Bühne frei für das Glamour-Duell

Maria Scharapowa und Eugenie Bouchard stehen sich in Melbourne im Viertelfinal gegenüber. Die beiden glamourösen Tennisprofis haben viel gemeinsam – und sind doch weit voneinander entfernt.

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Die Journalisten überbieten sich vor dem Viertelfinal des Australian Open zwischen Maria Scharapowa und Eugenie Bouchard mit Formulierungen, die nicht nur auf die sportlichen Qualitäten der beiden Spielerinnen hinweisen, sondern auch auf ihr modelhaftes Äusseres. «Scharapowa und Bouchard sind charismatisch, lieben das Rampenlicht und bieten Gewähr für ein hypnotisierendes Duell», schreibt der Korrespondent der britischen «Daily Mail» voller Vorfreude. Der Kollege vom «Guardian» betrachtet die Partie «als den glamourösen Vergleich beim Australian Open, eine Art Symphonie in Blond». Um einiges hemdsärmeliger betrachtet der Journalist von der Grazer «Kleinen Zeitung» das Beauty-Duell in Melbourne: «Wie auch immer das Spiel ausgehen wird – schön wird es auf jeden Fall» – und beginnt seinen Artikel mit einem Blondinenwitz. Die Zeitungen in Down Under sind der Ansicht, dass man sich nichts Schöneres im Frauentennis wünschen könne als den Vergleich auf dem Platz zwischen der 27-jährigen Russin und der um sieben Jahre jüngeren Kanadierin.

Fairerweise muss man beifügen, dass in allen Artikeln – natürlich primär von Männern verfasst – trotz allen diskriminierenden Vergleichen und Wortspielereien vor allem mit Respekt über die Nummern 2 (Scharapowa) und 7 (Bouchard) des Rankings berichtet wird. Beide schwingen sehr erfolgreich das Racket auf der WTA-Tour und wissen auch neben dem Court, was sie wollen. Die in Sibirien geborene und in Florida domizilierte Scharapowa ist dank ihrer Sponsor- und Werbeeinahmen mit rund 24 Millionen Dollar (2014) die am besten verdienende Sportlerin der Welt, und das schon seit Jahren. Marketingexperten glauben zu wissen, dass Bouchard in dieser Hinsicht durchaus in die Sphären ihrer Viertelfinalgegnerin eintreten könnte. Beide Frauen wissen um die Bedeutung von Social Media, sie schaffen es meisterhaft, die Aufmerksamkeit der Tennisfans auf sich zu lenken. Mademoiselle Bouchard, trotz Geburtsort Montreal kein Fan der Canadiens und des Eishockeys, schoss auch schon ein Selfie im Morgenmantel – und stellte das künstlerische Werk ins Netz.

Das Kompliment des Freundes

Scharapowa und Bouchard wissen sich also neben der Arena in Szene zu setzen, darum zählen sie auch zur Modelfraktion der weiblichen Tennis-Professionals. Zahlreiche Gemeinsamkeiten wie Haarfarbe (blond), Talent (Tennis, Modell stehen), Geschäftssinn und Zielstrebigkeit (Beruf) sind bei beiden zu erkennen. «Sie ist die grösste Kämpferin und nimmt alle Hürden, die sich ihr in den Weg stellen», sagt der bulgarische Freund und Tennisprofi Grigor Dimitrov ehrfurchtsvoll über seine Freundin Maria – er muss es ja wissen, er ist die Nummer 11 bei den Männern. Bouchard hat den Ruf, gnadenlos zu sein, auch mit ehemaligen Weggefährtinnen, und alles für den Erfolg zu tun. Überdies versuchen beide mit der gleichen Taktik – wuchtiges und solides Grundlinienspiel – ihre Gegnerinnen in die Knie zu zwingen.

Und trotzdem sind markante Unterschiede feststellbar. Die routinierte Scharapowa ist 188 Zentimeter gross, hat 5 Grand-Slam-Titel geholt, 34 WTA-Turniere gewonnen und ein Preisgeld von 32'730'228 US-Dollar kassiert. Daneben verblasst das Palmarès der um zehn Zentimeter kleineren Bouchard (3'726'035 US-Dollar/1 Turniersieg). Die Kanadierin ist allerdings erst 20 – Experten trauen ihr noch eine grosse Karriere zu, der Gewinn eines Major-Turniers sei nur noch eine Frage der Zeit, meinen viele Beobachter.

Scharapowa führt im Head to Head makellos mit 3:0. Schon der epische Halbfinal des letzten French Open, als sich die Russin mit 4:6, 7:5, 6:2 durchsetzte, zeigte, dass sich Bouchard praktisch auf gleicher Höhe bewegt. «Sie hat bisher sehr gut hier in Melbourne gespielt, auch in den Grand-Slam-Turnieren des letzten Jahres. Ich erwarte, dass sie am Dienstag einen sehr guten Match zeigen wird», zeigt Scharapowa Respekt vor ihrer Viertelfinalgegnerin. «Ich glaube eben daran, dass ich immer eine Chance habe, um zu gewinnen», erklärt Bouchard, die schon bemerkenswerte Weisheiten von sich gegeben hat wie «Die Tour ist kein Ort, um Freundschaften zu schliessen».

Scharapowa oder Bouchard im Halbfinal von Melbourne? Wie auch immer der Viertelfinal in der Nacht auf Dienstag MEZ ausgehen wird: Auch Tennisfans, die primär aus sportlichen Gründen das Spiel verfolgen wollen, dürfen sich auf ein gehaltvolles und spannendes Duell freuen.

Erstellt: 26.01.2015, 17:30 Uhr

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