Geschichten über Feuz: Gemeine Wette und Federers Umarmung

Beat Feuz ist derzeit der beste Abfahrer und heute an der WM in Are Titelverteidiger. Der 31-Jährige von A wie Angst bis Z wie zweite Karriere.

Treue Anhänger: Die Geschichte vom Feuz-Fanclub. Video: Marcel Rohner

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A wie Angst. Er stürzt sich mit 150 km/h eisige Abfahrtspisten hinunter. Doch Angst kriegt Beat Feuz, sollte er tanzen. «Dann hat er plötzlich heftige Knieschmerzen», sagt Freundin Katrin Triendl.

B wie Bratwurst. Der Emmentaler ist nicht nur ein guter Esser, er bereitet es sich auch gerne selber zu. Allerdings nicht am Herd, beim Kochen fehlt ihm das Talent. Am Grill dagegen ist er ein Meister des Fachs.

C wie Clea. Die Tochter, geboren im Juni, ist Feuz Stolz und in Are dabei. Eingemummelt im Kinderwagen wird sie von Mutter Katrin durch die Gegend geschoben.

D wie Dorf. Bumbach: Ein Name, wie gemacht für einen, den sie Kugelblitz nennen. Auf der dortigen Skipiste in der Nähe von Schangnau im Emmental hat er seine ersten Schwünge gemacht. Den Skilift hat sein Grossvater gebaut.

E wie Englisch. Fährt Beat Feuz schnell, dauert es hinterher länger. Denn dass Englisch auch im Ski alpin längst die Sprache der Pressekonferenzen ist, ignoriert er. Sitzt er am Mikrofon, wird Deutsch gesprochen - und fleissig übersetzt.


Video: Das sagt Beat Feuz zu seinen Medaillenchanen


F wie Fondue. Es ist ein Premierensieg ohne Ansage: Siebter ist er in einer Abfahrt davor einmal geworden, dann schlägt er 2011 in Kvitfjell zu. Das hat er am Abend davor auch im Wachskeller seines Servicemanns gemacht, wo er sich heimlich ein Fondue gönnte.

G wie Golf. Er geht schon genug Risiken ein. Also weicht er diesem in der Freizeit aus. Er spielt Golf, «vielleicht kriege ich einmal einen Ball an den Grind, mehr nicht». Er hat ein Handicap von 12.

H wie Hintertür. Er ist ein Athlet zum Anfassen. Doch nach dem Abfahrtssieg an der Heim-WM in St. Moritz warten seine Fans im House of Switzerland vergeblich auf ihn. Es heisst: «Er ist durch einen anderen Eingang gekommen und isst jetzt. Er hat Hunger.»

I wie Innsbruck. Er wohnt in Aldrans, südlich der Stadt, mit Tochter und Freundin, die auf der anderen Seite, in Oberperfuss, aufgewachsen ist. In Triendls Heimatdorf gibt es einen Beat-Feuz-Fanclub und ein Beat-Feuz-Cordon-bleu.

J wie JO-Rennen. Es ist Feuz erste Verletzung: Einen Tag vor seinem achten Geburtstag brechen bei einem Sprung in einem JO-Rennen in Adelboden beide Fersen. Er sitzt drei Monate im Rollstuhl.

K wie Kräutergarten. Wer richtig grillieren will, tut gut daran, auf die Würze zu achten. Das tut Feuz, der in seinem Garten Thymian, Chili, Rosmarin, Petersilie und Rucola mit viel Liebe pflegt.

L wie Langlaufen. Triendl ist Physiotherapeutin. Und als solche passt sie auf, dass ihr Freund auch Sorge zu seinem Körper trägt. Ende Saison ist daher Erholung angesagt. Sie geht mit ihm aber auch auf die Loipe - hetzt ihn dort und hängt ihn meist ab.

M wie Maurer. So ist das in der Schweiz: Ausbildung vor Sport. Der Bauernsohn hat sich den Beruf Maurer ausgesucht. Gebracht hat ihm das als Absicherung wenig. Er sagt: «Wenn Skifahren nicht gut ist für mein Knie, ist es Mauern erst recht nicht.» Genaue Pläne für danach hat er noch nicht, «irgendetwas im Sport».

