Den Bann brillant gebrochen

Roger Federer kam in Indian Wells zum ersten Sieg über Berdych in den USA (6:4, 6:0) und steht im Halbfinal.

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Zu behaupten, Tomas Berdych sei ein Angstgegner Roger Federers, wäre übertrieben. Doch der schlaggewaltige Tscheche hat dem 17-fachen Grand-Slam-Sieger das Leben schon oft schwer gemacht und ihn sechsmal bezwungen – darunter in allen drei vorangegangenen Duellen in den USA (was Federer selber gar nicht realisiert hatte). Umso be­merkenswerter war die Leichtigkeit, mit der Federer in ­Indian Wells nun das 19. Duell gewann. In 68 Minuten setzte sich der 84-fache Turniersieger 6:4, 6:0 durch und qualifizierte sich zum 9. Mal für die Halbfinals des zweitgrössten US-Turniers. Danach wartete er auf den Ausgang der Partie zwischen Rafael ­Nadal und Milos Raonic, in der sein heutiger Halbfinalgegner ermittelt wurde.

Es war Federers klarster Sieg gegen Berdych seit zehn Jahren und einem 6:2, 6:1 in Hamburg. «Es lief sehr gut für mich, das hatte ich nicht erwartet», sagte der Rekordmann von Indian Wells (4 Titel, 51 Siege). «Wichtig war das erste Break, das ich mir hart erkämpfen musste, und dann auch das zehnte Game, in dem ich 0:30 zurückfiel. Danach hatte ich viel Selbstvertrauen und spielte ausgezeichnet, während er nicht seinen besten Tag hatte, was den Aufschlag betrifft.»

Wie in alten Zeiten

Mit Hardrock-Tönen von AC/DC hatten die Organisatoren die gegen 15 000 Zuschauer im kalifornischen Rentner­paradies auf die Partie eingestimmt. ­Federer und Berdych brauchten an diesem idyllisch ruhigen Freitagmittag mit Bilderbuchwetter keine lange Anlaufzeit. Die Partie begann ausgeglichen, ehe sich rasch zu zeigen begann, weshalb der spätere Sieger in der Weltrangliste sieben Positionen besser klassiert ist. Die Nummer 2 zeigte sich in prächtiger Form, nachdem der Start ins Turnier etwas harzig verlaufen war. ­Federers Vorhand war eine Augenweide, der Return hätte kaum besser sein können, und auch der Aufschlag war eine verlässliche Stärke, wenn er benötigt wurde. Berdych kam als Returnspieler nur zu acht Punkten und keinem Breakball.

Nachdem der Tscheche einen ersten Breakball im fünften Game noch abwehren konnte, fiel er beim nächsten Servicespiel 0:40 zurück und geriet 3:4 in Rückstand. Federer beendete den ersten Satz, in dem ihm nur sechs unerzwungene Fehler unterliefen, nach 40 Minuten. Als er den zweiten mit seinem nächsten Break eröffnen konnte, sank Berdychs Selbstvertrauen, während er weiter brillierte. Das 3:0 brachte ihm ein Doppelfehler, womit die Partie schon nach 55 Minuten zumindest vorentschieden war. Das 5:0 sicherte sich der Vorjahresfinalist mit einem Vorhandwinner longline. «Aber ich bin keiner, der Sätze unbedingt 6:0 gewinnen will», sagte er.

Federer hat in den vier Partien auf dem Weg in die Halbfinals keinen Satz und nur 22 Games abgegeben, einzig ­gegen Andreas Seppi wurde er einmal gebreakt. Damit durfte er auch dem Halbfinal zuversichtlich entgegen­blicken. Gegen Nadal liegt er 10:23 zurück und hat die letzten fünf Duelle alle verloren, der letzte Sieg aber kam 2012 in Indian Wells zustande. Gegen Raonic führt er mit 8:1 Siegen.

Einen ganz anderen Weg nahm Novak Djokovic in die Halbfinals. Der Titel­verteidiger hatte dank dem Forfaitsieg gegen Bernard Tomic zwei freie Tage. Das könnte für ihn heute von Nachteil sein, zumal er im Gegensatz zu seinem Gegner Andy Murray bisher in Indian Wells nur am Abend antreten musste. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.03.2015, 22:56 Uhr

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