Wenn sie bloss gesund bleiben

Das Gebilde bei den Schweizer Skifahrern funktioniert so gut wie seit Jahren nicht mehr.

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Bereit sein am Tag X. Der Traum eines jeden Sportlers. Patrick Küng und Beat Feuz haben es am Samstag geschafft, sie waren bereit, auf der schwierigen Raubvogel-Piste von Beaver Creek Gold und Bronze zu holen.

Das ist in erster Linie ihr Verdienst. Der Lohn für jahrelange Arbeit, für den Kampf gegen Zweifel, für unverdrossene Aufbauarbeit. Patrick Küng erlitt 2012 einen Kreuzbandriss, als er ­zurückkam, befand sich das gesamte Team in einer tiefen Krise. Küng liess sich nicht beirren, nicht von über­triebenen Erwartungen der Öffent­lichkeit, nicht von der eigenen ­Ungeduld. Feuz traf es noch härter, ihm drohte nach einem völlig missglückten Eingriff am Knie gar der Verlust des Beines. Kaum jemand glaubte daran, dass er es nochmals schaffen würde. Er biss sich durch.

Doch der Triumph von Beaver Creek ist eben auch eine Teamleistung. Carlo Janka (9.) und Didier Défago (11.) waren an diesem Tag X ebenso bereit, alles zu riskieren, «ihr ganzes Herzblut zu geben», wie Abfahrtsolympiasiegerin Dominique Gisin als begeisterte Zuschauerin sagte. Beide vergaben durch Fehler eine bessere Klassierung, aber beide zeigten, welche Qualität in ihnen steckt, wie schnell sie sein können. Alle zusammen treiben sie sich in jeder Trainingseinheit gegenseitig an. Das ist der Weg, der nach oben führt.

Der neue Speedchef Sepp Brunner hat es geschafft, eine Gruppendynamik zu entwickeln, die letztlich dazu führte, dass jeder Schweizer, der am Start war, Medaillenpotenzial hatte. Natürlich: Dahinter gibt es momentan nicht viel, aber welche andere Nation hat bloss schon vier? Keine.

Défago beendet nach diesem Winter seine Karriere, die anderen haben noch schöne Jahre vor sich. Das Gebilde mit Betreuerstab und Athleten scheint so gut zu funktionieren wie zuletzt unter dem früheren Cheftrainer Martin Rufener. Wie im Technikbereich sind auch im Speed ein paar Junge da, die Hoffnung machen. Nicht viele, aber ein paar. Der Samstag von Beaver Creek kann der Start sein für eine Wiederkehr der erfolgreichen Jahre um 2009/2010. Wenn alle gesund bleiben.

Erstellt: 09.02.2015, 00:25 Uhr

Christian Andiel berichtet täglich aus Vail und Beaver Creek von der Ski-WM.

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