Bereit für die Zeit der Bewährung

Auf Timea Bacsinszky wartet nach ihrer Siegesserie eine neue Phase.

Mit erfolgreichen, aber ebenso spektakulären Auftritten hat sich Timea Bacsinszky in den Vordergund gespielt. Foto: Antoine Couvercelle (EQ Images)

Mit erfolgreichen, aber ebenso spektakulären Auftritten hat sich Timea Bacsinszky in den Vordergund gespielt. Foto: Antoine Couvercelle (EQ Images)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit dem 5:7, 3:6 gegen Serena Williams endete für Timea Bacsinszky die bisher bedeutendste Phase ihrer Laufbahn. Mit 25 ist die Lausannerin, zwei Jahre nach ihrem vorübergehenden Rücktritt, in Neuland vorgestossen. Erstmals gehört sie zu den Top 25, im Jahresranking steht sie sogar in den Top 10 und zählt damit zum Kreis jener, denen grosse Titel und eine Teilnahme am Jahresfinale der acht Besten in Singapur zugetraut werden.

Die Siegerin von Acapulco und Monterrey hat frischen Wind ins ­Frauentennis gebracht und ihre Anhängerschaft innert weniger Wochen vervielfacht. Nicht nur durch ihre Erfolge, sondern auch durch ihr Auf­treten, das bescheiden und selbst­bewusst zugleich ist. Erstmals wurden auch die internationalen Medien so richtig auf sie aufmerksam, entdeckten ihr fröhliches Wesen und ihre turbulente Biografie mit einem dominanten Vater, von dem sie sich 2005 trennte.

Zur neuen Popularität trägt auch ihr Spiel bei – es wirkt attraktiv, gepaart mit einer unbändigen Kampfkraft, und hebt sie ab von dem auf Wucht und Power basierenden, ­monotonen Einheits­tennis, das den Frauencircuit prägt. Falls es so etwas wie eine helvetische Tennisschule gibt, was natürlich nicht erwiesen ist, wird sie durch Bacsinszky (wie Belinda Bencic) ideal fortgesetzt. Wie schon Martina Hingis und Roger Federer, teils auch Stan Wawrinka und früher andere Schweizer Spitzenspieler basiert ihr Tennis nicht auf Kraft, Wucht, Topspin und Ausdauer, sondern in grossem Masse auf Variantenreichtum, Spielinstinkt, Taktik, Ballgefühl.

«Erfrischend und schlau»

Wie eine Künstlerin pflegt die Waadtländerin ihre Schläge zu variieren, permanent Tempo, Länge, Winkel und Drall zu wechseln, selbst gegen Williams agierte sie mit gewagten Schachzügen und Stopp-Lob-Kombinationen. Die 19-fache Grand-Slam-Siegerin aus den USA ist die Erste, die eine solche Vielseitigkeit begrüsst und schätzt. «Sie ist eine sehr erfrischende und wirklich schlaue Spielerin», sagte sie. «Sie versteht es, die Bälle zu variieren und dich herumzujagen. Dazu kann sie praktisch jeden Schlag, hat ein komplettes Repertoire.»

Die grosse Aufsteigerin, die noch vor einem Jahr kleine ITF-Turniere bestritt, muss sich nun mit einer neuen Situation zurechtfinden. Die Erfahrung, dass es einfacher ist, nach oben zu kommen, als sich dort zu behaupten, mussten schon viele machen. Doch sie ist kein Teenager mehr, ist sich bewusst, dass die Erwartungen nun viel höher sein werden, sie einem grösseren Druck und einer vermehrten Nachfrage ausgesetzt sein wird. Schon in Kalifornien sei sie viel mehr gefordert worden neben dem Platz, ins­besondere von den Medien, denen sie in vier Sprachen Auskunft gibt (Ungarisch, Englisch, Deutsch, Französisch) – und das grosszügig tut.

Erholung statt Miami

Bacsinszky scheint bereit für die neuen Herausforderungen, zumal sie gut beraten wird. Dimitri Zavialoff, ihr Coach, hatte 2009 Stan Wawrinka erstmals in die Top 10 geführt; ihm ist diese Region nicht fremd. Seine Arbeitsphilosophie – wie auch die ihres Fitnesstrainers Beni Linder – ist von Weitsicht geprägt, das Ziel sind nicht rasche Erfolge. So erklärt sich auch der freiwillige Verzicht auf das bevorstehende grosse Turnier in Miami – auch wenn sie dadurch die Chance vergibt, in die Top 20 vorzustossen, da sie doch schon so gut in Form ist.

Es sei wichtig, dass sie sich vor der Sandsaison erhole, zurück zu sich selber finde, sagte Bacsinszky nach ihrer ersten Niederlage nach 15 Siegen. Ihr Team habe sie bisher gut beraten, sie vertraue ihm. Dank des Verzichts auf Miami werde sie vielleicht an einem anderen Turnier besser spielen, zum Beispiel in Rom.

Fortsetzung in vier Wochen

Dabei fiel auf, wie frisch und motiviert sie nach ihrem anstrengenden ­Saisonauftakt mit 24 Einzeln (21:3) noch wirkte. Sie klagte auch nicht über körperliche Probleme («wobei ich schon nicht mehr so schnell wie Speedy Gonzales war») und äusserte ihre Vorfreude, sich auf die Sand- und später die Rasensaison vorzubereiten. Ihr nächster Einsatz ist beim Fed-Cup-Aufstiegsspiel am 18./19. April in ­Zielona Gora gegen Polen vorgesehen.

Timea Bacsinszky hat gelernt, dass das Leben viele Wendungen bereithält und der kürzeste Weg nicht immer am schnellsten zum Ziel führt.

Erstellt: 19.03.2015, 22:52 Uhr

Artikel zum Thema

Bacsinszkys Trost: «Wenigstens unterlag ich der Nummer 1»

Die Siegesserie der Lausannerin endet nach 15 Spielen. In Indian Wells unterlag sie der unzufriedenen Serena Williams 5:7, 3:6. Mehr...

Bacsinszky ringt Weltnummer 9 nieder

Fast aussichtslos lag die Lausannerin im Entscheidungssatz zurück – und kämpfte sich in Indian Wells dennoch zum Sieg. Einem Rekordsieg. Mehr...

«Ich wollte im Mini schneller sein als ein Ferrari»

Timea Bacsinszky blickte in Kalifornien voraus auf ihre «neue» Karriere als Topspielerin – und spricht über ihr Wettkampffieber. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Einmal flachlegen, bitte

Mamablog «Spiel mir das Lied vom Trotz»

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Fast wie auf der Titanic: Ein Liebespaar betrachtet die untergehende Sonne im untergehenden Venedig (17. November 2019).
(Bild: Luca Bruno) Mehr...