Warum zur Hölle?

Tortour Cyclocross ist für die ganz Harten und zielt auf abenteuerlustige Allwetter-Velofahrer. Das zieht auch bekannte Namen an.

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Warum fahren Leute mit dem Velo freiwillig und stundenlang bei Kälte, Wind, Regen oder gar Schnee durch den Dreck? Warum zur Hölle? Weil sie es können. Weil damit prägende Erinnerungen und Räubergeschichten garantiert sind. Und weil die Organisatoren der Tortour ­hinter dem neuen Projekt stehen. Sie, die vor einigen Jahren mit dem Nonstop-Strassenradrennen rund um die Schweiz schon einmal die Frage nach dem «Warum» provoziert haben.

Tortour Cyclocross heisst das neue Projekt und startet heute in Schaffhausen mit einem Prolog über 20 Kilometer. Ein Klacks gegen die Etappen vom Wochen­ende, wenn 96 und 89 Kilo­meter zu absolvieren sind. Abseits der Strassen, auf Kies- und Waldwegen. Pünktlich zum Rennen zeigt sich die vierte Jahreszeit von ihrer garstigen Seite: Angekündigt sind Temperaturen um den Gefrierpunkt, Niederschläge und starke Winde. Trotzdem starten knapp 90 Teilnehmer zur Premiere.

Der OrganisatorAuf allen Radbreiten präsent

Für Initiator Joko Vogel ist es das dritte Radrennen, das er organisiert: Nach der Tortour für Rennvelofahrer, dem ein­wöchigen Bike-Rennen Swiss Epic, sucht er nun ein Publikum für die mittelbreiten Querreifen. Wie bei den anderen Rennen zeigt der PR-Fachmann sein Gespür für Velotrends. Der Quersport ist im Aufwind, in den USA hat sich eine Szene um «Gravel Races» gebildet, Langstreckenrennen auf unbefestigten Strassen. Mit dem neuen Rennformat ist Vogel auch bei einigen Radprofis auf Begeisterung gestossen. Biker Florian Vogel, Radquerspezialist Simon Zahner oder der ehemalige Querweltmeister Mike Kluge stehen am Start. Wer gewinnt, dürfte allerdings eher nebensächlich sein. «Klar wird es einen Sieger geben. Aber 95 oder 99 Prozent der Teilnehmer machen mit, weil es eine Herausforderung ist, in der Natur, im Winter», sagt Vogel. Er selber lässt sich den Start nicht nehmen, hofft auf Schnee («wegen der Bilder»), aber nicht auf Regen («das wäre hart»). Mittelfristig sieht er für sein jüngstes Rennen ein Potenzial von 200 bis 300 Teilnehmern.

Der TrendDas «Bike» des Rennvelofahrers

Die Querszene ist auch im Aufwind, weil die Radindustrie in sogenannten Abenteuerbikes Potenzial sieht. Das ist eigent­lich nur ein anderer Name für Quer­velos, welche für Abenteuer abseits der Teerstrassen eingesetzt werden. Für ­ihren Durchbruch sorgten neue Velo­standards: griffige Scheibenbremsen, leichte Carbonrahmen und breitere, gutmütigere Pneus.

Die BikelegendeAlte Liebe rostet nicht

Eigentlich plante Thomas Frischknecht ein Wochenende im Kreis der Familie – er wollte zusammen mit Sohn Andri antreten. Doch diesen plagt eine Entzündung im Knie. Frischknecht startet trotzdem, zusammen mit seinem Masseur von einst – zum Plausch, wie er klar festhält. «Wir wollen eine lustige Zeit haben, den Event auflockern.» Frischknecht hat das Quervelo wiederentdeckt, es ist sein «momentanes Lieblingsvelo». Einst war er in dieser Disziplin gross geworden, ehe er auf dem Mountainbike Weltklasse wurde. Er verbreitet einen veritablen Werbespot für das Zweirad zwischen Rennvelo und Bike: «Für unsere Breitengrade war das Radquervelo schon immer etwas vom Geilsten, um in den Wäldern rumzufahren. Zumal es im Raum Zürich nicht so viele schwere Trails hat, wo ein Mountainbike zwingend nötig wäre. Zudem machen mit dem Quervelo auch Wege Spass, die auf dem Bike langweilig wären.»

Die EhrenstarterZweifel will es auch versuchen

Eine Familienangelegenheit wird es für Thomas Frischknecht auch so. Vater ­Peter gibt den Ehrenstarter, den zweiten Ehrenstarter, wohl gemerkt. Nummer 1 gebührt Albert Zweifel – die Verhältnisse aus Aktivzeiten bleiben gewahrt. Zweifel war in den 1970er- und 1980er-Jahren das Mass aller Radquerdinge, stand Frischknecht Senior meist vor der Sonne. Zweifel wurde unter anderem fünfmal Weltmeister – drei Jahre in Folge vor Frischknecht, dem «ewigen Zweiten». «Dieses Rennen, das wäre ­etwas für mich gewesen», glaubt Zweifel, «die Ausdauer war immer eine meiner ­Stärken.» Der 66-Jährige fährt nurmehr auf der Strasse – oder mit dem Mountainbike. «Früher hatten nur Rennfahrer ein Quervelo – ausser in Belgien. Aber die neuen, die würden schon ­reizen», sagt er.

Erstellt: 12.02.2016, 08:20 Uhr

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