Die Medaille ist da

Nach dreimal WM-Silber gewann Lara Gut in der Abfahrt von Beaver Creek Bronze.

Gute Miene zum ärgerlichen Rennausgang: Lara Gut in Bronzepose. (Bild: Jean-Christophe Bott, Keystone)

Gute Miene zum ärgerlichen Rennausgang: Lara Gut in Bronzepose. (Bild: Jean-Christophe Bott, Keystone)

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Glücklich war Lara Gut nicht. Wie nach Bronze in der Olympia-Abfahrt von 2014 zeigte die Tessinerin, wie sehr eigentlich nur der Sieg für sie zählt. «Es ist ok, eine Medaille zu haben», sagte sie, «aber als Sportlerin will man immer die bestmögliche Leistung abliefern, ich will mein bestes Skifahren zeigen.» Das sei ihr nicht gelungen, das sei ihr auch bei Olympia nicht gelungen, also woher sollte der grosse Jubel kommen? «Das einzige, was ich im Ziel dachte, war: Mist», sagte Gut. Da lag sie hinter Anna Fenninger – Tina Maze und Lindsey Vonn warteten auf den Start. Realistisch hiess das: Rang 4.

Doch am Ende blieb Bronze und damit ist der grösste Druck weg für die Schweizer Delegation. Es gibt in Beaver Creek keine medaillenlosen Weltmeisterschaften. Wie vor zwei Jahren in Schladming sorgte Lara Gut dafür, dass das Minimalziel erreicht wird. Für sie selbst war es die Fortführung einer erstaunlichen Serie: Ausser bei der WM 2011 in Garmisch stand die Tessinerin bei jedem Grossevent auf dem Podest.

«Der eine blöde Fehler»

Die Raptor-Strecke liegt Gut zwar, der eher frühlingshafte Schnee aber nicht. «Lara liebt es, wenn die Piste pickelhart ist, wenn sie vom Ski permanente Rückmeldung bekommt», sagte Cheftrainer Hans Flatscher. Gestern kam sie ganz gut zurecht, «aber dann unterlief mir dieser eine blöde Fehler», schimpfte sie mit sich selbst, «er hat mich sechs Zehntel gekostet».

Eine ehrgeizige Frau wie sie macht es schier wahnsinnig, wenn sie auf eine starke Fahrt zurückblicken kann, bei der es nur an einem Tor nicht funktioniert hat. «Das ist nur ein Moment», sagte sie, «aber die Auswirkung war gross, denn ich musste auf die Linie zurückfinden. Das kostet so viel Zeit.» Nun kämpft sie am Montag in der Kombination und am Donnerstag im Riesenslalom um die ­perfekte Fahrt. Und wenn es wieder nicht klappt? «Weiterarbeiten, härter werden, weiter probieren.» Ein überzeugendes Konzept.

Wieder Frust bei Sutter

Die Schweizerinnen sorgten mit Guts Medaille und den Rängen 7 (Nadja Jnglin-Kamer) und 9 (Fabienne Suter) für ein starkes Teamergebnis, sie bestätigten ihre Qualität im Speedbereich, auch wenn Marianne Abderhalden (29.) enttäuschte. Aber es war halt wieder einmal Gut, die ihren Job richtig gut erfüllte. Nach dreimal Silber ist es ihre erste WM-Bronzemedaille, die letzten Schweizer Medaillengewinnerinnen an einer WM, die nicht Lara Gut heissen, waren Corinne Rey-Bellet (Abfahrt) und Marlies Oester (Kombination) 2003 in St. Moritz. Fabienne Suter reagierte auf die erneut verpasste Chance fatalistisch. «Dieser Hang liegt mir so gut», sagte die Schwyzerin, «wenn ich es hier nicht schaffe, schaffe ich es nirgendwo.» Den Grund hatte sie schnell gefunden. «Vor lauter angreifen und riskieren bin ich nicht präzise genug gefahren.» Es war ihr ­achter Versuch, eine Medaille bei WM oder Olympia zu gewinnen, «ich will es jedesmal zu sehr, und es wird mit jedem Grossanlass schlimmer». Flatscher wird viel Überzeugungsarbeit brauchen, um die 30-Jährige zum Weitermachen zu überreden.

Weniger eindeutig war die Gemütslage bei Nadja Jinglin-Kamer. Sie hatte sich nach einer Knieverletzung in letzter Minute für die WM qualifiziert. «So ge­sehen ist ein 7. Rang gut für mich», sagte sie. Ihre Mimik sagte etwas anderes. «Ich bin tatsächlich hin- und hergerissen», gab sie zu, «wenn ich nur fünf Hundertstel schneller gewesen wäre…» Dann nämlich wäre sie, wie vor zwei Jahren in Schladming, Vierte geworden. Für andere oft ein undankbarer Platz, hätte sie ihn noch so gerne genommen. «Vor ­allem wäre ich dann am Abend an der Medaillenvergabe dabei gewesen», sagte sie. Dort sind die ersten Sechs geladen, Jinglin-Kamer aber gerade nicht mehr.

Erstellt: 06.02.2015, 22:49 Uhr

Tina Maze: Weltmeisterin auf der ungeliebten Strecke

Der Auftritt von Tina Maze an der WM in Beaver Creek wird immer erstaunlicher. Was hatte sie noch vor Beginn gesagt? «Diese Raptor-Strecke liegt mir nicht wirklich, ich habe grossen Respekt davor.» Und jetzt? Silber im Super-G, Gold in der Abfahrt vor Anna Fenninger, die im Super-G noch vor ihr lag. «Ich bin selbst überrascht», sagte Maze gestern. Immerhin das. Mit 31 Jahren und 9 Monaten ist sie die älteste Weltmeisterin der Geschichte. Neben Arbeit – ihrer Lieblingserklärung für den Triumph – nannte sie einen anderen Grund für ihre Erfolge: «Ich war noch nie schwer verletzt, das hilft enorm, ans Limit zu gehen – und nicht zu wissen, wie schmerzhaft es sein kann, im Netz zu liegen.»

Lindsey Vonn hat das bereits erfahren müssen, nach zwei Kreuzbandrissen kehrte sie in diesem Winter zurück, um an der Heim-WM zum grossen Star zu werden. Nun scheint es ein Drama zu werden. Nur Bronze im Super-G war halb so schlimm, weil es ja noch die Abfahrt gab. Die ist jetzt durch, und Vonns wurden abgeschlagen Fünfte. ­Erschüttert sass sie lange im Materialzelt und starrte auf den Boden. «Das ist mein Heimatort», sagte sie dann, «ich wollte den Menschen im Ziel unbedingt etwas zum Jubeln geben.»
Dieser Jubel erstickte jäh. Was sich am Vortag im Training andeutete wurde gestern Gewissheit: Vonn tut sich auf der Raptor-Piste schwer, wenn die Verhältnisse nicht wirklich pickelhart sind. Auf der eher ­weichen Strecke wirkte sie verunsichert. «Ich habe versucht, eine gute Linie zu finden, aber es hat nicht geklappt.» Nun bleibt ihr eigentlich nur noch die ­Kombination am Montag. Kann das ein Trost sein? (can.)

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