Das Erfolgspuzzle wird immer schwieriger

Die Speedrennen der WM sind vorbei: Die Erkenntnisse aus diesen sechs Rennen.

Fans am 8. Februar in Beaver Creek: Die sechs Speedrennen sind vorbei. Foto: Brennan Linsley / Keystone

Fans am 8. Februar in Beaver Creek: Die sechs Speedrennen sind vorbei. Foto: Brennan Linsley / Keystone

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Wer in der Männerabfahrt auf das Podest Patrick Küng, Travis Ganong, Beat Feuz gesetzt hätte, hätte ordentlich Geld verdient. Mit Blick auf die Weltcupsaison fehlten die grossen Favoriten: Wo war Kjetil Jansrud, der Norweger war der Dominator im Speedbereich? Wo die Österreicher um Hannes Reichelt, den stolzen Sieger vom Lauberhorn? Wo der Italiener Dominik Paris, der im Weltcup dreimal aufs Podest gefahren war?

Sollte sich der Laie wundern über das Resultat, so steht er damit nicht alleine da. Wer bei Fachleuten nach Aufklärung suchte, blieb ohne Ergebnis. So wenig, wie die Schweizer Trainer den Erfolg erklären konnten, so ratlos blieben die österreichischen Coaches in ihrer denkwürdigen Niederlage. In den Gesprächen mit ihnen nach der Abfahrt dominierte ein Wort: vielleicht. Vielleicht habe man sich in der Abstimmung vertan, hiess es beim ÖSV.

Aber warum war genau diese im ­Super-G beim Sieg von Reichelt so gut? Schulterzucken. Vielleicht, schimpften italienische Betreuer, spielte der Wind doch eine entscheidende Rolle. Warum fuhr dann Feuz zu Bronze, obwohl er die mit Abstand schlechtesten Bedingungen hatte?

Männer: Weltspitze sehr breit

«Vielleicht», sagte der Schweizer Cheftrainer Thomas Stauffer, «war unsere Strategie nach den kraftraubenden Wochen in Wengen und Kitzbühel entscheidend.» Während die anderen Teams sofort nach Aspen reisten, um intensiv zu trainieren, blieben die Schweizer zwei Tage in Denver. Ein wenig Kondition stand zwar auf dem Programm, «aber sonst sollten die Jungs einfach nichts tun, was mit Skifahren in Verbindung stand», sagte Stauffer, «sie sollten sich bloss erholen.» Als grosser Stratege wollte er sich damit nicht verkaufen, «wären wir Vierter und Fünfter geworden, hätten alle gefragt: Wieso habt ihr nicht mehr trainiert?»

Die Unsicherheit in den Erklärungen zeigt vor allem eines: Der Erfolg im alpinen Skisport ist mittlerweile von derart vielen Puzzleteilen abhängig. Der Athlet muss bereit sein, am Tag X alles abzurufen, was er kann, das leichteste Zögern wirft ihn nicht um einen Platz zurück, sondern so weit, dass er mit dem Podest nichts mehr zu tun hat. Die Dichte in der Weltspitze ist bei den Männern so gross, dass selbst der kleinste Zweifel nicht erlaubt ist. Und es braucht Glück. Der Unterschied zwischen Wolken am Himmel und wolkenlosem Himmel beträgt schon bei Gleitstrecken von 20 Sekunden zwischen zwei und fünf Zehnteln.

Frauen: Nur eine Überraschung

Bei den Frauen ist die Ausgangslage etwas anders. Da lagen im Super-G exakt die sieben Fahrerinnen vorne, denen man Medaillenpotenzial zugeschrieben hatte. In der Abfahrt war nur überraschend, dass Lindsey Vonn keine Medaille gewann. Der Rest war wie erwartet. Dies hat zwei Gründe: die eindeutig weniger breite Spitze im Frauenrennsport verglichen mit den Männern; und die anspruchsvolle Raptor-Piste in Beaver Creek. Da haben wirklich nur die Besten eine Chance, und die sind an anderthalb Händen abzuzählen – siehe Resultat Super-G.

Ein Coup, wie er Dustin Cook (Silber im Super-G) gelang, wäre bei den Frauen nicht möglich gewesen. Er ist ein Fahrer, der zuvor nur durch Abschnittsbestzeiten und gute Trainingsfahrten aufgefallen war. Er überraschte alle – ausser sich selbst – und bewies: Stimmen am Tag X alle Details, kann auch ein Fahrer ohne grosses Palmarès eine Medaille holen, wenn er bereit ist, alles zu riskieren, wenn er genau die Balance zwischen Limit und Ankommen findet. Wie Küng in der Abfahrt.

Der alpine Skisport ist in seiner Entwicklung weit gekommen. In Sachen Material, physischer und mentaler Vorbereitung, in Sachen Bau und Präparation von Strecken. Das zeigten die grossartigen Speedwettkämpfe in Beaver Creek vorbildlich. Und wir werden in den nächsten Tagen sehen, dass die Slalom- und Riesenslalom­rennen ihnen in nichts nachstehen werden.

Erstellt: 09.02.2015, 23:17 Uhr

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