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Radprofi taucht plötzlich auf der Autobahn auf

Bei Paris–Roubaix wollte Andrea Guardini den Weg zum Ziel abkürzen.

Guardini unterwegs auf der E23, gefilmt aus einem vorbeifahrenden Auto.
Guardini unterwegs auf der E23, gefilmt aus einem vorbeifahrenden Auto.
Twitter/@quintencouckuyt
Sauber verstaut: Guardinis Velo im Kofferraum des Gendarmerie-Transporters.
Sauber verstaut: Guardinis Velo im Kofferraum des Gendarmerie-Transporters.
Facebook/Andrea Guardini
Der letzte Teil von Paris–Roubaix mit dem Verpflegungsposten (Messer-und-Gabel-Symbol), wo Guardini das Rennen aufgab. Die Autobahn A23, auf die er später abbog, verläuft zwischen den Sektoren 12 und 13 von Süden nach Norden.
Der letzte Teil von Paris–Roubaix mit dem Verpflegungsposten (Messer-und-Gabel-Symbol), wo Guardini das Rennen aufgab. Die Autobahn A23, auf die er später abbog, verläuft zwischen den Sektoren 12 und 13 von Süden nach Norden.
ASO
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Stellen Sie sich vor, Sie fahren nichts Böses ahnend auf der Autobahn – und plötzlich überholen Sie einen Rennvelofahrer, der auf dem Pannenstreifen vor sich hinpedalt. Der hat definitiv die falsche Abzweigung erwischt. Noch skurriler wird die Sache, wenn er auch noch eine Startnummer trägt. Nicht irgendeine, wie sich herausstellte, sondern die 234 von Paris–Roubaix, dem Pavé-Klassiker am Sonntag.

Guardini nam de snelste weg naar Roubaix: de snelweg. #parisroubaix2017@Vannieuwkerke@rvangucht@josedecauwerpic.twitter.com/bG99kDL907— Quinten Couckuyt (@quintencouckuyt) April 9, 2017

Guardini auf der A23, gefilmt aus einem vorbeifahrenden Auto. (Video: Twitter/@quintencouckuyt)

Der Italiener Andrea Guardini hatte sich im Norden Frankreichs bis zu Rennkilometer 189 von 257 durchgekämpft, bis zur zweiten Verpflegungszone, von wo es noch 68 Kilometer und 14 Kopfsteinpflasterabschnitte bis ins Ziel sind. Er war längst abgehängt worden, wollte nur noch irgendwie ins Ziel gelangen. Da er aber fit war, rieten ihm die Betreuer seines Teams, mit dem Fahrrad nach Roubaix zu fahren, statt in den Besenwagen einzusteigen, wie das etwa der Schweizer Stefan Küng tat – mehr dazu weiter unten.

Er folgte nur den Verkehrsschildern – auf die Autobahn

Guardini hielt sich also an den Rat der Soigneure seines UAE-Teams, die ihn hiessen, den unangenehmen holprigen Rennparcours doch abzukürzen und auf direktem Weg nach Roubaix zu fahren. Nur: Wie macht man das, ohne Ortskenntnis und Handy zur Orientierung? Guardini folgte einfach den Roubaix-Verkehrsschildern. Und liess sich so auf die A23 leiten, eine Autobahn, die tatsächlich direkt nordwärts und damit nach Roubaix führt.

Dort kam dem Radprofi dann eine Polizeieskorte zu Hilfe. Kurzerhand luden die Polizisten sein Velo in den Kofferraum und chauffierten den Verirrten ins Ziel. Auf eine Busse verzichteten die veloaffinen Gendarmes – und kriegten als Dank Guardinis dreckiges Renntrikot.

Weit abgeschlagene und alleine vor sich hinpedalierende Radprofis gehören zu Paris–Roubaix. Nur dieses Rennen fährt man auch in aussichtsloser Position noch zu Ende, was vom Mythos der «Hölle des Nordens» zeugt. Ins Vélodrome einzufahren, ist eine Ehrensache, die sich besonders Debütanten nicht nehmen lassen. 19 Fahrer kamen am Sonntag erst nach Zielschluss an, der Letzte 46 Minuten nach Sieger Greg Van Avermaet.

Wenn sich der Profi sogar mit Bier verpflegt

«Es war irre, brutal. Vor dem ersten Pavé-Abschnitt waren wir gut platziert. Aber von da weg herrschte das Chaos», erzählte Sky-Fahrer Owain Doull «Cyclingnews». Der Waliser war in den ersten grossen Sturz verwickelt, erlitt danach einen Defekt – so noch einmal ins Feld zurückzukehren, ist bei Paris–Roubaix unmöglich. «Von dort weg jagten wir nur noch hinterher. Aber das ist wohl Roubaix, jeder hat so eine Story auf Lager», so Doull, der sich unterwegs zum Ziel auch mal ein von einem Zuschauer gereichtes Bier genehmigte – aus Mangel an Alternativen, da die Verpflegungsposten des Teams bereits weg waren. «In der Hitze nimmst du, was du kriegen kannst. Auch ein Bier, wenn du das verträgst.»

Doull kam mit 33 Minuten Rückstand an – nach dem Besenwagen. In diesem war unter anderem auch Stefan Küng gesessen, der einen ähnlichen Tag wie Doull erlebt hatte, mit dem grossen Sturz und einem Defekt. Aber Küngs Aufholjagd wurde durch ein Teamfahrzeug beendet. Küng war nach dessen abruptem Bremsmanöver zu Fall gekommen, dessen Fahrer ignorierte den am Boden liegenden Schweizer und brauste in der Hektik des Rennens gleich wieder los – über Küngs Hand hinweg. Der fuhr zwar noch eine Weile weiter, doch als die Hand immer stärker schmerzte, stieg er in den Besenwagen. Immerhin zeigten die Untersuchungen am Montag, dass er sich dabei keine Knochenverletzungen zugezogen hatte.

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