür? Ich weiss es nicht. Ich weiss aber, dass wir erfolgreich sind und das verdiente Geld in die Mannschaft investieren. Beschränkt man nun Budgets, dann setzt das vielleicht nicht mehr die richtigen Anreize für den Erfolg.

Erstellt: 23.07.2017, 09:44 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Sweet Home 10 raffinierte Einrichtungstipps

Mamablog Wenn das Baby brüllt. Und brüllt. Und brüllt.

Die Welt in Bildern

Natürliche Kunst: Douglas Ciampi aus Massachusetts steht neben einer eisbedeckten Antenne auf dem Gipfel des Mount Washington. (24. Februar 2020)
(Bild: Robert F. Bukaty) Mehr...