Schweizer Männer enttäuschen an der Ski-WM

Den ersten Platz im Medaillenspiegel hat die Schweiz den Frauen zu verdanken. Probleme zeigen sich besonders im Männer-Abfahrtsteam.

Zenhäusern und Yule wird im WM-Slalom dieselbe Stelle zum Verhängnis. (Video: SRF)

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Es hätte eine sehr gute WM werden können für die Ski-Schweiz. Es wurde nur eine gute. Das letzte Wochenende war eine Enttäuschung. Während im Slalom der Frauen alle Last auf Wendy Holdener lag und sie nur deshalb keine Medaille holte, weil sie Gold wollte und alles riskierte, scheiterten die Männer gleich reihenweise. Drei Kandidaten gab es für einen Podestplatz. Alle drei vergaben ihre Chance im ersten Lauf. Sie fügen sich damit ein in das Bild, das die Schweizer Männer abgaben: Sie waren das schwache Geschlecht.

Platz 1 im Medaillenspiegel ist mehr als schmeichelhaft – und zwei jungen Fahrerinnen zu verdanken: Holdener, die ihren Titel in der Kombination ­erfolgreich verteidigte, und Corinne Suter, die in Super-G und Abfahrt mit Bronze und Silber verblüffte. Ramon Zenhäusern darf für sich in ­Anspruch nehmen, dass er die Schweiz zusammen mit Holdener zu Team-Gold führte. Doch das wars dann an Herrlichkeit.

Die Speedmannschaft zeigte erschreckend deutlich, dass alles nur von einem Athleten abhängt. Und verpasst dieser Beat Feuz das Podest oder enttäuscht er wie im Super-G, wird die Luft enorm dünn. Dass Marco Odermatt, zum ersten Mal an einer WM der Grossen, als Zwölfter des Super-G der Beste seines Teams war, sagt vieles.

Von unten kommt wenig

Mauro Caviezel ist nach gutem Saisonstart auf der Suche nach seiner Form; Carlo Janka ist ein Schatten seiner selbst; Marc Gisin ist verletzt; Niels Hintermann tastet sich nach seiner Schulterverletzung zögerlich an die Top 15 heran; Gilles Roulin will nach einer starken letzten Saison im Winter der Bestätigung nicht mehr ganz so viel gelingen. Nun ist Hintermann 23 und Roulin 24 – das ist kein Alter für Speedfahrer, die oft erst mit 30 auf ihrem Höhepunkt sind, weil Routine auf den Tempopisten besonders viel zählt. Dennoch stehen sie bereits im Fokus, derart schmalbrüstig ist die Mannschaft.

Und von unten kommt wenig nach. Nils Mani (26) und Ralph Weber (25) drohen ewige Talente zu bleiben, und Urs Kryenbühl (25) braucht noch Zeit, bis er den Anschluss allenfalls finden kann. Bleibt Marco Odermatt, ein junger Athlet, «um den uns die ganze Ski-Welt beneidet», wie Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann sagt. Ein 21-Jähriger als Heilsbringer – es ist ein Bild mit Symbolkraft.

Wenn sich Odermatt dereinst ganz auf die Speeddisziplinen konzentriert, kann er Schwung in das scheinbar eingerostete Team bringen, in dem sich selbst der stoische Carlo Janka über mangelnde Stimmung beschwert und welches Patrick Küng deswegen verliess. Nährboden für Erfolg ist entweder ein Teamgeist, wie ihn die Norweger haben, die alle in die gleiche Richtung ziehen. Oder ein grosser interner Konkurrenzkampf. In der Schweizer Abfahrtsmannschaft sucht man derzeit beides vergeblich.

Erstellt: 18.02.2019, 07:04 Uhr

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