N wie nie mehr. Er wird sein linkes Knie nach einem Dutzend Operationen nie mehr belasten können wie das rechte. Auch im Alltag läuft er nicht rund, «ich belaste mehr über rechts», sagt er, «darunter leidet auch die Hüfte».

O wie Olsson. An der WM 2011 in Garmisch wettet der Schweizer, dass Hans Olsson im Super-G ausfällt -und verdient 90 Euro. Olsson beschimpft ihn deshalb, schreibt der «Blick». Er rächt sich, als er bei einem Teamwettkampf im Duell schneller ist als Feuz und rückwärts ins Ziel fährt. Sie werden gute Freunde, Olsson ist im OK der WM.

P wie Poker. Auf der Piste zeigt er sein wahres Gesicht meist erst im Rennen. Sein Pokerface setzt er erst recht auf, wenn er am Tisch sitzt und spielt. Carlo Janka gehört zu seinen häufigsten Gegnern.

Q wie Quote. Feuz ist bei den Wettanbietern für das heutige Rennen nicht Topfavorit. Dominik Paris wird mit einer Quote von 4,0 zuoberst geführt - vor Vincent Kriechmayr (6,0) und Feuz (6,5).

R wie Roger Federer. Feuz bewundert die Tennisgrösse. Schaut er dem Baselbieter zu, ist er mitunter nervöser, als wenn er Rennen fährt. In St. Moritz 2017 aber ist es umgekehrt. Nach dem Triumph in der Abfahrt wird Feuz von Fan Federer herzlich umarmt.

S wie Schule. Klein Beat war nicht der fleissigste Schüler. Ging es um Zahlen, war er aber ziemlich ehrgeizig - zumindest mehr als bei den Buchstaben.

T wie Tennis. In den Konditionstrainings über irgendwelche Bänke zu hüpfen, hat Feuz nie begeistert. Lieber spielt er Tennis. In Triendls Heimat Oberperfuss holt er 2017 den Vereinsmeistertitel, das «Oberperfer Dorfblatt» berichtet umfangreich.

U wie Unterstützung. Feuz ist Fan der SCL Tigers und sein bester Freund Fabian Haas der Sohn von Bruno Haas, 1976 Mitglied der einzigen Meistermannschaft. 2017 durfte Feuz mit den Tigers auf Eis trainieren - und machte laut Trainern keine schlechte Figur.

V wie Vertreiben. Feuz ist ein Meister darin, negative Gedanken zu vertreiben. Sein Trainer Manfred Widauer sagt: «Ich habe ihn noch nie jammern hören. Es gibt keinen Moment, in dem er sagt: Es geht nicht mehr.»

W wie Wandern. Wer nach dem Winter nicht genug hat vom Emmentaler, kann sich im Frühling auf dessen Spuren begeben. In Bumbach gibt es einen Feuz-Themenweg. Auf Schildern sind die wichtigsten Stationen seiner Karriere zu sehen.

X wie Xylofon. Ruhig ist es zu Hause nur noch selten, seit Tochter Clea das Xylofon entdeckte. Papa Feuz ist vom Instrument derart begeistert, dass er oft mitspielt.

Y wie Youngster. Mit vier Junioren-WM-Medaillen macht er sich 2007 auf, den Weltcup zu erobern. Doch Sepp Brunner bemängelt seinen runden Bauch. Der Österreicher ist danach zehn Jahre lang sein wichtigster Trainer.

Z wie zweite Karriere. Im November 2012 endet seine erste und beginnt seine zweite Karriere, sagt er. Seine Bilanz nach dem schweren Infekt im Knie: 23 Podestplätze, 6 Siege, WM-Dritter 2015, Weltmeister 2017, Olympia-Zweiter und -Dritter sowie bester Abfahrer 2018.

Erstellt: 09.02.2019, 09:31 Uhr

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