Niggli und der «supercoole» Parcours

Was macht eigentlich die 23-fache Weltmeisterin vier Jahre nach ihrem Rücktritt? Simone Niggli prägt den Schweizer Orientierungslauf weiter – und arbeitet in einem Café.

Noch immer bestens orientiert: Simone Niggli hat von ihren Qualitäten kaum eingbüsst. Foto: Peter Holgersson (Zumapress/EQ Images)

Noch immer bestens orientiert: Simone Niggli hat von ihren Qualitäten kaum eingbüsst. Foto: Peter Holgersson (Zumapress/EQ Images)

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Die 23 Weltmeistertitel sind eine Marke mit Ausstrahlung. Dank ihr ist Simone Niggli weit über die Orientierungslaufszene hinaus bekannt – auch jetzt noch, vier Jahre nach ihrem Rücktritt aus dem Nationalteam. Die 39-jährige Bernerin aus Münsingen ist ihrem Sport treu ­geblieben: als Athletin auf nationaler Ebene, als Organisatorin, Impulsgeberin, Trainerin. An diesem Wochenende steht sie erstmals ­zusammen mit ihrem Ehemann Matthias Niggli an der Orga­nisationsspitze des Weltcupfinals in ­Grindelwald – sie als Chef Technik, er als ­OK-Präsident.

Auf die Seite der Ausrichter gewechselt hatten die Nigglis bereits für die ­Junioren-WM vor 15 Monaten im Unterengadin. Und das taten sie sehr ­erfolgreich. Sie brachten ihr Wissen und ihre ­Erfahrungen aus der Aktivzeit ein und organisierten einen zeitgemässen, ­attraktiven Anlass. «Diese ­Junioren-WM hat uns animiert», sagt ­Simone Niggli. Nun folgt die Elitestufe.

Drei Tage OL auf höchster Ebene mit der Niggli-Handschrift stehen am Weltcupfinal an: morgen Freitag mit einem Langdistanzrennen in Grindelwald-Bort, am Samstag bei der Weltcup­entscheidung über die Mitteldistanz mit Ziel mitten im Dorf und am Sonntag mit einem Mixed-Team-Sprint durch Grindelwald. Die letzteren beiden mit Liveübertragung auf SRF.

Rennen auf Grossleinwand

«Diesmal hatten wir den Vorteil, dass wir nicht bei null beginnen mussten», erklären die Nigglis. Seit über zehn ­Jahren findet der Weltcup­final in der Schweiz statt. Modern arrangiert, bei den Leuten, mit der Möglichkeit, die Rennen auf Grossleinwand zu verfolgen. Ihr Know-how und ihre Ideen kombinierten sie mit den örtlichen Gegebenheiten in Grindelwald. Als «sehr steil, aber nicht nur ein Geknorze, sondern auch OL-technisch anspruchsvoll, ­spannend und supercool», bezeichnet ­Simone Niggli das, was die Läuferinnen und Läufer an den beiden Einzelrennen erwartet.

Das Interesse der verschiedenen OL-Nationen ist im Vergleich zu ­früheren Jahren klar gewachsen. Etliche verbinden den Weltcup­final mit einem anschliessenden Trainingslager im Tessin, wo nächsten Frühling die Europameisterschaft stattfindet.

Die Präsenz von Simone und Matthias Niggli in der OL-Szene zeigt sich vielfältig. Zusammen leiten sie den Trainingsstützpunkt Bern. Er steht bei Swiss Orienteering an der Spitze der Technischen Delegierten und ist beim Verein Norska ehrenamtlich für die Anlässe zuständig. Zusammen planen sie den «OL-Grand-Slam», die aufgewertete Jahreswertung bei der Elite. Und Simone ­Niggli ist als Assistentin von Nationaltrainerin Vroni König an die Front zurückgekehrt. Mit der im Hinblick auf die Heim-EM 2018 geschaffenen und mit Swiss-Olympic-Geldern finanzierten Stelle nimmt sie sich der jungen Athletinnen an. «Hochspannend» findet die 39-Jährige diese Aufgabe.

Sie hält läuferisch locker mit

Vor allem schätzt sie den engen Kontakt mit den Athletinnen. Dabei kann sie von ihrer Erfahrung und ihrem Können mit direkten Feedbacks Wertvolles weiter­geben – nicht zuletzt, weil Simone Niggli läuferisch nach wie vor in der Lage ist mitzuhalten. Dies bestätigt sich auch ­immer wieder bei nationalen Wettkämpfen. Von ihren einstigen Qualitäten hat sie nur wenig eingebüsst.

Umso glaubwürdiger ist sie als Botschafterin und ebenso als Werbeträgerin geblieben. Ihre einstigen Verträge laufen grösstenteils weiter. Und einen Traum hat sich die studierte Biologin ebenso verwirklicht: Sie arbeitet einen halben Tag pro Woche als Serviceangestellte in einem Café in Münsingen.

Erstellt: 27.09.2017, 22:11 Uhr

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