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«Wenn ich parat bin, bin ich parat»

Michael Albasini wird Dritter am Amstel Gold Race: ein Versprechen für die kommende Ardennenwoche.

Im Gold Race als Dritter auf dem Podium: der Thurgauer Michael Albasini (rechts im Bild). Foto: Keystone
Im Gold Race als Dritter auf dem Podium: der Thurgauer Michael Albasini (rechts im Bild). Foto: Keystone

Fast wäre es ganz spannend geworden aus Schweizer Sicht. 6,4 Kilometer waren es am Amstel Gold Race noch bis zum Ziel, als Michal Kwiatkowski und Philippe Gilbert dem Rennen diesbezüglich die Spannung nahmen. Sie fuhren davon, auch Michael Albasini vermochte in dem Moment nicht auf die Tempoverschärfung zu reagieren. Immerhin gewann er den Sprint der Verfolger und trank als Dritter auf dem Podest das obligate Bier. Damit stand er bei allen drei Ardennen-Klassikern schon auf dem Podest. Im ­Duell der Radmonuments-Sieger war ­Gilbert der Stärkere, nach der Flandernrundfahrt siegte der Belgier erneut – zum vierten Mal. Nun muss er pausieren: Bei einem Sturz früh im Rennen hatte er sich seine rechte Niere leicht gezerrt.

Michael Albasini dagegen wird beide Ardennen-Klassiker bestreiten. Das sind seine Rennen. Beim Flèche stand er schon zweimal auf dem Podest, in Lüttich wurde er letztes Jahr Zweiter.

Beim 13. Mal klappte es mit einem Spitzenplatz am Gold Race. Warum?

Meist hatte ich einen «Job» als Helfer zu erledigen. Dieses Mal hatte ich eine offenere Rolle, sollte bei einem frühen Favoritenangriff mitfahren. Und das tat ich. Zudem ist dies das erste der drei Ardennen-Rennen. Ich brauchte oft noch ein Rennen, um in Schwung zu kommen.

Was fehlte Ihnen noch zu Gilbert und Kwiatkowski?

Das ist auch eine Sache der Tagesform. Es fehlte nicht viel, ich konnte einfach nicht mehr reagieren. Die beiden fuhren auch auf dem Zahnfleisch weg. Aber man muss sich nicht schämen, wenn man sich von den beiden abhängen lässt. Ich trauere der Chance nicht nach.

Vor zwei Wochen gewannen Sie eine Etappe an der Baskenland-Rundfahrt, nun dieser Podestplatz. Konnten Sie Ihr Leistungsniveau noch einmal steigern?

Ich habe gemerkt, dass der Aufbau stimmt, ich bin fast noch etwas früher dran als letztes Jahr. Vor allem hat mir der Podestplatz in Lüttich voriges Jahr viel Selbstvertrauen für die Rennen hier oben gegeben. Auf diesem Niveau ist vieles auch Gefühlssache. Zudem brauche ich einen neuen Vertrag, also musste ich mir etwas einfallen lassen. (lacht)

Wie schauen Sie Richtung Flèche Walonne am Mittwoch und Lüttich–Bastogne–Lüttich am Sonntag?

Am Mittwoch bin ich als Leader gesetzt. Das bedeutet ein bisschen mehr Druck als sonst. Mal schauen, wie ich damit umgehen kann. Und dann Lüttich: Da werden wir alles neu anschauen.

Sie sind vom Charakter her keiner, der die Leaderrolle für sich einfordert.

Im Team wissen sie einfach: Wenn ich parat bin, bin ich parat. Wenn einer stärker ist, fahre ich für den. Das macht auch am meisten Sinn im Normalfall.

Wie schaffen Sie es, sich mit 36 noch zu steigern?

Ich habe bei Eintagesrennen eine Schippe drauflegen können, bin da stabiler geworden. In Rundfahrten bin ich dafür nicht mehr so solid. Einst wog ich im Sommer 64 Kilogramm, nun eher 67. Das hilft dafür, um ab und zu ein Sprintchen zu gewinnen. Alles kann man nicht haben.

Seit zehn Profijahren gewinnen Sie jede Saison mindestens ein Rennen.

Es ist mir schon noch wichtig, dass ich auch persönlich Erfolg habe. Ich habe kein Problem damit, das Jahr über Helfer zu sein. Aber der letzte Schritt, ein Rennen selber zu gewinnen, das will ich nicht verlieren. Das ist wie der Torjägerinstinkt im Fussball – ein Nervenkitzel, der das Rennvelofahren auch ausmacht.

Kriegen Sie für Ihre Leistungen genug Anerkennung?

Anerkennung ist für jeden wichtig, die Frage ist nur, wo man sie sich holt. Jene der Öffentlichkeit, die ist mir egal. Ich kriege genug von Teamseite – und die verstehen auch etwas vom Ganzen. Ich fand für mich schon früh heraus, wo man sich Anerkennung holen kann.

Ihr Vertrag läuft aus, Ende Jahr werden Sie 37. Was sind Ihre Ziele?

Ich würde gerne noch einmal einen Zweijahresvertrag unterschreiben. Ich fühle mich sehr wohl bei Orica-Scott (Anm.: Er fährt seit 2012 für das Team). Sie wollen mich behalten, ich möchte gerne bleiben. Ich denke, wir können uns finden.

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