«Dann trank ich ein Glas Wein mit Mirka»

Roger Federer spricht darüber, wie er über den Herzschmerz von Wimbledon hinweg kam. Und wieso er sich so gut fühlt wie schon lange nicht mehr vor dem US Open.

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Wie sehr hat Ihnen der Wimbledon-Final zugesetzt, physisch und mental?
In den ersten Tagen danach hatte ich schon Mühe. Aber ich war ja unterwegs im Wohnmobil mit den Kids. So hatte ich nicht so viel Zeit, mir über die verpassten Chancen Gedanken zu machen. Wir fuhren in der Schweiz herum, durch wunderbare Landschaften. Manchmal holte es mich wieder ein. Dann dachte ich: Ich hätte dies oder das tun müssen. Dann trank ich ein Glas Wein mit Mirka und dachte: Der Halbfinal war ziemlich gut, der Final auch. Ich brauchte ein paar Tage, um die Gedanken an jenes Spiel zu verdrängen. Und natürlich kam alles wieder hoch, als ich wieder mit dem Training begann. Aber wenn ich zurückblicke, so denke ich, dass ich mich glücklich schätzen darf, zu einem solch unterhaltsamen Spiel beigetragen zu haben. Wir sind ja im Unterhaltungsbusiness. Die Leute bezahlten viel Geld, um diesen Final zu sehen. Es war ein grossartiger Fight. Einer musste gewinnen. Novak war der Bessere an jenem Tag. Er war unglaublich zäh. Ich musste schon andere bittere Niederlagen wegstecken. Ich war mehr verärgert als traurig. Ich kann mir nicht viel vorwerfen, habe auf Sand und Rasen sehr gut gespielt. Und natürlich hoffe ich, dass mir das hier helfen wird.

Sie waren am US Open in den letzten Jahren nicht vom Glück verfolgt, verloren einige knappe Matches. Wie erklären Sie sich das? Und wie fühlen Sie sich diesmal?
Es stimmt, es war in letzter Zeit nicht so einfach für mich hier. Vor zwei Jahren stieg ich mit Rückenproblemen ins Turnier und hatte schon früh einige schwierige Fünfsatzmatches. Gegen Tiafoe und andere. Da wusste ich, dass es hart werden würde. Letztes Jahr hatte ich gegen Millman Mühe mit der Hitze. 2016 verpasste ich das US Open ja. Wir sprachen gestern oder vorgestern während des Trainings darüber, dass ich mich diesmal vor dem US Open so gut fühle wie schon lange nicht mehr. Das ist ermutigend.

Sie haben hier seit 2008 nie mehr gewonnen. Mit welcher Mentalität gehen Sie das Turnier an?
Ich setze mich nicht speziell unter Druck. Ich weiss, es wird hart werden. Ich steige nicht als grosser Favorit ins Turnier wie 2006 oder 2007. Ich weiss genau, wie ich das Turnier mental angehen muss. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich in den letzten eineinhalb Jahren sehr konstant gespielt habe. Seit in Montreal (2017) mein Rücken blockiert hatte. Mein Niveau ist gut, ich habe an den letzten Grand Slams überzeugt. Der Sieg über Nadal im Halbfinal von Wimbledon war eine grosse Sache für mich. Auch, wie ich im Final gespielt habe, gibt mir Vertrauen. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Spiel. Und es ist wohl sogar gut, dass ich in Cincinnati so früh verloren habe. Solche Dinge müssen manchmal passieren. Ich brauchte das vielleicht, um mich wieder zusammenzureissen, hart zu trainieren. Das habe ich getan. Ich bin bereit fürs US Open.

Was gefällt Ihnen am meisten am US Open?
Wie gross hier alles ist. Das grösste Tennisstadion der Welt! In den USA ist alles grösser. Ich stamme aus einem sehr kleinen Land. Deshalb war es für mich immer etwas Besonderes, in den Staaten zu spielen. Ich weiss noch, wie ich das Flugzeug bestieg, um die Orange Bowl der U-14 in Miami zu spielen. Das war für mich eine grosse Sache. Und natürlich ist es immer noch sehr speziell für mich, in New York zu spielen. Das US Open hat sich mit den Jahren stark entwickelt, mit dem Dach und allen anderen Neuerungen. Es ist schön zu sehen, dass dies für viele Spieler das liebste Turnier ist.

Erstellt: 23.08.2019, 18:48 Uhr

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