«Ich musste gar nie ans Limit»

Patrick Küng schaffte es, bei der WM-Abfahrt in Beaver Creek genau im richtigen Moment in einen Flow zu geraten. Warum diesmal – im Gegensatz zu früheren Wettkämpfen – alles stimmte.

Schon bei der Zielankunft wusste Patrick Küng, dass ihm eine gute Fahrt gelungen war: Der Jubel des Weltmeisters. Foto: Keystone

Schon bei der Zielankunft wusste Patrick Küng, dass ihm eine gute Fahrt gelungen war: Der Jubel des Weltmeisters. Foto: Keystone

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In der Pressekonferenz wirkte Patrick Küng lange Zeit irgendwie abwesend, als sei ihm gar nicht bewusst, was eben passiert ist. Dass nämlich erstmals nach 18 Jahren und Bruno Kernens Sieg in Sestriere der Abfahrtsweltmeister wieder aus der Schweiz kommt. Als dann die Fragen kamen, war der 31-Jährige Weltmeister sofort hellwach.

Patrick Küng, vor zwei Monaten schieden Sie in Beaver Creek zweimal aus, jetzt wurden Sie hier Weltmeister. Was ist das für ein Gefühl?
Irgendjemand da oben (er zeigt mit dem Finger zum Himmel) hat offenbar geschaut, dass es diesmal besser geht. Denn im Prinzip muss ich von Glück reden, dass ich an der WM überhaupt dabei sein darf. Ich konnte damals einen üblen Sturz nur knapp vermeiden, sonst hätte ich diesen Event daheim auf dem Sofa verfolgen können.

Wenn Sie schon Himmelsmächte bemühen. Hatten Sie das Gefühl, dass bei Grossanlässen ein Fluch auf Ihnen lastet?
Fluch? Auf jeden Fall gingen Grossanlässe bei mir bisher immer nach hinten los, und zwar im wahrsten Sinn des Wortes…

... bei Olympia in Sotschi litten sie an einer Magen-Darm-Grippe…
… und ich war damals richtig gut in Form, hatte im ersten Training die zweitschnellste Zeit.

Haben Sie sich bei der WM-Abfahrt auch deshalb speziell unter Druck gefühlt?
Nein, ich war am Start sehr ruhig und konzentriert. Ich spürte vom ersten Tor an, dass ich einen superschnellen Ski hatte. Deshalb musste ich gar nie ans Limit, und das ist gerade auf dieser anspruchsvollen Strecke sehr hilfreich. Es war irgendwie alles im Fluss.

Es überrascht, dass Sie in diesen Flow kommen konnten, schliesslich verlief die Saison bisher nicht optimal.
Jaja, diese Kritik höre ich nicht zum ersten Mal. Schon nachdem ich von meinem Kreuzbandriss zurückkam, wurde mehr erwartet, als realistisch war. Ich bin aber eigentlich immer gut gefahren. Auch als ich vergangenen Dezember zweimal in Beaver Creek raus bin, war ich gut unterwegs. Andere mögen an mir gezweifelt haben, die Medien, auch die Trainer, ich selbst nicht.

Jetzt sind Sie Weltmeister, und zwar der erste seit Bruno Kernen 1997.
Das ist sehr schön. Die Schweiz ist ja eine Skination, deshalb ist es höchste Zeit, dass dieser Titel wieder uns gehört.

Dominique Gisin qualifizierte sich in Sotschi im letzten Training für das Rennen und wurde Olympiasiegerin. Sie qualifizierten sich ebenfalls erst im letzten Training. Brauchen Schweizer speziellen Druck?
Es ist immer gut, wenn man eine Qualifikation fahren muss, vor allem, wenn man wie ich auf dem 7. Platz der Weltcupstartliste liegt. Das zeigt, wie stark das eigene Team ist. Aber ich hatte mir keine Sorgen um die interne Qualifikation gemacht, ich war schon sehr überzeugt, dass ich das schaffe.

Sie haben seit vergangenem Frühjahr einen neuen Cheftrainer. Welchen Anteil hat Thomas Stauffer am Erfolg der Schweizer?
Einen sehr grossen, Tom hat sehr viel Ruhe in das gesamte Gebilde gebracht. Aber ich bin jetzt auch schon 31 Jahre alt, mein Umfeld ist sehr stabil, einzelne Trainer sind für mich nicht so wichtig.

Woran dachten Sie, als Sie ganz oben auf dem Podest standen?
An meine Fahrt, die war wirklich gut, ich wusste schon beim Zielsprung, dass es gut wird. Und ich habe an meine Familie gedacht, die musste so oft unten durch mit mir… es war deshalb besonders schön, dass die ganze Familie hier in Beaver Creek ist, bei der Siegerehrung im Stadion standen sie genau gegenüber von mir, ich konnte gar nicht an ihnen vorbei schauen.

Erstellt: 08.02.2015, 00:27 Uhr

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