Bencic verzückt die New Yorker

Die 17-Jährige schlug Angelique Kerber (WTA 7) 6:1, 7:5 und fordert nun im Achtelfinal Jelena Jankovic (10).

«Es hat Spass gemacht, in dieser Atmosphäre zu spielen»: Belinda Bencic nach ihrem bislang grössten Sieg. Foto: David Lobel (EQ Images)

«Es hat Spass gemacht, in dieser Atmosphäre zu spielen»: Belinda Bencic nach ihrem bislang grössten Sieg. Foto: David Lobel (EQ Images)

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Das Märchen der 15-jährigen Amerikanerin Catherine Bellis am US Open ist vorbei, jenes der Belinda Bencic geht weiter. Und die New Yorker Fans waren gerne bereit, sich auf die Seite der jungen Schweizerin zu schlagen. Als Bencic an diesem sonnigen Freitag gegen die klar favorisierte Angelique Kerber (WTA 7) nach dem 2:5 im zweiten Durchgang Game um Game aufholte und bei 3:5 und 4:5 mit couragiertem Spiel fünf Satzbälle abwehrte, wurde es immer lauter auf Showcourt 17. Als sie schliesslich ihr grosses Comeback komplettiert und die Partie 6:1, 7:5 gewonnen hatte, hatten sich fast alle von den Sitzen erhoben.

Sie selbst konnte kaum glauben, was sie geschafft hatte, als sie mit einem Aufschlagwinner abgeschlossen hatte und zum Handshake ans Netz stürmte. Ihr Gesicht vergrub sie in ihren Händen. In ihren ersten drei Versuchen gegen eine Top-10-Spielerin hatte die 17-Jährige gegen Simona Halep, Serena Williams und Li Na keinen Satz gewonnen. Gestern spielte sie über weite Strecken, als wäre ein Sieg gegen eine Widersacherin solchen Kalibers das Normalste der Welt.

Noch beeindruckender als das Resultat war die Art und Weise. Bencic bestimmte die meisten Ballwechsel und scheute sich vor allem bei wichtigen Punkten nicht, die Offensive zu suchen. So rückte sie 15 Mal ans Netz vor und gewann dabei 11 Mal den Punkt. Die Teenagerin stürmte bei angenehmen, nicht allzu heissen Bedingungen schnell zu ­einem 3:0 und zitterte nur kurz bei ihren ersten Satzbällen bei 5:1. Und nachdem sich im zweiten Satz mehr Fehler eingeschlichen hatten, fing sie sich wieder.

Günthardt nicht überrascht

«Es hat Spass gemacht, in dieser Atmosphäre zu spielen», sagte sie danach, frisch geschminkt im grössten Interview­raum, auf Englisch. «Die meisten unterstützen mich. Das hat mich natürlich ­gefreut.» Einer der ersten Gratulanten war Fed-Cup-Captain Heinz Günthardt. Er habe schon vor der Partie gedacht, dass Bencic gegen Kerber eine gute Chance habe, sagte der Zürcher. «Denn Kerber ist eine Konterspielerin, die ­relativ monoton crosscourt spielt. Und wenn Bencic in den Rhythmus kommt, ist sie am besten.»

Abgesehen von der ersten Hälfte des zweiten Satzes, in der sie ein Timeout genommen habe, sei dies ihr bislang bester Auftritt gewesen, sagte Bencic und strahlte. «Und natürlich ist es mein schönster Sieg. Doch ich muss auf dem Boden bleiben, denn es geht ja noch weiter.» Sie ist die jüngste Major-Achtel­finalistin seit der Österreicherin Tamira Paszek (2007 in New York). Sie hatte sich das Tableau vor dem Kerber-Spiel noch nicht angeschaut, sagte Bencic. Also ­erfuhr sie erst danach, dass es nun gegen Jelena Jankovic (10) weitergeht, die sich guter Form erfreut, zuletzt die Schwedin ­Johanna Larsson (96) 6:1, 6:0 abfertigte. Bencic müsse sich vor allem vor Jankovics Rückhand der Linie entlang in Acht nehmen, sagte Günthardt. «Aber eigentlich ist Jankovic, wie Kerber, auch eher eine Konterspielerin.»

187'300 Dollar und Rang 41

Es ist erstaunlich, wie weit Bencic innert eines Jahres gekommen ist. 2013 unterlag sie hier noch bei den Juniorinnen Antonia Lottner, aktuell die Nummer 26 in Deutschland. Nun schlug sie bereits die beste Deutsche. 187'300 Dollar hat sie in New York schon verdient, ihr bislang grösstes Preisgeld, in der virtuellen Weltrangliste ist sie bereits auf Rang 41. Doch das soll erst der Anfang sein. «Dieser Sieg motiviert mich, noch härter zu arbeiten», sagte sie. «Ich will mehr.»

Erstellt: 29.08.2014, 23:19 Uhr

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