Quintana entscheidet die Königsetappe solo

Auf dem legendären Col du Galibier wird der Kolumbianer für seinen Angriff belohnt. Der Franzose Julian Alaphilippe trägt weiterhin das Leadertrikot.

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Die 18. Etappe der Tour de France von Embrun nach Valloire wurde zu kolumbianischen Festspielen. Der Sieg ging an Nairo Quintana, der sich nach seiner überragender Solofahrt im Kampf um den Tour-Sieg zurück meldete. Landsmann Egan Bernal verkürzte mit einem Antritt seinen Rückstand im Gesamtklassement auf den Leader um wertvolle 32 Sekunden. Er liegt nun noch eineinhalb Minuten hinter Julian Alaphilippe. Der Deutsche Emanuel Buchmann, der im Gesamtklassement überraschend in den Top 6 vertreten ist, bestand eine nächste Reifeprüfung mit Bravour. Der 26-Jährige darf weiter vom Podium an der Frankreich-Rundfahrt träumen, nachdem er mit den meisten Favoriten ins Ziel kam.

Im ersten und schwersten Teil der Alpen-Trilogie hatte Ineos lange für ein gemässigtes Tempo gesorgt und das Feld kontrolliert, bevor zunächst Bernal und später auch Vorjahreschampion Geraint Thomas antraten. Der Waliser wurde von den Verfolgern aber vor dem Galibier-Gipfel wieder gestellt.

Im Gelben Trikot bleibt weiter Frankreichs Publikumsliebling Alaphilippe, der zwar im Schlussanstieg distanziert wurde, die Zeit in der Abfahrt aber problemlos wieder herausfuhr. Quintanas Sieg fiel deutlich aus, auf den Rängen zwei und drei landeten der Franzose Romain Bardet und der Kasache Alexej Lutsenko. Mit Lennard Kämna wurde ein Deutscher Vierter.

Wer attackiert wann?

Das grosse Attacken-Feuerwerk blieb trotz Bernals Soloritt auf den finalen Galibier-Kilometern noch aus. Der 22-Jährige ist neuer Zweiter, sein Teamkollege Thomas belegt weiterhin Rang drei. Dabei hatte schon am Col d'Izoard, ebenfalls ein Berg der höchsten Kategorie, das Ausscheidungsfahren der besten Kletterer begonnen. Thomas und Co. verloren beim hohen Tempo von Movistar Helfer um Helfer, auf der Jagd nach einer Ausreissergruppe um Quintana, Bardet und Kämna blieben auf 2360 Metern Höhe nur noch etwa 15 Fahrer übrig.

Am Galibier blieb das erwartete Finale der Favoriten dann lange aus, bevor sich Bernal als Erster doch noch etwas traute und prompt belohnt wurde. Der hochgehandelte Thibaut Pinot, Teamkollege der beiden Schweizer Groupama-FDJ-Fahrer Stefan Küng und Sébastien Reichenbach, zeigte sich unzufrieden mit dem Ausgang der Etappe. «Das war kein so grosser Tag für mich», sagte der französische Favorit.

Mit der Königsetappe ist aber erst ein Drittel der Alpen-Kletterei geschafft. Am Freitag und Samstag stehen zwar zwei kürzere Teilstücke auf dem Programm, dafür handelt es sich auch um Bergankünfte. Auf dem Weg nach Tignes und vor allem nach Val Thorens wird in den kommenden zwei Tagen auch jede Taktiererei vorbei sein, da gleich mehrere Anwärter mit einer einzigen Attacke den Triumph beim grössten und wichtigsten Radrennen der Welt davontragen können. Am Samstag ist mit dem Showdown zu rechnen, da auf der Schlussetappe nach Paris am Sonntag traditionell nicht mehr angegriffen wird.

106. Tour de France 18. Etappe, Embrun - Valloire (208 km): 1. Nairo Quintana (COL) 5:34:15. 2. Romain Bardet (FRA) 1:35 zurück. 3. Alexej Luzenko (BLR) 2:28. 4. Lennard Kämna (GER) 2:58. 5. Damiano Caruso (ITA) 3:00. 6. Tiesj Benooit (BEL) 4:46. 7. Michael Woods (CAN). 8. Egan Bernal (COL). 9. Serge Pauwels (BEL), alle gleiche Zeit. 10. Steven Kruijswijk (NED) 5:18. 11. Emanuel Buchmann (GER). 12. Thibaut Pinot (FRA). 13. Geraint Thomas (GBR). 14. Julian Alaphilippe (FRA). 15. Rigoberto Uran (COL). 16. Mikel Landa (ESP). 17. Richie Porte (AUS), alle gleiche Zeit. – Ferner: 19. Alejandro Valverde (ESP) 6:16. 23. Sébastien Reichenbach (SUI) 8:53. 46. Mathias Frank (SUI) 22:25. 52. Michael Schär (SUI) 22:40. 113. Stefan Küng (SUI) 32:54. – Aufgegeben: Sören Kragh Andersen (DEN), Lukas Pöstlberger (AUT). – Ausgeschlossen: Luke Rowe (GBR), Tony Martin (GER).

Gesamtklassement: 1. Alaphilippe 75:18:49. 2. Bernal 1:30. 3. Thomas 1:35. 4. Kruijswijk 1:47. 5. Pinot 1:50. 6. Buchmann 2:14. 7. Quintana 3:54. 8. Landa 4:54. 9. Uran 5:33. 10. Valverde 5:58. 11. Porte 6:30. – Ferner: 18. Bardet 23:39. 20. Reichenbach 35:52. 50. Frank 1:31:34. 75. Schär 2:00:43. 102. Küng 2:34:33. (dpa/red)

Erstellt: 25.07.2019, 18:28 Uhr

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