Kleine Schritte bis zur Heim-WM

Anna Fenninger, Tina Maze, Ted Ligety und Marcel Hirscher prägten eine Ski-WM, die in Beaver Creek zum Fest wurde. Die Schweizer feierten mit, für die Zukunft stellen sich aber Fragen.

Jubel über zweimal Gold und einmal Silber: Die Österreicherin Anna Fenninger.<br />Foto: Harald Steiner (Gepa)

Jubel über zweimal Gold und einmal Silber: Die Österreicherin Anna Fenninger.
Foto: Harald Steiner (Gepa)

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Die Ski-WM 2015 in Vail/Beaver Creek hat Massstäbe gesetzt. Wer hätte gedacht, dass im Land des American Football, Basketball, Baseball und Eishockey 130 000 Zuschauer zu dieser Randsportart kommen? Es war ein grandioses Skifest am Fusse der vorbildlich präparierten Birds-of-Prey- und Raptor-Pisten, das von den Einheimischen Ted Ligety und Mikaela Shiffrin, aber ebenso von Anna Fenninger (Ö), Tina Maze (Sln) und Marcel Hirscher (Ö) geprägt wurde.

Und die Schweizer Delegation war nicht immer in der ersten Reihe, aber dank Abfahrtsweltmeister Patrick Küng einmal mit dem Hauptdarsteller dabei. Es gab zwei weitere Medaillen, Beat Feuz und Lara Gut gewannen Bronze, ebenfalls in der Abfahrt. «Wir hatten drei Medaillen als Ziel ausgegeben», sagt Alpindirektor Rudi Huber. Ziel also erreicht, alles gut, bis bald im Weltcup? Dieser Schluss wäre zu einfach, er wäre falsch und gefährlich, das sehen auch Huber und die beiden Cheftrainer Thomas Stauffer (Männer) und Hans Flatscher (Frauen) so.

Es fehlt an der Breite

Stauffer und Flatscher sind froh um die Medaillen. Aber sie sind enttäuscht, dass nicht mehr Podestplätze erreicht wurden. Stauffer denkt vor allem an die Kombination, Flatscher an den Super-G und ein wenig auch an den Slalom. Dort schieden Wendy Holdener und Michelle Gisin aus. Enttäuschend für alle, aber Flatscher ist überzeugt, dass beide auf bestem Weg sind, ein sicherer Wert zu werden. «Nur», sagte er auch, «das sind bloss zwei, was wir brauchen, ist bald wieder ein Technikteam.» Kurz: Es fehlt an der Breite.

Bezeichnenderweise wurde an der Bilanzmedienkonferenz fast mehr über die Zukunft als über Beaver Creek geredet. Der nächste Grossevent ist die WM 2017, daheim in St. Moritz. Wie ist es zu schaffen, dass dann zwei starke, breit abgestützte Teams am Start sind, dass nicht alles an den üblichen Medaillenkandidaten hängt? Die Antworten darauf klangen kämpferisch, aber konkrete Lösungsvorschläge waren nicht dabei. Wie auch, es gibt nicht die ganz grosse Menge an Talenten, weder bei den Männern noch bei den Frauen. Huber sagte es deutlich: «Wir bilden viele Skifahrerinnen und Skifahrer aus, aber von ihnen schaffen es viel zu wenige nach oben.»

Personelle Veränderungen

Huber hat die Situation in den vergangenen anderthalb Jahren analysiert, er wird an der Grundstruktur – drei nationale, dazu die regionalen Leistungszentren – zumindest bis 2017 nichts ändern, «aber im personellen Bereich haben wir schon gehandelt, und es wird weitere Veränderungen geben.» Zudem übernimmt der langjährige Chef Nachwuchs, Franz Hofer, eine neue Aufgabe im Verband. Sein Nachfolger «wird sich mehr um den Sport und weniger um die Organisation kümmern», sagt Huber.

Das Ziel ist klar, es müssen im Winter 2015/2016 deutlich mehr Athletinnen und Athleten unter den Top 15 im Weltcup sein, vor allem im Riesenslalom. «Denn nur dann», sagt Stauffer, «besteht zumindest die Chance, dass sie im Jahr darauf unter die Top 10 kommen.» Also im WM-Jahr von St. Moritz zumindest Tuchfühlung mit der Weltspitze haben.

Es sind hohe Ambitionen. Denn wenn die Ski-WM 2015 etwas gezeigt hat: Das Niveau ist geradezu atemberaubend hoch, und bei den Männern ist die Spitze enorm breit. Der Super-G und Riesenslalom der Männer, der Slalom der Frauen – das war Spektakel pur. In vielen Ländern wird inzwischen mit professionellen Strukturen gearbeitet. Erhöhte Preis- und Sponsorengelder ermöglichen es auch kleinen Verbänden, gute Trainer zu verpflichten.

Ein Kjetil Jansrud spürte die neue Klasse besonders bitter. Dem grossen Dominator der Speedrennen des Winters blieb nur Silber in der Kombination. Lindsey Vonn hatte nicht mehr den Hauch einer Chance in der Abfahrt, weil sie – wieso auch immer – nicht fähig war, im entscheidenden Moment 100 Prozent abzurufen. Tina Maze fuhr drei Rennen lang fast alle in Grund und Boden, aber als sie müde war, schaffte sie es gegen die grosse Konkurrenz nicht mehr aufs Podest.

Was machen die Arrivierten?

Können die Betreuer bei Swiss-Ski die sehr wenigen wirklichen Talente innert so kurzer Zeit auf ein derart hohes Niveau bringen? Die schleppende Entwicklung des Riesenslalomteams der Männer lässt nicht gross hoffen, gerade in dieser Disziplin waren die Jungen in Beaver Creek eine herbe Enttäuschung für ihre Trainer. Was machen die Arrivierten bei den Frauen, fahren Fabienne Suter und Dominique Gisin tatsächlich noch mindestens zwei Jahre? Ohne sie hat Flatscher ein ganz grosses Problem. Und eine so wichtige wie interessante Frage: Wie geht es bei Lara Gut weiter? Sie sagte in ihrer persönlichen WM-Bilanz, dass sie öfter ihr Potenzial im Rennen abrufen müsse. Mit ihrer Erfahrung ist das eine brisante Aussage, es wird spannend sein, welche Antwort sie in der Analyse mit ihrem Vater und Coach Pauli, aber auch mit Flatscher und seiner Crew findet.

Das Skifest in Beaver Creek ist vorbei. Die Schweizer durften mitfeiern. Nun braucht es viele kleine Schritte, damit bis St. Moritz 2017 nur schon das Niveau gehalten werden kann.

Erstellt: 15.02.2015, 22:58 Uhr

Flug zum einzigen Schweizer WM-Gold: Patrick Küng. Foto: Stephan Jansen (Keystone)

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