Fenninger im Flow zum zweiten Gold

Die Österreicherin gewann nach dem Super-G auch den Riesenslalom, Tina Maze verpasste das Podest und ihr Ziel von fünf Medaillen. Lara Gut schied im ersten Lauf aus.

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So schnell kann es gehen. Weil Tina Maze gestern im Riesenslalom nur Fünfte wurde, kann sie nicht mehr von Medaillen in allen fünf Einzelrennen träumen. Die Show stahl ihr eine andere. Anna Fenninger gewann mit unheimlichen 1,40 Sekunden Vorsprung vor Viktoria Rebensburg (De) und Jessica Lindell-Vikarby (Sd). Neben Maze erlebten auch die US-Frauen eine Enttäuschung: Mikaela Shiffrin wurde nur Achte, damit warten sie weiter auf die zweite Medaille nach Lindsey Vonns drittem Rang im Super-G.

Fenninger bewies, dass sie sich in einer beneidenswerten Form befindet. «Ich bin in einem Flow», sagte sie, «aber ich kann nicht wirklich erklären, wie ich da hineingekommen bin.» Nicht einmal ein grober Fehler im zweiten Lauf hielt sie auf. Beim Umlegen der Ski vor einer Rechtskurve blieb der rechte hängen, ihre Ski überkreuzten sich beinahe. Doch weil der Fehler im Steilhang geschah, hielt sich der Zeitverlust in Grenzen. «Ich hatte so viel Glück», sagte sie hinterher, «da wäre ich beinahe auf der Pappn gelandet.» «Pappn» lässt sich in diesem Zusammenhang am besten mit «Schnauze» übersetzen.

Aufatmen in Deutschland

Rebensburg holte die erste WM-Medaille für das deutsche Team, und das in der Disziplin, in der sie sich die geringsten Chancen ausgerechnet hatte. Zwar war sie 2010 Olympiasiegerin im Riesenslalom geworden, doch im Laufe der Zeit waren ihr Abfahrt und Super-G immer mehr ans Herz gewachsen. Ausgerechnet auf der Raptor-Piste in Beaver Creek, die ihr wegen der technischen Schwierigkeiten so liegt, verpasste sie die angestrebte Medaille. Da musste halt ihre alte Liebe Riesenslalom wieder herhalten. «Nach Rang 11 im ersten Lauf wusste ich, dass ich volle Kanne fahren muss», sagte sie. «Es ist ein Wahnsinn, dass es noch gereicht hat.»

Wendy Holdener war die beste Schweizerin, nach ihrem starken Auftritt im Teamevent gibt ihr der 17. Rang noch mehr Zuversicht für den Slalom von morgen. Auch wenn ihr der zweite Lauf weniger gut gelang, «ich bin die Schwünge nicht fertig gefahren», sagte sie. Michelle Gisin wurde 32., ihre Schwester Dominique (19.) war nach dem ersten Lauf frustriert, weil sie zweieinhalb Wochen nach ihrer Schienbeinverletzung «den Mut nicht fand, um wirklich alles zu riskieren», wie sie sagte. Im zweiten Durchgang sah das aber schon wieder ganz anders aus, «das war ein Schritt in die richtige Richtung».

Gut mit gemischten Gefühlen

Lara Gut beendete ihre WM mit einem Ausfall bereits im ersten Lauf. Wie die Kronfavoritin Eva-Maria Brem (Ö) schied sie an einer der ganz heiklen Stellen aus. «Ich hatte die Fahrt von Mikaela Shiffrin gesehen», sagte Gut, «und dachte, ich kann dieses Tor etwas direkter anfahren und Zeit sparen.» Es ging nicht.

Für die Tessinerin ging die WM mit gemischten Gefühlen zu Ende. «Es ist toll, dass ich eine Medaille mitnehme, das ist nicht selbstverständlich», sagte sie. «Jetzt stand ich – ausser in Garmisch 2011 – bei jedem Grossanlass auf dem Podest.» Dennoch hatte sie sich mehr ausgerechnet, «ich wusste, dass ich auf dieser Strecke schnell sein kann, und ich habe nicht alle Chancen genutzt». Sie müsse daraus lernen und konstanter fahren, sagte sie, vor allem müsse sie im Wettkampf öfter das abrufen, was sie könne.

Erstellt: 13.02.2015, 00:25 Uhr

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