Schwimmer mit Suizidgedanken

Ryan Lochte zog in Rio durch eine erfundene Geschichte einen Shitstorm auf sich und hörte darauf auch Morddrohungen.

Ryan Lochte erlebte schwierige Monate samt Todesdrohung.

Ryan Lochte erlebte schwierige Monate samt Todesdrohung. Bild: Keystone

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Erinnern Sie sich an Ryan Lochte? An den Schwimmer, der sechsmal olympisches Gold holte? Nicht? Dann vielleicht eher an den Hallodri, der an den Olympischen Spielen in Rio eine Räuberpistole samt Pistole erzählte und eine mittlere diplomatische Krise auslöste.

Dieser Mann hat nun erstmals ausführlich bei ESPN über die schlimmen Tage von Rio gesprochen. Er und seine Teamkameraden waren nach ihrem Sieg auf Pintentour und kamen an einer Tankstelle vorbei, erleichterten sich an einer Hecke, und Lochte riss eine Werbewand zu Boden. Überwachungskameras filmten dies und zeigten Tage darauf, dass Polizisten von den Unruhestiftern Geld wollten, um den Schaden zu decken.

Die Mutter erzählt es den Medien

An sich nicht dramatisch, und das Ganze wäre schnell vergessen gegangen, hätte Lochte nicht darauf mit seiner Mutter telefoniert und die Geschichte nicht derart ausgeschmückt, dass diese prompt Kontakt mit den Medien aufnahm und erzählte, ihr Sohn sei in Brasilien mit Pistolen bedroht worden. Die Geschichte ging um die Welt, Lochte bestätigte sie vor Kameras – der internationale Skandal war geboren.

«Die Leute wollten einen Grund, um mich zu hassen», sagt Lochte. Etwas, das ihm zutiefst zuwider ist. Er ist ein Mensch – das geht aus dem Porträt heraus –, der geliebt werden muss. Er teilt mit allen sein Sandwich, er schreibt stundenlang Autogramme, er schenkt seine WM-Goldmedaille einem wildfremden Jungen, er zahlt in Bars Drinkrunden für alle, sein Lieblingsfilm ist «Was Frauen wollen» – kurz: Er will den Leuten gefallen. Er erzählt später, dass sein Vater und Trainer ihn nie gelobt hätte, er sagte ihm als Bub: «Grossartig für mich ist, wenn du Gold holst und zugleich Weltrekord schwimmst.» Als er das in Peking geschafft hatte, sagte der Vater: «Heute bist du grossartig.»

Es scheint, als suche Lochte schon ein ganzes Leben lang nach Aufmerksamkeit. In der Schule wollten sie ihm ADHS-Medikamente geben, um ihn ruhigzustellen, er macht bei TV-Tanzwettbewerben mit und 2013 in der Reality-Show «What would Ryan Lochte do». Dabei lässt er sich bei seiner Olympiavorbereitung filmen oder wie er seine zukünftige Ehefrau finden will. Die Produzenten stellen ihm schon morgens um acht einen Drink hin, Lochte trinkt.

Die Suizidgedanken

Der Vorfall in Rio wird zum Shitstorm, der Schwimmer liest in Onlinekommentaren «Ryan Lochte ist der Schlimmste», er verliert in wenigen Tagen alle Sponsoren, erhält Todesdrohungen, seine Freundin bekommt ein Glas an den Kopf geworfen. «Nach Rio war ich die meistgehasste Person der Welt.» Er weinte oft und dachte jeweils vor dem Einschlafen: «Wenn ich nicht mehr aufwache, dann ist das okay.» Suizidgedanken? Lochte streitet sie nicht ab und sagt: «Ich war daran, mein Leben aufzugeben.»

Lochte hat heute den Faden des Lebens wiedergefunden und erwartet mit seiner schwangeren Verlobten, einem Playmate-Modell, in diesem Monat einen Jungen. (czu)

Erstellt: 07.06.2017, 13:29 Uhr

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