Nino Schurter jubelt über eine Niederlage

Der Mountainbike-Weltmeister wird beim Weltcupfinal von Teamkollege Forster übertroffen, gewinnt aber die Gesamtwertung.

Höhenflug: Nino Schurter hat eine beeindruckende Saison hinter sich.

Höhenflug: Nino Schurter hat eine beeindruckende Saison hinter sich. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Es gibt immer noch Premieren, auch für Nino Schurter, auch nach sieben Gesamtweltcupsiegen, auch nach 32 Weltcupsiegen. In Snowshoe (West Virginia) erlebt Schurter so eine. Es ist eine für ihn völlig unerwartete, anders ist sie nicht zu erklären. Schurter liegt auf der Schlussrunde des letzten Weltcups der Saison in Führung, rast in Richtung Sieg Nummer 33. Damit würde er den Rekord von Julien Absalon egalisieren (wie er das bereits in den Gesamtwertung getan hat). Ein einziger Konkurrent ist an seinem Hinterrad verblieben nach 85 Minuten Vollgas-Mountainbike. Wobei, Konkurrent: Es ist Schurters Teamkollege Lars Forster, der sein Rennen des Jahres fährt, nach einer völlig verkorksten Saison 2019.

Doch was macht Forster, in der allerletzten Steigung vor dem Ziel? Er geht aus dem Windschatten und attackiert den Weltmeister. Dessen Reaktion? Sie bleibt aus. Forster ist weg und kann jubeln. Er feiert seinen allerersten Weltcupsieg. Und was macht Schurter, der hinter ihm als Zweiter ins Ziel rollt? Jubelt, als hätte er selber gewonnen. Es ist wohl Schurters schönste Niederlage der Karriere. «Gute Teamkollegen sind so wichtig für den Erfolg», sagt Schurter, «es war cool, einen Freund wie Lars siegen zu sehen. Das ist besser als wenn ich den 33. Sieg geschafft hätte.»

Defekt macht es spannend

Es ist das turbulente Ende des turbulentesten Rennens der Saison: Bei Rennhälfte scheint es, als kämen einzig Schurter oder der Brasilianer Henrique Avancini für den Sieg in Frage: Sie fahren überlegen der Konkurrenz davon. Ein anderer Siegfahrer fehlt ohnehin: Mathias Flückiger lässt das Rennen aus, weil er in zwei Wochen in Grächen VS Marathon-Weltmeister möchten will.

Doch Schurter erleidet einen Hinterraddefekt, findet sich nach dem Radwechsel in der Verfolgergruppe wieder. Doch innert weniger als zwei Runden hat er die 25 Sekunden Rückstand wieder gut gemacht – und schaut aus, als führe er Richtung Sieg Nummer 33. Bis eben Teamkollege Forster antritt.

Neff: «Fühlte mich nicht wohl»

So klar die Situation in der Gesamtwertung für Nino Schurter war, so offen war sie für Jolanda Neff: Mit nur gerade 20 Punkten Vorsprung auf Kate Courtney geht sie ins letzte Rennen, das ihr den vierten Gesamtsieg bringen könnte.

Doch es bleibt beim Konditional. Zwar glückt ihr – wie eigentlich immer – der beste Start der gesamten Konkurrenz. Die ersten fünf Minuten führt sie das Rennen an. Doch dann wird sie an der Spitze abgelöst. Und wenig später durchgereicht. Neff erlebt eine ganz bittere erste Runde, in der sie auf 11 Fahrminuten über 1 Minute einbüsst. Dass der Sieg damit weg ist, dürfte Neff in dem Moment klar werden, schliesslich fällt nicht nur der Zeitrückstand schwer ins Gewicht, sondern auch die Tatsache, dass sie in die Region von Rang 15 abrutscht, derweil Courtney an der Spitze die Pace bestimmt.

Zwar zieht dann auch die Amerikanerin eine Schwächephase ein. Doch sie fängt sich viel schneller als Neff und behält die Rennspitze stets im Blick, derweil Neff ausserhalb der Top 10 versucht, wieder in Schwung zu kommen. Vergeblich. Courtney wird Fünfte, Neff Elfte, weg ist nach diesem Jour sans der vierte Gesamtsieg für die St. Gallerin. Zugleich bedeutet es den Doppelsieg für Scott-Sram und Courtney schafft, was Teamkollege Schurter bereits am Freitag gelang.

Ohne in die Details zu gehen, sagt Neff im Ziel: «Ich fühlte mich heute nicht wie mich –die ganze Woche schon.» Und findet eine treffende Beschreibung für ihre Saison: «Ich war heuer fast immer Zweite. Insofern passt dieser Gesamtrang.» Tatsächlich war es nicht ihr Jahr, trotz Konstanz auf hohem Niveau. In den sieben Weltcups wurde sie vier Mal Zweite – es war ihre erste Elite-Weltcupsaison ohne Sieg. Entsprechend froh ist sie über das Saisonende. Obwohl sie noch den Radquer-Weltcup in Waterloo am Sitz ihres Teams Trek und den Olympiatestevent in Tokio bestreitet, hielt sie fest: «Meine Ferien beginnen jetzt!»

Erstellt: 09.09.2019, 08:24 Uhr

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