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Der König regiert, die anderen hadern

Marcel Hirscher triumphiert in Adelboden im Riesenslalom wie im Slalom. Der Ausnahmekönner reüssiert am Chuenisbärgli zum siebten Mal, im Weltcup steht er schon bei 52 Erfolgen.

Das gewohnte Bild: Marcel Hirscher lässt sich bei der Siegerehrung feiern. Foto: Peter Schneider (Keystone)
Das gewohnte Bild: Marcel Hirscher lässt sich bei der Siegerehrung feiern. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Es sind die letzten Sekunden des Adelbodner Slaloms. Marcel Hirscher stürzt sich den Zielhang hinunter, sein Vorsprung scheint ähnlich wie der Schnee in der Sonne zu schmelzen. Doch als der Österreicher im Ziel abschwingt, leuchtet seine Zeit auf der grossen Videoleinwand grün auf – schon wieder.

24 Stunden nach dem Sieg im ­Riesenslalom triumphiert er auch im Stangenwald. Es handelt sich um seinen siebten Erfolg in Adelboden, den 52. im Weltcup. Zweimal muss er noch gewinnen, dann hat er den Wert seines Kindheitsidols Hermann Maier egalisiert. ­Jenen von Alberto Tomba (50) übertraf er diese Woche bereits.

Hirscher ist am Chuenisbärgli im ­Element, fehlerfreie Fahrten gelingen ihm indes keineswegs. «Die Uhr war zuletzt immer auf meiner Seite», hält der 28-Jährige fest. Wie wahr: Im Slalom setzt er sich um 13 respektive 16 Hundertstel vor Michael Matt und Henrik Kristoffersen durch. Tags zuvor waren es 17 Hundertstel gewesen, die ihn vom zweitplatzierten Norweger trennten, 21 vom Dritten Alexis Pinturault.

Gut, besser, Marcel Hirscher: Nach dem Sieg im Riesenslalom ist der Österreicher auch im Slalom nicht zu bezwingen.
Gut, besser, Marcel Hirscher: Nach dem Sieg im Riesenslalom ist der Österreicher auch im Slalom nicht zu bezwingen.
Peter Schneider, Keystone
Verändert hat sich nur die Reihenfolge der Geschlagenen. Michael Matt wird Zweiter, der übliche Zweite Henrik Kristoffersen wird Dritter.
Verändert hat sich nur die Reihenfolge der Geschlagenen. Michael Matt wird Zweiter, der übliche Zweite Henrik Kristoffersen wird Dritter.
Jean-Christophe Bott, Keystone
Ramon Zenhäusern löst als 15. das Olympia-Ticket. Luca Aerni wird 17.
Ramon Zenhäusern löst als 15. das Olympia-Ticket. Luca Aerni wird 17.
Jean-Christophe Bott, Keystone
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Dem Publikum ist die Dominanz ­Hirschers egal. Es feiert den «König von Adelboden», die Bewunderung für seine Erfolge ist deutlich spürbar, selbst wenn dieser zuweilen unnahbar wirkt. Aber vielleicht haben sich die Zuschauer ganz einfach an dieses Szenario gewöhnt: Wenn sich die besten Techniker am Chuenisbärgli die Ehre geben, sorgen die Gäste für die Musik. Der letzte Erfolg eines Einheimischen liegt zehn Jahre zurück. Marc Berthod, der damals die Fans in Ekstase versetzte, kommentiert heute für das Schweizer Fernsehen.

Schweizer: Nur ordentlich

Wenigstens musste der Bündner am ­Wochenende nicht allzu viel Kritik anbringen. Denn unter dem Strich lässt sich festhalten: Der Schweizer Auftritt in Adelboden war ordentlich – aber nicht mehr. Im Slalom klassieren sich Loïc Meillard (8.), Daniel Yule (12.), Ramon Zenhäusern (15.) und Luca Aerni (17.) in den Top 20. Er habe ein paar Fehler gemacht, meint Meillard, «dann habe ich attackiert und nicht zu viel überlegt, das hat sich ausbezahlt». Der 8. Rang ist sein zweitbestes Resultat im Weltcup: «Ich hoffe, es kommt noch mehr, aber im ­Moment bin ich zufrieden.»

Im Riesenslalom fuhren mit Justin Murisier (11.), Gino Caviezel (13.) und Elia Zurbriggen (19.) drei Swiss-Ski-­Vertreter in die Punkteränge. Es handelt sich um das beste Teamergebnis am Heimrennen seit sieben Jahren. In der Sorgendisziplin sind Fortschritte erkennbar. Und hinter Hirscher scheint ein breites Feld von Athleten in der Lage, einen Podestplatz zu erreichen.

Dazu könnte auch Murisier zählen, würden ihm nicht regelmässig Fehler unterlaufen. Auf seine Darbietung angesprochen, sagt er: «Es gibt noch ein paar Jahre, in denen ich hier starten kann und hoffentlich nicht nur Elfter werde.» Mit Caviezel und Zenhäusern haben in Adelboden überdies zwei ­weitere Schweizer die Olympiaquali­fikation geschafft.

«Ich habe etwas Abstand von allem gewonnen, das hat mir die Freude zurückgegeben, und im Moment hilft mir das schon.»

Marcel Hirscher

Fast geht vergessen, dass Hirscher vor fünf Monaten noch an Krücken ging. Im August hatte er sich einen Knöchelbruch zugezogen, verpasste deshalb den Saisonstart. Doch Hirscher kehrte, viel früher als erwartet, bereits im November zurück. Im Slalom von Levi resultierte Rang 17. Vielleicht rechnete sich die Konkurrenz an jenem Tag Chancen ­hinsichtlich der Zukunft aus.

Doch diese Hoffnung währte nur kurz. Seit Levi wurden vier Slaloms durchgeführt, alle hat Hirscher für sich entschieden. Die Pause sei nicht nur schlecht gewesen, meint er. «Ich habe etwas Abstand von allem gewonnen, das hat mir die Freude zurückgegeben, und im Moment hilft mir das schon.»

Das fehlende Olympiagold

Sechsmal hat Hirscher den Gesamtweltcup gewonnen, er ist mehrfacher Weltmeister. Nur eines fehlt ihm noch: eine Olympia-Goldmedaille. Er vermeidet es, darüber zu sprechen. In einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» betonte er explizit, dass ihn die noch fehlende Auszeichnung nicht antreibe. Wie auch immer, wer ihn in diesen Tagen fahren sieht, wird sein Geld in Südkorea kaum auf einen anderen Athleten setzen.

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