«So etwas gibt es nur einmal im Leben»

Wie Beat Feuz den Tag der WM-Abfahrt erlebte – und was er zu einem Triumph in St. Moritz sagt.

«Ein Märchen»: Beat Feuz kann seinen WM-Titel noch nicht richtig glauben. Video: Fabian Sanginés.

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«Die Favoritenrolle belastet mich nicht gross. Ob ich nun Favorit bin oder nicht, ich versuche einfach mein Bestes zu geben», erklärte Beat Feuz vor der WM-Abfahrt in St. Moritz, die wegen schlechter Sicht auf verkürzter Strecke und ohne den freien Fall stattfand. Während Feuz noch oben am Start wartete, war Patrick Küng schon im Ziel. Der Glarner, vor zwei Jahren in Beaver Creek sensationell Weltmeister, zeigte seine beste Fahrt des Winters und war exakt gleich schnell wie der direkt vor ihm gestartete Norweger Kjetil Jansrud.

Was würde Küngs Zeit wert sein – und würde Feuz auch auf der Piste so souverän auftreten wie zuvor beim Interview? Feuz beantwortete die Frage nach seiner Leistung mit einer neuen Bestzeit. Mit der Nummer 13 war der Berner Oberländer noch einmal 39 Hundertstel schneller als Küng und Jansrud. Er wählte eine enge, riskante Linie und raste schliesslich mit über 119 km/h dem Ziel entgegen.

Der kanadische Super-G-Weltmeister Erik Guay (2.) und der Österreicher Max Franz (3.) konnten in der Folge zwar Küng aus den Medaillenrängen verdrängen, gegen Feuz kamen sie aber nicht an. Der Favorit ballte in der Leaderbox die Fäuste, als seine Zeit auch gegen die härtesten Rivalen Bestand hatte. Richtig kanpp wurde es nur bei Guay, der lediglich zwölf Hundertstel auf die Bestzeit verlor.

«Eine geniale Fahrt»

«Es war eine geniale Fahrt», bilanzierte Feuz im ersten Interview im Zielraum. Einzig ganz oben sei es ihm nicht ganz nach Wunsch gelaufen. «Ich habe mich vor dem dritten Tor ein wenig verfahren und bin zu früh hereingeschnitten.» Die Anspannung vor dem Rennen sei riesig gewesen, und dass ihn Didier Cuche auch noch zum Favoriten erhoben hatte, habe ihn noch ein wenig nervöser gemacht.

Beat Feuz' Fahrt zu WM-Gold in der Abfahrt. (Video: SRF/TA)

«Es ist unglaublich, an der Heim-WM Gold zu holen, so etwas gibt es nur einmal im Leben. Die Zeit nach meiner Knieverletzung war nicht leicht, meine Freundin hat mir unheimlich geholfen, das alles zu überstehen», erklärte Feuz später. «Hut ab vor Beat, wie er mit dem Druck hier umgegangen ist», sagte Guay, der mit einer Gold- und einer Silbermedaille die Heimreise antreten kann.

Noch nicht getroffen hat Feuz den Ehrengast Roger Federer. Er habe jedoch schon vor dem Rennen mitbekommen, dass der Baselbieter in St. Moritz weilt: «Der Physio ist ein grosser Tennisfan. Gemeinsam haben wir gefachsimpelt, wie wir uns gegenseitig aushelfen könnten.» Beispielsweise könnte Federer eine Tennislektion anbieten, Feuz würde im Gegenzug ihm und seinen Kindern eine Stunde Skiunterricht erteilen.

Am anderen Ende der Gefühlsskala stand Carlo Janka. «Die Startnummer 1 war sicher nicht optimal, aber ich habe sie ja selber gewählt», erklärte der Bündner, der nicht recht wusste, was bei seiner Fahrt schiefgelaufen war. «Ich hatte eigentlich das Gefühl, dass ich meinen Rennplan durchziehen konnte.»

Enttäuscht war auch Patrick Küng, dem am Ende zwei Hundertstel zu Bronze fehlten: «An einer WM zählen nur die Medaillen, für mich hat es nicht gereicht. Vielleicht kann ih später mal sagen, dass es eine gute Leistung war. Es ist aber schön, dass mit Beat Feuz doch ein Schweizer ganz oben steht.»

Die letzten Schweizer Abfahrtsweltmeister

Erstellt: 12.02.2017, 15:07 Uhr

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