Wenn 30 Millionen nicht ins Gewicht fallen

Ineos löst Sky als Sponsor des grossen Radteams ab. Der Wechsel zeigt das Dilemma des Radsports.

Ab Mai jubelt Chris Froome nicht mehr für Sky, sondern für Ineos.

Ab Mai jubelt Chris Froome nicht mehr für Sky, sondern für Ineos. Bild: Daniel Dal Zennaro/Keystone

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Champagnerflaschen werden im Radsport regelmässig geköpft – Siege wollen schliesslich zelebriert werden. Nach dieser Logik hätten sie diese Woche in Manchester den Schaumwein gleich kistenweise ausschenken müssen, am Hauptsitz des Team Sky –es wurde bekannt, dass mit Ineos schon im Mai ein neuer Hauptsponsor einsteigt. Im Dezember hatte Sky mitgeteilt, das Team nach zehn Jahren noch eine letzte Saison mit mittlerweile umgerechnet rund 30 Millionen Franken zu alimentieren.

Der Druck auf Teamchef David Brailsford war enorm gewesen, denn in den vergangenen Jahren waren verschiedene Equipen gescheitert bei der Suche nach einem neuen Hauptsponsor. Doch Sky ist kein Durchschnittsteam, insofern ist quasi logisch, dass die Briten bereits jetzt ihre Zukunft sichern konnten: mit dem Chemie-Multi Ineos, dessen Besitzer Jim Ratcliffe mit 28 Milliarden Franken der reichste Brite und ein Radfan ist, steigt ein anderes Mega-Unternehmen ein – ein anderes, bei dem die 30 Millionen nicht weiter ins Gewicht fallen.

Stehen die Fans hinter einem Chemie-Multi?

Wie die Fans den Sponsorenwechsel aufnehmen, bleibt abzuwarten. Ab dem 1. Mai wird das zu sehen sein, dann fährt das Team der Tour-Sieger Chris Froome (2013/15/16/17) und Geraint Thomas (2018) in den Farben und unter dem Namen von Ineos. Die Frage ist: Stehen die Fans ebenso leidenschaftlich hinter einem Chemie-Multi wie hinter dem TV-Grosskonzern, der im Vergleich ein neutrales Image hat?

Im Internet kursierte bereits ein zynischer Trikotentwurf: An der Tour 2018 warb Sky auf dem Trikot für die Rettung der Meere, mit dem Claim «Verzichte auf Plastik». Nun folgt ein Unternehmen, das mit ebendiesem Material Milliarden macht. Der Wal auf dem Ineos-Trikot schwamm entsprechend durch Plastikmüll.

Die Schwierigkeit, Geldgeber zu finden

Der Einstieg von Ineos zeigt treffend den Zwiespalt auf, der heute im Radsport vorherrscht, wenn es um seine Finanzierung geht. Einerseits gibt sich der Sport und mit ihm die Profi-Equipen gerne fortschrittlich. Sie sind offen für die vielen Möglichkeiten der sozialen Medien und gegenüber neuen Vermarktungsformen. Zugleich aber gelingt es dem Radsport nicht, die dafür passenden, ebenso progressiven Geldgeber zu finden. Meist sind es Unternehmen der alten Wirtschaftswelt, die sich fürs Rennvelogeschäft interessieren. Oder umstrittene Nationen: die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Kasachstan alimentieren alle ein Worldtour-Team. Was in etwa auf dasselbe herauskommt.

Eine Ausnahme gibt es: die US-Equipe EF – Education First. Der internationale Sprachschulanbieter stieg 2018 nicht nur als Hauptsponsor ein, sondern übernahm gleich das ganze Team und will mit diesem als Beispiel für die Vielsprachigkeit des Sports werben.

Die Amerikaner bleiben die Ausnahme, derweil der nächste «alte» Sponsor schon bereitsteht: Der Erdölriese ­Total soll noch vor der Tour de France beim französischen Team Direct Energie ­einsteigen.

Erstellt: 24.03.2019, 13:43 Uhr

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