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«Wir haben nicht geredet, nur geweint»

Ilka Stuhec überwältigen nach dem Gewinn von WM-Gold in der Abfahrt die Emotionen. Fabienne Suter rätselt, wo sie so viel Zeit verloren hat.

Die Freude muss raus: Flankiert von Stephanie Venier (l.) und Lindsey Vonn bejubelt Ilka Stuhec ihren grossen Coup.
Die Freude muss raus: Flankiert von Stephanie Venier (l.) und Lindsey Vonn bejubelt Ilka Stuhec ihren grossen Coup.
Reuters
Stille Einkehr: Die neue Weltmeisterin beschnuppert vor der Siegerehrung das Podest.
Stille Einkehr: Die neue Weltmeisterin beschnuppert vor der Siegerehrung das Podest.
Reuters
Umarmung in der Leaderbox: Stuhec nimmt die Gratulationen ihrer Teamkollegin Marusa Ferk entgegen.
Umarmung in der Leaderbox: Stuhec nimmt die Gratulationen ihrer Teamkollegin Marusa Ferk entgegen.
AFP
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Ilka Stuhecs Fahrt endete erst in der weichen Begrenzung des Zielraums. Die Slowenin, als Führende im Abfahrtsweltcup angereist, war an diesem Tag ganz einfach zu schnell: für die Konkurrenz – und auch für die Strecke in St. Moritz. Sie, die nach den Trainings die Favoritenrolle selbstbewusst angenommen hatte, zeigte im wichtigsten Rennen des Jahres eine beinahe perfekte Fahrt. Einzig die Passage beim Reinalter-Sprung im untersten Streckendrittel war ihr nicht optimal gelungen.

Fahrerin um Fahrerin biss sich an der Zeit der mit Nummer 7 gestarteten Stuhec die Zähne aus. Darunter auch die schliesslich drittplatzierte Lindsey Vonn und Fabienne Suter, nach dem Ausfall von Lara Gut das heisseste Schweizer Eisen. Suter hatte schon im oberen Teil der Abfahrt viel Zeit verloren und rätselte im Interview mit dem Schweizer Fernsehen, wie dies kommen konnte. «Ich habe noch keine Bilder meiner Fahrt gesehen, und ich weiss auch nicht, ob ich mir sie ansehen soll. Mein Gefühl war eigentlich nicht so schlecht, ich habe probiert, ans Limit zu gehen. Ich könnte an vielen Orten suchen, es fehlt ja eine Menge. Am Start war ich erstaunlich wenig nervös und dachte: Heute kann es passen.»

Wikipedia war schneller

Stuhec wechselte derweil ein ums andere Mal ihre Position: Mal stand sie in der Leaderbox, mal kauerte sie, mal drehte sie eine kleine Runde im Zielraum. Und irgendwann kullerten hinter ihrer schwarzen Sonnenbrille die ersten Freudentränen. Hätte jemand vor zwei Jahren prognostiziert, dass Stuhec die Nachfolge ihrer Landsfrau Tina Maze als Abfahrtsweltmeisterin antreten würde, man hätte ihn wohl nur mitleidig belächelt. An den letzten Titelkämpfen in Beaver Creek hatte die heute 26-Jährige noch Platz 20 belegt.

Ilka Stuhecs Siegesfahrt. (Video: SRF/TA)

Während Wikipedia Stuhecs Eintrag schon mit dem Titel der Abfahrtsweltmeisterin 2017 ergänzt hatte, wollte die Athletin längere Zeit noch keine Glückwünsche entgennehmen. «Es ist eine sehr emotionale Situation. Ein bisschen denke ich schon an den Sieg, aber wir müssen noch abwarten, bis das Rennen vorbei ist», erklärte sie. Als sie dann auch selbst an Gold glaubte, sagte Stuhec, sie sei unheimlich glücklich über den Triumph, was er bedeute, werde sie aber wohl erst später erfassen. Auf die Frage des SRF-Reporters, was ihre Mutter und Servicefrau zu ihr gesagt habe, antwortete sie: «Wir haben nicht geredet, nur geweint.» Sie habe den Druck etwas mehr gespürt als sonst, habe sich dann aber gesagt: «Okay, fahr nur Ski und lebe deinen Traum.»

Die Reaktionen zur Abfahrt der Frauen. (Video: SRF/TA)

Am Morgen hatte Stuhec die Streckenbesichtigung schneller als jede andere Fahrerin absolviert, in nur zwölf Minuten. «Sie war überzeugt, dass sie die Strecke im Griff hat, sonst wäre das nicht so schnell gegangen», glaubt der SRF-Skiexperte Michael Bont

Vonn: «Wie Gold für mich»

Lindsey Vonn war mit ihrer Bronzemedaille überglücklich. «Sie ist wie Gold für mich», sagte die Amerikanerin, die zum siebten Mal an einer WM Edelmetall gewann – in einer Saison, die nach ihrem Armbruch und zwei Stürzen in Cortina lange unter einem schlechten Stern gestanden hatte. «Skifahren ist für mich die beste Medizin, es hat sich ausbezahlt, dass ich immer gekämpft habe», so Vonn weiter.

«Ich war kaum nervös, hatte keine Ziele und bin einfach drauflosgefahren, erklärte die zweitplatzierte Österreicherin Stephanie Venier. Sie war erst am Freitagabend nach dem Startverzicht von Anna Veith und der Absage des Trainings vom Samstag als vierte Starterin aus dem österreichischen Team nominiert worden.

Zu den grossen Geschlagenen zählte Tina Weirather. «Das war von oben bis unten nicht, was ich mir vorgenommen hatte. Ich war verunsichert, passiv und nicht aggressiv genug. Im Ziel wusste ich: Das war nicht gut», kommentierte die Liechtensteinerin ihre Fahrt.

St. Moritz. WM-Abfahrt der Frauen: 1. Ilka Stuhec (SLO) 1:32,85. 2. Stephanie Venier (AUT) 0,40 zurück. 3. Lindsey Vonn (USA) 0,45. 4. Sofia Goggia (ITA) 0,52. 5. Laurenne Ross (USA) 0,72. 6. Christine Scheyer (AUT) 0,94. 7. Fabienne Suter (SUI) 1,03. 8. Michelle Gisin (SUI) 1,04. 9. Ramona Siebenhofer (AUT) 1,12. 10. Tina Weirather (LIE) 1,18. Ferner: 12. Jasmine Flury (SUI) 1,51. 18. Corinne Suter (SUI) 1,80.

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