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Zionist mit Draht nach Rom

Sylvan Adams brachte den Giro d’Italia nach Israel.

Noch nie war der Giro d’Italia ausserhalb Europas gestartet: Initiant Sylvan Adams. Foto: Forward
Noch nie war der Giro d’Italia ausserhalb Europas gestartet: Initiant Sylvan Adams. Foto: Forward

Spätberufene zeichnet oft eine besondere Leidenschaft aus. Sylvan Adams lernte das Velofahren erst mit Ende 30 so richtig. Er suchte Ausgleich zum stressigen Berufsalltag als Manager eines Immobilienimperiums. Dann trat Adams aber so heftig in die Pedale, dass er in seiner Altersklasse sechsmal kanadischer Meister wurde und bei den Makkabi-Spielen, der sogenannten jüdischen Olympiade, sechs Goldmedaillen holte.

Die Veloleidenschaft nahm Adams vor zwei Jahren bei seiner Übersiedlung von Kanada nach Israel mit. Der heute 59-Jährige erkannte rasch, dass der Radsport in seiner neuen Heimat keine grosse Rolle spielte. Das wollte er ändern, und zwar mit der Idee, eines der renommiertesten Rennen der Welt nach Israel zu holen. Schon mehrfach waren Etappen im Ausland gefahren worden, aber noch nie war der Giro d’Italia ausserhalb Europas gestartet. 101 Jahre nach dem ersten Start der «Grande Partenza» ist es so weit.

Erst galt es, die Verantwortlichen in Mailand zu überzeugen. Es gelang Adams nicht zuletzt mit dem verlockenden Vorschlag, dass durch den Giro die beiden religiös wichtigen Städte Rom und Jerusalem verbunden werden könnten. Giro-Renndirektor Mauro Vegni ist ein gläubiger Christ. In Israel stimmte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu rasch zu: Er weiss um den unschätz­baren Werbewert für Israel. Bis zu einer Milliarde Zuschauer weltweit verfolgen das Velorennen. Politisch heikel war die Strecken­führung vor allem in Jerusalem. Der von den Palästinensern als ihre Hauptstadt beanspruchte Ostteil der Stadt wurde ausgespart.

Er kann es sich leisten

Hilfreich war, dass Adams bereit war, mindestens zwölf Millionen Euro zur Finanzierung beizutragen. Darüber hinaus sicherte Adams zu, für ein mögliches Defizit aufzukommen. Leisten kann der Milliardär es sich. Sein Vater Marcel hat in Kanada das Immobilienunternehmen Iberville aufgebaut, das auf Shoppingmalls spezialisiert ist. Wert: 1,5 Milliarden US-Dollar. Vater Marcel Abramovich war einst ein Flüchtling in Israel. Er wuchs in einer rumänischen Gerberfamilie auf, musste während der Nazizeit in Arbeitslagern schuften, konnte aber 1944 fliehen und kam über die Türkei ins damalige Palästina. Er nahm 1948 am Unabhängigkeitskrieg teil, wanderte drei Jahre später nach Kanada aus.

Sohn Sylvan erbte die Unternehmensleitung. Inzwischen hat er wiederum an seinen Sohn Josh übergeben, als er mit seiner Frau Margaret nach Tel Aviv übersiedelte. Die beiden hatten sich vor mehr als 30 Jahren in Israel im Kibbuz kennen gelernt. Adams bezeichnet sich als Zionist.

In Israel baute er mit der Cycling Academy ­ sein eigenes Profiveloteam auf. Aber er will alle Israelis fürs Velo begeistern und gab der Stadt ­ Tel Aviv Geld zum Ausbau der Velowege. Mehrere Millionen investierte er in den Bau des Velodroms in Tel Aviv, im Herbst soll die Eröffnung stattfinden. Es wird seinen Namen tragen.

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