Wann kommt der nächste Rominger?

Die Leistungen der Schweizer an der Tour de France waren ordentlich, allerdings fehlte ein Ausreisser nach oben.

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Es konnte nicht erwartet werden, dass die Schweizer im Gesamtklassement der Frankreich-Rundfahrt eine grosse Rolle spielen würden. So gesehen darf der 17. Schlussrang von Sébastian Reichenbach als sehr solide bezeichnet werden. Er war in den Bergen einer der wichtigsten Helfer für Thibaut Pinot im Team Groupama-FDJ und machte diesen Job sehr gut. Reichenbach konnte in den Bergen meist über weite Strecken mit den Besten mithalten, der Schweizer Meister war eine positive Erscheinung. Teamkollege Stefan Küng erledigte seine Aufgabe in den flacheren Etappen und im Team-Zeitfahren ebenfalls gut, enttäuschte allerdings einmal mehr im Einzel-Zeitfahren.

Hätte es Pinot zu einem Podestplatz oder gar dem Tour-Sieg gereicht, wäre es für die beiden Schweizer ein grosser Erfolg gewesen. So blieb die Enttäuschung nach der verletzungsbedingten Aufgabe des Teamleaders.

Mathias Frank war Helfer von Romain Bardet, dem Leader von AG2R. Bardet fiel schon früh aus dem Rennen um den Gesamtsieg, konnte sich aber immerhin das begehrte Trikot des besten Bergfahrers sichern. Bei Frank war nicht zu übersehen, dass seine besten Zeiten vorbei sind. Er war das eine oder andere Mal in einer Fluchtgruppe dabei, aber nie in einer Entscheidung. Enttäuschend verlief die Tour für das Team CCC mit Michael Schär und Teamleader Greg van Avermaet. Das Ziel waren Etappensiege, es wurde deutlich verpasst.

Zülle, Rominger, Dufaux – Schweizer Dreifachsieg

Es gab Zeiten, da spielten Schweizer in grossen Rundfahrten noch Hauptrollen. Diese Zeiten liegen allerdings über 20 Jahre zurück. Herausragend war beispielsweise Tony Rominger, der den Giro d’Italia 1995 als letzter Schweizer gewann. Und dies tat er höchst überzeugend. Er siegte mit über vier Minuten Vorsprung auf den Russen Eugeni Berzin.

Überhaupt waren die Schweizer in den 90er Jahren in Rundfahrten sehr erfolgreich. Rominger, heute 58-jährig, wurde 1993 an der Tour de France hinter dem damals überragenden Miguel Indurain Gesamtzweiter und gewann die Vuelta a España von 1992 bis 1994 dreimal in Folge.

Auch Alex Zülle feierte einige grosse Erfolge. Der heute 51-jährige Ostschweizer wurde zweimal Zweiter an der Tour de France (1995 und 1999) und triumphierte 1996 und 1997 an der Vuelta. Höhepunkt aus Schweizer Sicht war der Dreifachsieg an der Spanien-Rundfahrt 1996; Alex Zülle siegte vor Laurent Dufaux und Tony Rominger.

Lange ists her. Seit Zülles Vuelta-Triumph 1997 gab es keinen Schweizer Gesamtsieg mehr an einer der drei grossen Rundfahrten. Noch weiter zurück liegen die beiden Schweizer Siege an der Tour de France: Ferdy Kübler 1950, Hugo Koblet 1951. Nicht zu vergessen ist Urs Zimmermann, der 1986 bei der Tour und 1988 beim Giro jeweils Gesamtdritter wurde.

Marc Hirschi als Hoffnungsträger

Derzeit sieht es nicht danach aus, als würde ein Schweizer Rennfahrer in naher Zukunft in einer der drei grossen Rundfahrten vorne dabei sein können. Letzter Schweizer Sieger der Tour de Suisse, der Nummer 4 der Landesrundfahrten, war 2009 Fabian Cancellara. Aber auch nur, weil die Strecke auf den Berner zugeschnitten war und kaum hohe Alpenpässe zu bewältigen waren. Für die Zukunft ruhen die Schweizer Hoffnungen auf dem 20-jährigen Marc Hirschi. Der U-23-Weltmeister soll einst in die Fussstapfen von Tony Rominger treten.

Erstellt: 29.07.2019, 21:12 Uhr

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