Shiffrins Tanz zu Gold

Die US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin verteidigt ihren WM-Titel im Slalom. Charlotte Chable ist als Fünfzehnte die einzige Schweizerin im Ziel.

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Die letzten Trümpfe des US-Teams stechen. Mikaela Shiffrin wurde gestern im Slalom ihrer Favoritenrolle gerecht und folgte ihrem Landsmann Ted Ligety, der am Freitag im Riesenslalom die Zuschauer mit Gold schon in Verzückung versetzt hatte. Die Art und Weise, wie die erst 19-Jährige in ihrer Heimatstadt die Nerven behielt, das war beeindruckend. «Es gibt keinen besseren Platz in der Welt, um einen WM-Titel zu gewinnen», sagte sie, und damit flogen ihr am Tag vor dem in den USA so intensiv zelebrierten Valentinstag endgültig die Herzen der mehr als 7000 Zuschauer zu.

Die Gelassenheit von Shiffrin war den ganzen Tag über zu beobachten, nicht nur vor dem Finale, als sie minutenlang komplett ruhig im Schnee und Schatten lag, um sich bei Temperaturen um acht Grad kühl zu halten. Schon am frühen Morgen musste sie fast fünf Minuten warten, ehe sie durch die schier ewig lange Schlange von Zuschauern auf dem Weg ins Stadion zum Lift konnte. Ihr Betreuer wurde leicht nervös, Shiffrin plauderte mit den Leuten, nahm aufmunternde Glückwünsche entgegen. Nach dem ersten Lauf nahm sie sich für jedes Interview viel Zeit, sie lachte und erzählte vom Vortag: «Als Ted nach seinem grandiosen zweiten Lauf ins Ziel kam, hatte ich zwei Gedanken: Zuerst dachte ich, dieses Rennen gewinnst Du. Und dann: Danke, dass du endlich diese Goldmedaille geholt hast.»

Damit war dieser Erwartungsdruck von ihren Schultern genommen. Nun ging es nur noch darum, das umzusetzen, was sie wie momentan keine kann: Ruhig und zentral über dem Ski stehen, ohne den kleinsten Wackler auch knifflige Tor-Kombinationen bewältigen, sie tanzte wieder durch die Tore. «Ich habe die vergangenen Tage oft auf weichem Schnee trainiert», sagte sie, «und der Schnee erinnert mich an die Verhältnisse bei Olympia.» In Sotschi holte sie Gold, wie zuvor bei der WM 2013 in Schladming. Die Schwedin Frida Hansdotter hatte nach dem ersten Lauf als Zweitplatzierte zwar gemeint, «die vier Zehntel auf Mikaela sind aufzuholen», sie versuchte auch alles, lag bis zur letzten Zwischenzeit sogar vorne, aber am Ende reichte es nicht zum Sieg, Silber wurde von der Schwedin aber ausgiebig gefeiert. Sarka Strachova holte Bronze, sie wurde unter ihrem Mädchennamen Zahrobska 2007 bereits Slalom-Weltmeisterin.

Holdener und Gisin schieden im zweiten Lauf aus

Auch Wendy Holdener suchte im zweiten Durchgang den «hammermässigen Lauf», wie die Schwyzerin sagte. «Ich habe mich auf der ruppigen Piste nie richtig wohl gefühlt», sagte sie, blickte auf die Zeit, und sagte: «Die Ausgangslage ist auf jeden Fall besser als meine Fahrt». Sechs Zehntel fehlten auf einen Podestplatz, sie probierte alles, fuhr deutlich aggressiver – und schied aus. Michelle Gisin kam mit der Strecke gar nicht zurecht. Nachdem sie schon im ersten Lauf zu viele Tore «andriftete statt die Ski gehen zu lassen», wie sie sagte, schied sie im zweiten Durchgang bereits nach wenigen Toren aus.

Ganz anders präsentierte sich Charlotte Chable. Die 20-jährige Waadtländerin zeigte bei ihrem WM-Debüt einen beherzten Auftritt, im zweiten Durchgang gelang ihr gar die siebtbeste Laufzeit. Chable, die erst einmal im Weltcup gestartet ist, wurde erstaunliche 15.

Erstellt: 14.02.2015, 23:55 Uhr

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