Auch er träumt vom Muni

Dieylani Pouye lernte das Schwingen im senegalesischen Sand. Nun tritt er beim Eidgenössischen an.

«Ich kämpfe um die Krone, so wie alle anderen auch»: 
Schwinger Diey Pouye. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

«Ich kämpfe um die Krone, so wie alle anderen auch»: Schwinger Diey Pouye. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

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Es ist sein Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest. Dieylani Pouye wirkt ziemlich gelassen und zugleich hoch konzentriert. Der 29-Jährige weiss, was ihn in Estavayer-le-Lac erwartet. Die 52'000 Besucher in der Arène de la Broye werden seine Kämpfe genau beobachten. Schliesslich sticht der Dunkelhäutige aus der volkstümlichen Gleichförmigkeit, die Schwingfeste so an sich haben, stets heraus.

Vor allem aber ist Pouye ein richtig guter Schwinger. Das sagt sein Trainer: Ruedi Schläfli, Technikchef des Südwestschweizer Schwing­verbands. «Übersteht Dieylani den ersten Tag und selbst die zweite Ausscheidung am Sonntagmittag, traue ich ihm alles zu», sagt Schläfli. Am Eidgenössischen seien Überraschungen schliesslich immer möglich, und Pouye habe in diesem Jahr immerhin zwei Kränze gewonnen. Die Erfolge geben auch Dieylani Poye Auftrieb. Er agt: «Ich kämpfe um die Krone, so wie alle anderen auch.»

Seine Selektion fürs «Eidgenössische», als einer von 27 Westschweizer Schwingern, ist für den 29-Jährigen eine Bestätigung für seine harte Arbeit, aber auch seine Integration in die Schweizer Schwingerszene. Diese begann vor vier Jahren, als man ihn als senegalesischen Schwinger und Mitglied des Nationalteams für eine Dokumentarfilmproduktion in die Schweiz einlud. In Senegal kämpfte Pouye im Sand, in der Schweiz stand er plötzlich im Sägemehl. «Das war kein Problem, nur an neue Regeln muss ich mich gewöhnen», erinnert er sich. Verbindungen zum Genfer Schwingclub Carouge waren rasch geknüpft. 2012 kam er wieder und nahm an ersten Wettkämpfen teil. 2013 war schliesslich sein Schicksalsjahr. Der Schwinger aus Dakar begegnete in Genf Tiguy, einer Schweizerin mit guineischen Wurzeln. Die beiden verliebten sich. Tiguy wollte Dieylani nicht mehr ziehen lassen. Und ihm gefiel die Schweiz. Das Paar heiratete. Dieylani Pouye war seither nie mehr in Senegal, sondern ist quer durch die Schweiz an Schwingfesten anzutreffen. Und in einigen Monaten erwartet das Paar nun auch sein erstes Kind.

«An Schweizer Schwingfesten war es am Anfang schwierig», erinnert er sich. «Mir wurden oft starke Gegner zugeteilt. Ringrichter verwehrten mir gar Siege.» In einem Interview sagte er diese Woche: «Ich bin nicht nur schwarz, sondern auch noch Genfer! Das ist ein doppeltes Handicap.» Gibt es im Schwingen Rassisten? An Pouyes Statement hatte sein Team keine Freude. Es nahm den gläubigen Muslim ins Gebet. Dieylani Pouye relativiert nun: «Jeder Schwinger fühlt sich an seinen ersten Wettkämpfen benachteiligt. Ich habe daraus gelernt und meine Prüfungen abgelegt. Ich werde nicht diskriminiert.» Inmitten der helvetischen Folklore fühlt sich der Afrikaner immer wohl. Er sagt: «In Afrika ist es nicht viel anders. In Senegal wird an Schwinganlässen getanzt.»

Erstellt: 26.08.2016, 23:19 Uhr

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