Ein Stück heile Welt für alle

Der Schwingverband muss aufpassen, dass das Eidgenössische nicht an Charme verliert.


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Welle um Welle zieht durch die Arena, es wird geklatscht und getrunken. Liegt ein Schwinger im Sägemehl geplättet auf dem Rücken, schreien 52'000 Zuschauer im Stadion lustvoll auf. Über 250'000 Menschen haben übers Wochenende am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Estavayer unbeschwerte Glückseligkeit zelebriert.

Nur, das Eidgenössische hat in den vergangenen Jahren einen Wandel durchgemacht, der mitunter sonderliche Auswüchse zeigt. Stringtangas etwa, die im Edelweiss-Chic verkauft werden. Oder ein ­Siegermuni, der den Namen eines Sponsors trägt. Das Fest franst aus und wird zum Event, es locken ­Musikbühnen, Public-Viewing-Zonen und Festzelte so gross wie Fussballfelder. Sponsoren fahren alle drei Jahre die Swissness-Schiene noch einmal etwas ­grösser, der Anlass verkommt zur «einmaligen ­Kundenbindungsplattform».

Schlimm, sagen nasenrümpfende Traditionalisten. Sie haben nicht unrecht und liegen mit ihrer Haltung doch falsch. Der Schwingsport geht einen logischen Weg und erfährt das Los jedes populären Sports. Das Fernsehen hat entschieden, aus dem Schwingen eine grosse Kiste zu machen. Die Masse beginnt sich dafür zu interessieren, Sponsoren fragen an, die Kommerzialisierung setzt ein. Der Anlass wächst, das Schwingen öffnet und­verabschiedet sich zumindest am Eidgenössischen vom konservativen Dünkel.

Eine Studie der Hochschule Luzern aus dem Jahr 2014 hat aufgezeigt, dass der Schwingverband in Sachen Eventisierung vieles richtig macht, aber Gefahr läuft, an Charme zu verlieren. Vor dem Stadion ist das ohne Zweifel bereits passiert. Man sieht ein gewöhnliches Festival, das man von Open Airs und Züri-Fäscht kennt. Doch im Stadion, im Herzen des Sports, sind die Werte bewahrt – es kippt nicht. Die Organisatoren haben es durch ein striktes Werbeverbot geschafft, dass am eigentlichen Schwingsport nichts vom ­Sponsorenmief haften bleibt. Es resultiert diese heile Welt, von der in dieser Zeit – mit welchen Interessen auch immer – alle ein Stückchen wollen.

Erstellt: 28.08.2016, 22:21 Uhr

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