Neue Aufgaben gegen den Frust

Das Frauen-Speedteam will heute in der Abfahrt den Super-G vergessen machen.

Fabienne Suter will nach dem Ärger im Super-G nach vorne schauen. Foto: Keystone

Fabienne Suter will nach dem Ärger im Super-G nach vorne schauen. Foto: Keystone

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Es gibt Momente, in denen lässt man ­Fabienne Suter am besten in Ruhe. Am vergangenen Dienstag war ein solcher. Im Super-G hatte die Schwyzerin bei heftigstem Wind nicht den Hauch einer Chance auf ein vernünftiges Resultat gehabt. Wortlos zog sie von dannen, wortlos war sie danach auch im Teamhotel, «es hilft mir dann am meisten, wenn ich mit der Familie skypen kann», sagte sie tags darauf. Nicht einmal Nadja Jnglin-Kamer, die sonst stets für gute Laune sorgt, kann sie an solchen Tagen aufheitern. Die Teamkollegin weiss das, «man muss das Gespür dafür haben, wann jemand lieber seine Ruhe hat». Cheftrainer Hans Flatscher sagt: «Das meiste regelt die Zeit.»

Am Tag danach sah es tatsächlich ­bereits ganz anders aus. «Heute kann ich wieder lachen», sagte Suter. Was nicht heisst, dass sie den Super-G schon ganz vergessen hätte. «Man arbeitet den ­ganzen Sommer auf dieses Rennen hin, und dann . . .» Sie bricht ab, schüttelt den Kopf, der Frust sitzt tief.

Aber wie Suter wieder Auskunft gab, wie aufgestellt sie wirkte, das war erstaunlich. Früher haderte sie viel länger mit solchen negativen Resultaten, von denen sie bei Grossereignissen schon sehr viele wegstecken musste. Suter war die Grüblerin, eine verschlossene Frau, die sich schwertat, über ihr Tun zu reden. Heute antwortet sie ausführlicher und offener, sie schaut dem Gesprächspartner in die Augen, wirkt positiver.

«Sie hat sich verändert», sagt auch Flatscher, «ich kenne sie seit drei Jahren, und sie war mental noch nie so stark wie jetzt.» Er sei felsenfest davon überzeugt, dass der Tag komme, an dem Suter in Form einer Medaille zurückbezahlt ­bekomme, was sie seit Jahren ins Ski­fahren stecke. Der erste Satz, sagt ­Flatscher und lächelt, den er nach dem Super-G an sie gerichtet habe, sei gewesen: «Jetzt musst du halt noch vier Jahre weiterfahren und zwei Weltmeisterschaften und einmal Olympia mitmachen.»

Nicht mehr gross darüber reden

Wie geht man generell mit einem negativen Erlebnis um wie dem Super-G, der so gar nicht den Erwartungen von ­Fahrerinnen und Betreuern entsprach? Das hänge vom Typ ab und davon, was passiert sei, sagt Speedtrainer Roland Platzer. «Lara Gut zum Beispiel hat ­genau gewusst, was sie falsch gemacht hat», sagt er, sie sei viel zu rund gefahren, habe anfangs die Kurven angedriftet. Da müsse man nicht mehr gross ­darüber reden, zumal sie vor allem mit ihrem Coach und Vater Pauli kommuniziert. Platzer hatte vorerst gar ­keinen Kontakt mit ihr. «Es läuft sicher viel über Pauli», sagt Flatscher, «aber so einfach ist das schon nicht: Wir haben durchaus nochmals deutlich angesprochen, warum sie nie wirklich auf Zug ­gefahren ist.» Warum sie also ausgerechnet im ersten WM-Rennen das nicht ­umsetzen konnte, was sie bei ihrem Sieg in St. Moritz, was sie seither in jedem Training so gut ­gemacht hatte.

Generell aber sei in einem solch schwierigen Moment entscheidend, dass nicht zu lange das Negative im ­Vordergrund stehe, sagt Flatscher. «Man spricht mit wenigen Sätzen an, was schiefgelaufen ist, dann aber muss man den Fahrerinnen schon die nächste ­Aufgabe stellen, damit sie nach vorne schauen und sich bereits wieder auf ein ­anderes Ziel konzentrieren.»

In diesem Fall ist das die Abfahrt von heute. Lara Gut gehört dabei wieder zum Kreis der Favoritinnen. Fabienne Suter hat bei ihrer insgesamt sechsten WM-Teilnahme allemal Chancen auf eine Medaille. «Ich bin überzeugt», sagt ­Flatscher, «dass sie diese Situation nicht mehr als Belastung sieht, sondern als Herausforderung angenommen hat.» ­Suter selbst sagt, dass sie die Abfahrt auf keinen Fall als Revanche für den Super-G sehen darf, «im Skisport kann man nichts erzwingen». Es muss passieren.

Erstellt: 05.02.2015, 23:09 Uhr

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